Traum, Der

Der 13-jährige Frits wird von seinem Schuldirektor geschlagen. Doch anstatt diese Form der körperlichen Züchtigung zu akzeptieren, begehrt er gegen die Gewalt und die alten Normen der ländlichen Gemeinde auf. Ein engagierter und bewegender Film, der Schule machen sollte.

Webseite: www.arsenalfilm.de/der-traum

Originaltitel: Drømmen
Dänemark/Großbritannien 2005
Regie: Niels Arden Oplev
Darsteller: Janus Dissing Rathke, Bent Mejding, Anders W. Berthelsen, Jens Jørn Spottag, Anne-Grethe Bjarup Riis, Steen Stig Lommer
105 Minuten
Verleih: Arsenal
Kinostart: 24.05.2007

AUSZEICHNUNGEN:

Der preisgekrönte Familienfilm wurde unter anderem mit dem "Gläserner Bären“ des Kinderfilmfests der Berlinale 2006 und dem dänischen Filmpreis "Robert“ in den Kategorien Bester Spielfilm, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller, Bestes Kostümbild und Bester Schnitt ausgezeichnet.

PRESSESTIMMEN:

Präzise zwischen realitätsnahem Zeitbild und großem Gefühlskino austarierter Familienfilm um Angst und Unterdrückung, Zivilcourage und Aufrichtigkeit, hervorragend inszeniert und ergreifend gespielt. – Sehenswert ab 10.
film-dienst

FILMKRITIK:

"Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages diese Nation erheben wird und die wahre Bedeutung ihres Glaubensbekenntnis ausleben wird: Für uns soll als selbstverständlich gelten: Alle Menschen sind als gleich geschaffen. …
Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern allein nach ihrem Charakter beurteilt. …
Ich habe einen Traum, heute!"
(Auszug der Rede "I Have a Dream" / "Ich habe einen Traum" von Martin Luther King jr.)

Die berühmte Rede von Martin Luther King, der diese als Führungsfigur des gewaltfreien Widerstands anlässlich einer großen Protestkundgebung sprach, erfährt Ende der 60iger Jahre auch in Europa großen Widerhall. So auch in einer kleinen dänischen Gemeinde, wo der 13-jährige Frits die Sommerferien auf dem Bauernhof seiner Eltern und vor dem ersten Fernsehgerät der Familie verbringt. Die Ideen Kings faszinieren ihn und sollen seinen weiteren Weg massiv beeinflussen. Es ist die Zeit der Beatles-Frisuren, des Rock’n’Roll und der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation. Doch dies hat sich offenbar noch nicht in der ganzen Gemeinde herumgesprochen.

An seiner neuen weiterführenden Schule muss Frits sehr bald und sehr schmerzlich am eigenen Leib erfahren, dass hier noch alte Unsitten und fragwürdige Erziehungsmethoden an der Tagesordnung sind. In der Folge eines eher harmlosen Jungenstreiches, wird Frits vom Schulleiter Lindum Svendsen am Ohr gepackt, über den Korridor ins Büro gezerrt und dort geschlagen. Eine körperliche Züchtigung, die nicht allein moralisch verwerflich sondern überdies auch unterdessen von Rechtswegen verboten ist. Doch auch dies scheint dem autoritären Rektor als Gegner jeglicher fortschrittlichen Entwicklung entgangen zu sein.

Beflügelt von den Visionen eines Martin Luther Kings und gestärkt durch die eigene Familie sowie den Beistand des neuen und unkonventionellen Lehrers Freddie Svale, nimmt Frits den Kampf gegen die Obrigkeit und den Klüngel des Schulkollegiums auf. Ein erbitterter Kampf für die gerechte Sache, der die Fundamente der ländlichen Gemeinde zu erschüttern sucht. Ein schier aussichtsloser Kampf, bei dem es viel zu verlieren und noch mehr zu gewinnen gibt. Und nur die Hoffnung auf Gerechtigkeit und auf Veränderung lassen Frits bis zum Schluss bestehen. Denn auch er hatte einen Traum.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt Regisseur Niels Arden Opley mit persönlichem Enthusiasmus und ohne erhobenen Zeigefinger eine bewegende und engagierte Geschichte über einen Jungen, der sich gegen die ungerechte Erwachsenenwelt auflehnt. Ein Kind, das wahre menschliche Größe zeigt, indem es den falschen Vorbildern und den Zwängen seines Umfelds trotzt und seiner eigenen Überzeugung und dem Sinn nach Gerechtigkeit treu bleibt. Gestärkt durch die Reden eines Martin Luther Kings, setzt er so seine ganz eigene Revolution in Gang. Alte Normen werden aufgebrochen und neue Sichtweisen eröffnet. Konkret geht es um die Verurteilung von Körperstrafen in der schulischen Kindererziehung, doch darüber hinaus markiert der Kampf eines Einzelnen auch ein Umdenken in der ganzen Gemeinde.

Über das rühmliche Engagement hinaus, glänzt der Film durch seine vielschichtige Erzählweise, ein eindrucksvolles Schauspielensemble und die geglückte Ausgewogenheit zwischen den schmerzlichen aber auch freudigen Momenten seiner Geschichte. Ein preisgekrönter Familienfilm, der wie so viele dänische Produktionen von einer angenehmen Leichtigkeit geprägt ist und sich dabei doch um ein allzu ernstes Thema dreht. Ein Film, der unterhält und sich hierauf nicht beschränkt. Ein Film, der Schule machen sollte.

Gary Rohweder