Maenner im Wasser

Männer und Synchronschwimmen. Die schwedische Außenseiter-Komödie „Männer im Wasser“ führt diese scheinbaren Gegensätze im Rahmen einer nicht immer ganz konfliktfreien Vater-Tochter-Geschichte zusammen. Das Resultat ist ein heiteres, sehr charmantes Feel-Good-Stück, dessen Strickmuster sehr an Erfolgskomödien wie „Ganz oder gar nicht“ erinnert. Mit seinen liebenswerten Figuren ist der Film insgesamt recht überzeugend gelungen..

Webseite: http://maenner-im-wasser.pandorafilm.de

OT: Allt flyter
S 2008
Regie: Måns Herngren
Drehbuch: Måns Herngren, Jane Magnusson
Produktion: Rebecka Hamberger
Darsteller: Jonas Inde, Amanda Davin, Andreas Rothlin Svensson, Jimmy Lindström, Peter Gardner, Benny Haag, Shelby Niavarani
Laufzeit: 100 Minuten
Kinostart: 19.8.2010
Verleih: Pandora

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Auf das Älterwerden ist nicht jeder gleichermaßen vorbereitet. Während nicht wenige Frauen mit Hautcremes der Natur zumindest temporär Paroli zu bieten hoffen, leiden Männer eher still vor sich hin. Manch einer, der es sich leisten kann, kauft sich in seiner Midlife-Crisis einen schnellen Sportwagen. Für den arbeitslosen Journalisten Fredrik (Jonas Inde) ist das allein schon aufgrund seiner finanziellen Möglichkeiten keine wirkliche Option. Die Ehe des Mittvierzigers scheint am Ende, und während seine Frau in London Karriere als TV-Reporterin macht, muss er sich daheim in Schweden mit seiner pubertierenden Tochter Sara (Amanda Davin) auseinandersetzen.

Dem passionierten Freizeit-Sportler reicht es. Er sucht eine neue Herausforderung und findet sie dort, wo es wohl kaum einer seiner Freunde vermutet hätte. Aus einer reichlich albernen Idee für einen Junggesellenabschied entwickelt Fredrik neuen Ehrgeiz: Er plant, eine Mannschaft im Synchronschwimmen aufzubauen. Zusammen mit seinen Hockey-Kumpels, die der Idee zunächst skeptisch gegenüberstehen, will er Schweden bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Berlin vertreten. Bis es soweit ist, muss die Truppe jedoch ein hartes Trainingsprogramm absolvieren. Dumm nur, dass keiner der Männer von Synchronschwimmen auch nur die geringste Ahnung besitzt. In dieser scheinbar aussichtslosen Lage bietet sich Fredriks Tochter unverhofft als Coach der Möchtegern-Grazien an. Sie glaubt an ihren Vater und an dessen ungewöhnliches Projekt.

So neu und ungewöhnlich das Thema Synchronschwimmen – noch dazu, wenn es von Männern ausgeübt wird – auf den ersten Blick auch erscheinen mag, die Idee, die dahinter steckt und die das Drehbuch von Måns Herngren und Jane Magnusson äußerst charmant aufgreift, ist nur bedingt originell. Männer in der Midlife-Crises bieten sich als Stoff für eine tragikomische Erzählung förmlich an. In Erinnerung bleibt vor allem die britische Underdog-Geschichte „Ganz oder gar nicht“. Diese nennt Autor und Regisseur Herngren dann auch als eine der wichtigsten Inspirationsquellen für seinen Film. Wie die strippenden Working-Class-Helden in Peter Cattaneos Überraschungserfolg sind auch die schwedischen „Männer im Wasser“ uneingeschränkte Sympathieträger, deren kleine Missgeschicke und Freuden sich unmittelbar auf den Zuschauer übertragen. Es macht einfach Spaß mitzuerleben, wie sich Fredrik dank der neuen Herausforderung allmählich aus seinen privaten wie beruflichen Zwängen freikämpft.

Ganz nebenbei erfährt man einiges Wissenswertes über eine oftmals belächelte Sportart. Synchronschwimmen wurde einst von Männern erfunden und anfangs nur von diesen ausgeübt. Frauen war es hingegen bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts verboten, sich derart freizügig in der Öffentlichkeit zu zeigen. Interessant ist vor diesem Hintergrund, wie der Film die Geschlechterrollen vertauscht und in Person von Fredriks Tochter Sara ein selbstbewusstes und zugleich modernes Frauen-/Mädchenbild etabliert. Sie ist es, die der chaotischen Männer-Truppe Disziplin beibringt und die Organisation schultert. Die wiederkehrenden Konflikte zwischen ihr und ihrem Vater werden von Hernsgren und Magnusson allerdings nur halbherzig verfolgt. Ohnehin bestehen von Beginn an keine Zweifel am positiven Ausgang von Fredriks Aufbauprogramm für müde Männer.

Der schwedische Kommentar zur viel zitierten Midlife-Crises bietet vornehmlich leichte Unterhaltung mit queerem Unterton. Letzteres überrascht ebenso wenig wie der kurze Gastauftritt auf der Stockholmer Gay-Pride. Auch ist es nicht unwahrscheinlich, dass Hollywood schon bald bei Herngren anklopft und sich die Rechte für ein Remake sichert. Die Traumfabrik liebt bekanntlich Feel-Good-Geschichten, in denen Außenseiter groß rauskommen.

Marcus Wessel

Mit Fredrik steht es derzeit nicht zum Besten. Er ist Redakteur, aber arbeitslos. In der Ehe hapert es, die Frau haut ab nach London, und im Freizeitsport Hockey kassiert sein Team eine derartige Niederlage, dass es keinen Sinn hat weiterzumachen.

Er sieht eine Mädchentruppe, der seine Tochter angehört, beim Synchronschwimmen, und da kommt ihm die Schnapsidee, er könnte das mit seinen Freunden doch auch tun.

Und nicht nur das. Man würde, wenn alles klappt, so Fredrik, sogar in Berlin an den Synchronschwimmweltmeisterschaften teilnehmen.

Doch jetzt gehen die Schwierigkeiten erst richtig los. Die Freunde haben von diesem künstlerisch ausgerichteten Sport keine Ahnung. Wo einen Trainer hernehmen? Bei Meisterschaften sind nur Damenteams zugelassen. Fredriks Tochter muss schließlich als Trainerin einspringen.

In der Mannschaft ist ein Mann zuviel. Wie soll das alles unter Dach und Fach gebracht werden? Schließlich will man die Goldmedaille holen. Natürlich kommt es auch zu Stimmungsschwankungen. Aber irgendwie werden sie es schon schaffen.

Ein schwedischer Spaß, harmlos, aber nett gemacht. Die sieben, acht Kerle sind sympathisch und spielen gut drauf los. Dasselbe gilt für Fredriks Tochter Sara. Die Ausgangsidee, einzelne Einfälle, das Handwerkliche und die Regiearbeit sind o k. Insgesamt ein mittleres Amüsement.

Thomas Engel