Männerherzen…und die ganz, ganz große Liebe

Mit seinen „Männerherzen“ traf Simon Verhoeven den Puls der Zeit: Über 2 Millionen Besucher wollten 2009 die männliche Antwort auf „Sex and the City“ und Co. erleben. Nun geht die emotionale Pleiten, Pech und Pannen-Tour der Machos, Softies und Testosteron-Tölpel in die zweite Runde. Die Herrenmannschaft spielt in bewährter Aufstellung: Von Justus von Dohnanyi über Christian Ulmen bis Florian David Fitz und Til Schweiger. Mit solchen Stars als Beziehungschaoten auf dem Figurenkarussell ist für ausreichend Pointen-Potenzial gesorgt. Die Witz-Quote fällt höher aus als beim ersten Mal, das dürfte allemal reichen zum ganz, ganz großen Comedy-Coup reloaded

Webseite: www.maennerherzen-derfilm.de

Deutschland 2011
Regie und Drehbuch. Simon Verhoeven
Darsteller: Justus von Dohnanyi, Christian Ulmen, Florian David Fitz, Til Schweiger, Maxim Mehmet, Nadja Uhl, Wotan Wilke Möhring, Liane Forestieri, Jana Pallaske, Stephan Grossmann, Amon Wendel
Kinostart: 15.9.2011
Verleih: Warner

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Was glaubst du, was das ist? ‚Gute Zeiten, schlechte Zeiten’?“ – derart selbstironisch werden gleich zu Anfang die ersten Männerherzen gebrochen. Wie zum Hohn trällert Schlagerstar Bruce Berger (Justus von Dohnányi) dazu seine jüngste Schnulze von der titelgebenden „Ganz, ganz großen Liebe“. Bruce war Publikumsliebling beim ersten Teil, darum darf er diesmal noch dicker auf die Tube drücken. Er gründet sein eigenes Plattenlabel, kämpft mit medialen Imageschäden und entdeckt die virtuellen Welten. Nach anfänglichen Zweifeln („Ich glaube nicht, dass sich das Internet durchsetzen wird“) feiert Bruce bald fette „Spacebook“-Partys mit seinen Fans. Seine Muse Jerome (Til Schweiger) gönnt sich derweil, schwer liebeskrank, eine Auszeit bei den Eltern auf dem Land. Während Mutti ihn mit endlosen „Willst du noch ein Wurstbrot“-Angeboten nervt, sorgt eine unbekannte Schönheit auf ihrem Schimmel beim frustrierten Ex-Schwerenöter immerhin für einen amourösen Hoffnungsschimmer.

Unterdessen läuft bei seiner alten Saunabekanntschaft Günther (Christian Ulmen) alles bestens – zumindest theoretisch. Den Krokodil-Kampf vom letzten Mal hat er gut weggesteckt. Seine große Flamme vom Tierfutter-Laden ist schwer verliebt. Nur in Sachen Sex braucht der schüchterne Unschuldsknabe noch dringend ein paar telefonische Macho-Tipps von Jerome. Träumer Philip (Maxim Mehmet) ist da schon weiter: Freundin Nina (Jana Pallaske) erwartet überraschend Zwillinge („Ich fühle mich wie ein Mini-Van“). Ehrensache, dass der überzeugte Softie die Schwangerschafts-Gymnastik solidarisch mitmacht – immerhin versucht er sein Bestes. Florian David Fitz will wieder mehr: Als sensibler Niklas nämlich seine schöne Seifenopern-Ex zurück und alle spontanen „Spacebook“-Bekanntschaften und Stalker schnellstens vergessen. Während der unbeherrschte Roland (Wotan Wilke Möhring) im Gefängnis schmort, sorgt der fiese Koksnasen-Konkurrent von Bruce für allerlei Verwirrungen.

Mit solchen Beziehungschaoten auf dem Figurenkarussell ist für ausreichend Pointen-Potenzial gesorgt – umso mehr, als man sich bei solch einem Episoden-Kaleidoskop den sonst oft mühsam geknüpften roten Handlungsfaden auf clevere Weise getrost sparen kann. Die Witz-Quote fällt höher aus als beim ersten Mal, selbst die diversen Running Gags von Mutters Wurstbrot über den Hechelkurs für Schwangere bis zum Ponyreiten oder Doppeldeutigkeiten aus Kindermund gelingen gut. Die Mischung aus Situationskomik, aus funkelndem Wortwitz und tiefergelegtem Kalauer funktioniert dank flottem Timing bestens. Das selbstironische Star-Ensemble agiert mit Charme und lässiger Coolness – das dürfte allemal reichen zum ganz, ganz großen Comedy-Coup reloaded. 

Dieter Oßwald

Da sind sie wieder die Schwerenöter aus „Männerherzen“ 1:

Jerome, der wieder bei seiner alten Liebe landen will, aber abblitzt, der dann zu seinen Eltern flüchtet – die Mutter meint sogar eine Zeit lang, ihr „Hansi“ sei homo – und der schließlich doch eine hübsche Reiterin findet; Philip, der Bio-Fastfood-Wirt und werdende Vater; Niklas, der Maria, die Schauspielerin, wiederfinden will, dafür aber erst einmal einem Club verrückter (und erpresserischer) Fans beitreten muss und irrtümlich als Stalker verhaftet wird; der Gewerbeaufsichtsbeamte Günther, ein scheuer, verklemmter Typ, der das Lieben erst lernen muss; Roland, der im Knast sitzt und seine verfrühte Entlassung verbockt; der spinnige Schlagersänger Bruce Berger, der sich als Energiepaket, Familienmensch, Original, Exzentriker, Rapper und schließlich als Spacebook-Spezialist versteht – sowie ein paar andere mehr.

Nicht zu vergessen die Frauen: die schöne Reiterin Helena; Nina, die Grafic-Designerin, die Zwillinge gebären muss und der die Hechelkurse zur Geburtsvorbereitung auf den Geist gehen; die Seriendarstellerin Maria, Objekt der Begierde von Niklas; Susanne, die schon lange darauf wartet, von Günther zärtlich oder leidenschaftlich geliebt zu werden, aber immer nur in den Zoo geführt wird.

Sie kennen sich, sie begegnen sich, sie helfen sich, sie freuen sich, sie lieben sich, sie streiten sich, sie trennen sich – ganz geschickt sind schon im Drehbuch von Simon Verhoeven die einzelnen Lebenssituationen miteinander verwoben und dann filmisch gut montiert. Der Witz fehlt so gut wie nie, die Sympathie sowieso nicht.

Das Darstellerensemble kann sich sehen lassen Nadja Uhl, Jana Pallaske, Mina Tander und Inez Björg David, dann Christian Ulmen, Justus von Dohnanyi, Til Schweiger, Florian David Fitz, Wotan Wilke Möhring, Maxim Mehmet und ein paar mehr.

Eine im Wesentlichen geglückte Komödie über die Liebe und ihre oft krausen Begleiterscheinungen.

Auch im Arthouse-Bereich möglich.

Thomas Engel