Good Night and Good Luck

Mit George Clooneys zweiter Regiearbeit kommt ein weiterer jener Filme ins Kino, die als Zeichen für die zunehmende Politisierung des Hollywoodkinos angeführt werden.
1953 in den USA. Der paranoide Senator McCarthy ist mit seiner "Hexenjagd" auf vermeintliche Kommunisten und liberale Denker auf dem Höhepunkt seiner Macht. CBS-Nachrichtenmann Edward R. Murrow prangert in seiner Sendung "See it now" unerschrocken die perfiden Machenschaften McCarthys an. Sein allabendlicher Abschiedsgruß lautet: "Good Night, and Good Luck". Aber dieses Glück kann er schon bald selbst gebrauchen, denn McCarthy schlägt gegen den furchtlosen Journalisten zurück…

Webseite: www.goodnightandgoodluck.kinowelt.de

USA 2005
Regie: George Clooney
Buch: George Clooney, Grant Heslov
Kamera: Robert Elswitt
Schnitt: Stephen Mirrione
Darsteller: David Strathairn, George Clooney, Robert Downey Jr., Patricia Clarkson, Ray Wise, Frank Langella, Jeff Daniels
93 Minuten, Format: 1:1,85, schwarz-weiß
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 6. April 2006

PRESSESTIMMEN:

Ein stilvoll schwarzweißes Kino-Erlebnis fürs Hirn und die Sinne.
STERN

"Ein kluger und eleganter Film… Eine beispielhafte Geschichte über Angst als Machtinstrument, über die Pflicht, in einer Demokratie alles zu hinterfragen, und die Rolle, die die Medien dabei spielen.
Süddeutsche Zeitung

Beschreibt eindringlich und packend den Kampf des legendären TV-Journalisten Edward R. Murrow gegen den konservativen Senator und Kommunistenjäger Jose McCarthy in den fünfziger Jahren. Ein formal strenges Plädoyer für die politische Unabhängigkeit des Fernsehens – analytisch kühl und flammend leidenschaftlich zugleich.
Der Spiegel

George Clooneys zweite Regiearbeit ist ein unglaublich kämpferischer Film in Sachen Zivilcourage, gedreht in strengem Schwarzweiß, räumlich reduziert auf ein Fernsehstudio und eine Bar. Aber gerade die formale Strenge forciert diese brisante Geschichte, die sehr aktuelle Bezüge hat.
Brigitte

George Clooney setzt sich mit der Macht des Fernsehens und der Verantwortung seiner Macher auseinander… Seine intelligente Inszenierung betont die aktuellen Bezüge niemals plakativ und läßt sie wie nebenbei im Kopf des Zuschauers entstehen… So wird Clooneys Hommage an einen mutig gegen den Mainstream schwimmenden Reporter auch zu einer Ermahnung, sich nicht von volksverdummenden Politikern und Medien manipulieren zu lassen.
Filmecho

Mit ruhiger Hand inszenierter Aufruf zu Zivilcourage und absoluter Aufrichtigkeit – ein reifes Werk von Hollywoods charmantestem Aktivist, George Clooney.
Cinema

George Clooneys elegantes und vielfach ausgezeichnetes Porträt eines aufrechten Journalisten in der amerikanischen McCarthy-Ära… lohnt schon wegen seiner wunderschönen Schwarzweiß-Bilder, einer Brigade exzellenter Darsteller und der Musik.
KulturSPIEGEL

Hervorragend gespielt, stimmungsvoll fotografiert und inszeniert, bricht der Film eine Lanze für einen verantwortungsvollen Fernsehjournalismus, wobei auch die Funktion der Medien als Instrumente der Manipulation thematisiert wird. – Sehenswert.
film-dienst

FILMKRITIK:

George Clooneys zweite Regiearbeit beweist auf brillante Weise, dass ein Film Eleganz und Stil haben und dennoch gleichzeitig ein brisantes Thema ernsthaft behandeln kann. Die glänzend gespielte Episode aus der frühen Phase des Fernsehens ist ein zeitloses Plädoyer für Zivilcourage und Meinungsfreiheit. Für soviel smarten Umgang mit dem Unterhaltungsmedium Kino gab es verdientermaßen gleich mehrere Oscarnominierungen.

