Mana – Die Macht der Dinge

„Woran glaubst Du?“, fragt ganz allumfassend das Regisseurgespann Peter Friedman und Roger Manley. In 90 Minuten gibt ihr Dokumentarfilm Antworten, woran zumindest andere Menschen dieser Erde glauben – in religiöser, mystischer wie auch materieller Hinsicht. Ihre Auswahl an Beispielen reicht dabei von uralten Ritualen über Heldenverehrung bis hin zu artifiziellen Apparaturen, die angeblich Materie in den Weltraum überführen können sollen. Um Erklärungen aber drückt sich der in Teilen spirituell angehauchte Film.

Webseite: www.manafilm.de

USA/Frankreich/Deutschland/Niederlande 2007
Regie: Peter Friedman und Roger Manley
Dokumentarfilm, Dt. Fassung in Zusammenarbeit mit Rüdiger Dahlke
92 Minuten
Verleih: Manafilm (Start am 3.4.07)

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Ob ein Manta-Fahrer je etwas von Mana gehört hat? Eher nicht, denn der Begriff Mana stammt aus dem Polynesischen und bezeichnet so etwas wie die Energie, die Objekten innewohnt. Womit man sogleich wieder beim Manta-Fahrer wäre, dem doch nachgesagt wird, dass er sein Fahrzeug gerne tieferlegte, aufmotzte und das Chrom polierte – kurz: dem sein Auto Fetisch und Kultobjekt zugleich war. Jenen Chevrolet-Besitzern, die Peter Friedman und Roger Manley in New Mexico beim Cruisen filmten, ist er da nicht unähnlich, denn auch ihnen dient das umgerüstete Fahrzeug als Mittel und Triebfeder zur Steigerung eines Selbstwertgefühls. Ähnlich gelagert sind auch jene Elvis-Fans, die sich wie ihr Idol kleiden, sich ins Wunderland namens Graceland flüchten und dabei die Wirklichkeit weit hinter sich lassen.

„Mana“ will mitnehmen auf eine Reise in die Welt des Glaubens. Sie beginnt im neuseeländischen Dschungel, wo ein Maoripriester davon spricht, dass die allgegenwärtige göttliche Energie des Lebens in allen Naturerscheinungen lebt, seien sie Stein oder Farn. Was hier noch nach Mystik schmeckt, beinhaltet beim japanischen Kirschblütenfest Tradition und bei afrikanischen Voodoo-Zeremonien Ritual. Hier wie dort drängt die Moderne jedoch den ursprünglichen Anlass in den Hintergrund, sind Feiern ein Grund zu Geselligkeit mit Trinkgelagen.

Man mag es als seltsam erachten, dass indische Hindus ihren neu erworbenen Computer vor der ersten Inbetriebnahme Opfergaben bringen und zum Elefantengott Ganesh beten. Auch dass malaysische Chinesen Verstorbenen alltägliche Gegenstände bis hin zum Bambus-Mercedes beim letzten Geleit mitgeben und verbrennen entspringt kulturtypischen Glaubensgrundsätzen. Ähnlich motiviert sind letzten Endes auch Pilgerreisen zum angeblichen Leichentuch Jesu Christi in Turin oder zum goldenen Fels in Myanmar. Welche Kapriolen der Glaube als solcher schlagen kann, zeigt „Mana“ anhand des Gemäldes „Der Mann mit dem Goldhelm“ auf. Nachdem bekannt wurde, dass nicht Rembrandt der Urheber war, interessierte sich kaum mehr ein Museumsbesucher für das Bild. All diese Beispiele zeigen: Glaube beschränkt sich nicht nur auf primitive Gesellschaften oder Religionen, vielmehr schafft sich jede Kultur ihre eigenen spirituellen Objekte, an die sie glaubt.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen belassen es die Filmemacher dabei, Verhalten im Hinblick auf den Glauben als Triebfeder menschlichen Seins nur zu zeigen, nicht aber nach den Gründen dieses Verhaltens zu fragen. Beim Besuch der Chicagoer Warenterminbörse zum Beispiel ist dies nicht nötig, weiß man doch, dass hier der Glaube an die Macht des Geldes regiert. Manchmal bringen einen die dargestellten Situationen zum Schmunzeln, beispielweise bei den funkensprühend über den Asphalt kratzenden Chevis in New Mexico oder den unverständlichen Ritualen einer Thunfischauktion in Japan. Auch erklärt niemand, welche Kraft er effektiv aus den immer wieder mit einem großen ästhetischen Gespür für Bilder gezeigten Beispielen zieht – und wenn es Sammler für angeblich echte Finger Hitlers gibt, bitte sehr. Wenn „Mana“ also fragt, ob man an Elvis genauso glauben kann wie an Buddha oder ob beten für den neuen Computer hilft, dann lautet – auch ohne diesen Film – die Antwort grundsätzlich „Ja“. Über die Frage, warum sich Werte in den heutigen Gesellschaften verschieben, lässt sich ja dann nach dem Kinobesuch diskutieren.

Thomas Volkmann