Mammut

Die schwedische Antwort auf „Babel“? Lukas Moodyssons leiser und globalisierungskritischer Film schlägt zwar eine ähnliche Richtung ein, kann aber nicht ganz mit dem geistigen Vorbild mithalten. Auch hier geht es in multiplen Handlungssträngen um Eltern und Kinder, die unter den Bedingungen der modernen Arbeitswelt leiden. In diesem Fall spielen Gael Garcia Bernal („Amores Perros“) und Michelle Williams („Shutter Island“) ein erfolgreiches New Yorker Ehepaar, das sich emotional immer weiter voneinander entfernt.

Webseite: www.mfa-film.de

Schweden/Dänemark/Deutschland 2009
Regie + Buch: Lukas Moodysson
Darsteller: Gael Garcia Bernal, Michelle Williams, Marife Necesito, Sophie Nyweide, Tom McCarthy, Jan Nicdao, Maria Del Carmen, Joseph Mydell
Länge: 125 Minuten
Verleih: MFA
Kinostart: 10.6.2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Manchmal lässt sich die Qualität eines Films anhand der eigenen Erwartungshaltung bemessen. Auf der letztjährigen Berlinale wurde das weltumspannende Familiendrama großspurig angekündigt – und gnadenlos ausgebuht. Der Vorwurf: Der Film sein nur eine schlechte Kopie von Alejandro González Iñarrítus „Babel“, jene bahnbrechende Erzählung über Ursache und Wirkung zwischen Erster und Dritter Welt. Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet, jetzt wo „Mammut“ in den deutschen Kinos startet.
Und trotz der inhaltlichen Parallelen lässt sich eine klare eigene Handschrift des schwedischen Independet-Regisseurs erkennen.

Die Handlung erzählt von der kapitalistischen Geißel des modernen Menschen, der sich immer häufiger zwischen Familie und Arbeit entscheiden muss. Ellen (Michelle Williams) und Leo (Gael Garcia Bernal) sind ein erfolgreiches New Yorker Ehepaar, das im üppigen materiellen Wohlstand lebt. Doch der finanzielle Segen hat seinen Preis, denn für ihre achtjährige Tochter Jackie (Sophie Nyweide) bleibt den Karriere-Eltern nur wenig Zeit. Die verbringt ihre Tage in der Regel mit dem philippinischen Kindermädchen Gloria (Marife Necesito), die ebenfalls von starken Sehnsüchten und Fernweh heimgesucht wird, weil sie ihre beiden Söhne in der Heimat zurücklassen musste. Die Ausgangslage in dieser Familiengeschichte ist bedrückend: Alle Personen sind ihrer Arbeit verpflichtet und tun etwas, was sie im tiefsten Herzen nicht wollen. Als Leo zu einer Geschäftsreise nach Thailand aufbricht, offenbaren sich durch tragische Erlebnisse die fragilen Zusammenhänge einer globalisierten Welt.

Dort wo „Babel“ von unbändiger emotionaler Kraft und Tragik strotzte, nimmt Lukas Moodyssons Drama deutlich weniger Fahrt auf, legt den Finger aber in ähnliche Wunden. Auch hier ist es das Leid von Kindern, das am stärksten herausgearbeitet wird und zur großen Nebenwirkung des modernen Kapitalismus erklärt wird. Dennoch ist es gerade diese Zurückhaltung, die dem Film nicht immer gut tut. Die Unentschlossenheit der Erzählung ist vielleicht aber auch nur eine Parallele zur Ohnmacht ihrer Protagonisten, die in den Zwängen des modernen Lebens ihre ursprünglichen emotionalen Bindungen vernachlässigen müssen. Lukas Moodyssons Drama ist dennoch ein wichtiges Statement über den fatalen Kreislauf von Ursache und Wirkung zwischen technologisierter Erster Welt und gebeutelter Dritter Welt. Mit etwas gedämpfter Erwartungshaltung wird man den Film jetzt im Kino garantiert nicht mehr ausbuhen.

David Siems

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