1953  herrschte in den USA ein innenpolitisches Klima, das vornehmlich vom Kalten Krieg bestimmt war. Einer der schlimmsten Scharfmacher war dabei der ultrakonservative US-Senator Joseph McCarthy. Dass dem fanatischen Kommunistenjäger beim Kampf gegen tatsächliche oder vermeintliche russische Infiltration vornehmlich Liberale und gemäßigte Linke ins Netz gingen, nahm der Politiker billigend im Kauf. Wer nicht für ihn war, so seine fatale Logik, musste auf Seiten der Feinde stehen. Eines der wichtigsten „Jagdreviere“ McCarthy waren die Medien. Kein kritischer Journalist war vor ihm sicher, schon gar nicht, wenn er, wie der berühmte Moderator  Edward Murrow (David Strathairn) in seiner CBS-News-Show „See it Now“ die Methoden McCarthys zum Thema machte. Die legendäre Auseinandersetzung zwischen dem smarten Fernsehmann und dem Kalten Krieger sollten den Sturz McCarthys einleiten.

George Clooney greift diese wahre Sternstunde aus den Kindertagen des Fernsehens auf für einen grandiosen Historienfilm, dessen Botschaft auf die heutige Zeit abzielt. Stilsicher bis in kleinste Detail, schildert der formvollendete Film in klar ausgeleuchteten Schwarzweißbildern die Geschichte eines heldenhaften Kampfes. Bevor die beiden Kontrahenten vor den TV-Kameras die Klingen kreuzen, wirft Clooney einen Blick auf die Atmosphäre und Arbeitssituation bei den frühen Fernsehenmachern. Der Eindruck ist durchaus zwiespältig. Man sieht professionelle und gewissenhaft arbeitende Journalisten, deren Endprodukt damals aber nicht von der Quote, sondern vom Wohlwollen des Sponsors abhängt.

Bei aller Bewunderung mit der Clooney, selber Sohn eines Fernsehjournalisten, die Branche der seriösen Newsmacher betrachtet, skizziert er hier mit feiner Ironie ihre Schwachstellen im Schatten wirtschaftlicher Interessen. Die enge Verbindung zu den Werbekunden ist auch die Achillesferse bei dem gut vorbereiteten Angriff auf  McCarthy.

Neben der Angst, der einflussreiche Politiker könnte seine Macht gegen die Medienmacher einsetzten, gesellt sich im Newsroom von CBS die stetige Sorge vor der eigenen Geschäftsleitung. Frank Langella spielt mit der Rolle des legendäreren CBS-Boss William Paley denn auch einen der interessantesten Parts in Film. George Clooney selber ist auch mit von der Partie, hält sich aber auffällig zurück Sein Part als Murrows Produzent ist eher der eines Paladins, der seinen Herren den Rücken freihält. Auch wenn das exzellente Schauspielerensemble (Robert Downey Jr., Jeff Daniels und Patricia Clarkson u.a.) das Teamwork beim Sendungsmachen betont, so steht damals, wie nun auch im Film vornehmlich Moderator Murrow im Mittelpunkt. David Strathairn verleiht dem couragierten TV-Mann Edward R. Murrow eine beeindruckende Aura. Mit großer Ruhe verkörpert er den Leitsatz seiner Sendung „Fakten statt Mutmaßungen“. Mit ruhigem, klaren Blick wirkt Strathairn in mitten der hektischen Arbeitsatmosphäre wie der Fels in der Brandung. Wenn dann seine messerscharfen, glasklaren Statements kommen, ist ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit des Kinopublikums sicher. Clooney unterstreicht diese ungeheure Wirkung noch, in dem er Straitharns Augen betont, als verberge sich hinter dessen skeptischen Blick bereits das ganze Wissen um den Zustand der heutigen USA. Denn dass dieses Plädoyer für Zivilcourage und Meinungsfreiheit geradewegs auf den Versuch der Bush-Administration zielt, die Medien massiv im Kampf  um die „Freiheit“ zu instrumentalisieren, steht außer Frage.

Erstaunlicherweise ist der überaus integre Film auch noch unterhaltsam geraten. Dass liegt wohl nicht zuletzt an Clooneys Vorliebe für coole Männerunden. In rauchgeschwängerten Bars bei dynamischer Jazzmusik erholen sich die Helden vom aufreibenden Kampf. Augenzwinkernd zeigt er sich und die übrigen Gefährten als sanfte Machos, moderne Ritter der Tafelrunde, die beherzt für ein heiliges Gut kämpfen und dabei auch noch eine verdammt gute Figur abgeben. Dass mag zwar ebenso nostalgisch, wie unterschwellig narzisstisch sein, aber nach so einem formidablen Film darf man sich als Macher ruhig einmal selber auf die Schulter klopfen.

Norbert Raffelsiefen

 

 

Eingerahmt von einer Rahmenhandlung in der Rob Murrow, Moderator des Nachrichtenmagazins See it Now, eine Preisverleihung nutzt, um über die zunehmende Banalität des Fernsehens herzuziehen, erzählt der Film vom Kampf gegen die Kommunisten Hatz Joseph McCarthys. McCarthy, ein über alle Maßen ehrgeiziger (und paranoider) Senator aus Wisconsin hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mit allen Mitteln gegen echte und vermeintliche Kommunisten bzw. Sympathisanten in der amerikanischen Gesellschaft vorzugehen. Seine Verbissenheit und seine oft illegalen Methoden diskreditierten McCarthy trotz zahlreicher unzweifelhafter Erfolge, jedoch nicht ohne eine Spur der Verwüstung hinterlassen zu haben, die Karrieren und in etlichen Fällen auch Leben zerstörte. Zur Strecke gebracht wurde McCarthy nicht von einem Journalisten allein – auch wenn man das nach diesem Film denken könnte – sondern von einer im Laufe der Jahre immer vehementer werdenden Kritik weiter Teile der Medien.

Good Night, And Good Luck konzentriert sich auf eine Reihe von Sendungen, in denen Rob Murrow und seine Redaktion einzelne Fälle aufgriffen und sich in die breite Front der McCarthy Kritiker einreihten. In Clooneys Darstellung der Ereignisse jedoch wird aus Rob Murrow ein einsamer Streiter gegen die Machenschaften eines Politikers, ein absolut integrer Journalist, der Gesundheit und Karriere riskiert, um das Richtige zu tun. So schwarz-weiß die Bilder sind, in der der Film seine Geschichte erzählt, so schwarz-weiß ist auch seine Weltsicht.

Das Hauptproblem ist, dass Good Night, And Good Luck für George Clooney eine Herzensangelegenheit war. Aus seiner Bewunderung für den Moderator Rob Murrow, macht Clooney keinen Hehl, um diese Geschichte zu realisieren, verzichtete er auf viel Geld und nutzte seinen Einfluss in Hollywood, um ein schmales Budget und eine exzellente Besetzung zusammenzubekommen. Doch wie so oft ist der Grad von Bewunderung zu unkritischer Verklärung ein schmaler, ist der Wille ein politisches Statement abzugeben, das auch als Kommentar zu aktuellen Entwicklungen verstanden werden will, größer, als das Interesse an einem differenzierten Portrait einer fraglos faszinierenden Epoche des Fernsehens.
In den besten, ehrlichsten Momente des Films wird die flirrende Atmosphäre einer typischen Nachrichtenredaktion zum Leben erweckt, ist die Aufregung einer Liveproduktion, der Adrenalinrausch einer erfolgreichen Sendung in allen Fasern spürbar. Mit großer Akkuratesse werden die 50er Jahre nachgestaltet, die Eigenheiten der Zeit (kaum ein Moment etwa vergeht, ohne das nicht mindestens eine Figur eine Zigarette in der Hand hat) liebevoll gezeichnet, die komplexen Verhältnisse innerhalb eines Medienkonzerns angedeutet.

Diese differenzierte Darstellung hätte man sich auch für den Rest des Films gewünscht. Stattdessen wird Murrows marginaler Anteil an der Entlarvung McCarthys zu einer selbstlosen Tat stilisiert, die ihn letztlich seine Sendung kostete, wie der Film suggeriert. In einer der vielen kleinen, aber entscheidenden Manipulationen, die Clooney und sein Co-Autor vornehmen, wird da angedeutet, dass als Reaktion auf die Angriffe auf McCarthy, die Sendung auf einen wesentlich schlechteren Sendeplatz verlegt wurde. Dass diese Entscheidung in Wahrheit wesentlich später fiel und in keinem Bezug dazu stand, ignoriert Clooney ebenso wie Murrows eigene Aussage, dass er erst zu einem Zeitpunkt begann sich gegen McCarthy zu stellen, als diese Position bereits von zahlreichen anderen Journalisten eingenommen wurde, seine Haltung somit keineswegs besonders mutig war.

Diese Unzulänglichkeiten des Drehbuchs sind angesichts der Qualitäten des Films umso bedauerlicher. Neben der peniblen Rekonstruierung der Zeit, ist dies besonders das glänzende Darstellerensemble, angeführt von David Strathairn.

Michael Meyns