Mary & Max

Alles andere als ein Kinderfilm ist dieser Knettgummi-Animationsfilm des australischen Regisseurs Adam Elliot. Er behandelt so aufbauende Themen wie Alkoholismus, Depression, Selbstmord und schafft es dennoch viel (Galgen)-Humor zu entwickeln. Nur schade, dass „Mary & Max“ durch eine fast konstante Erzählerstimme bisweilen wie ein vorgelesenes Bilderbuch wirkt und weniger wie ein Film.

Webseite: www.maryandmax.de

Australien 2009
Regie: Adam Elliot
Drehbuch: Adam Elliot
Animationsfilm
92 Minuten
Verleih: MFA
Kinostart: 26. August 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Mary ist acht und lebt irgendwo in Australien ein einsames, freudloses Leben. Ihre Lieblingsfarbe ist braun, auf der Stirn hat sie ein Muttermal, das an einen Hundehaufen erinnert, ihre Freunde bestehen aus Zweigen, Muscheln oder ähnlichem. Auf der anderen Seite der Welt, in New York, lebt der ebenso sonderliche Max. Er ist jüdischer Atheist, 350 Pfund schwer und liebt Schokoladen-Hot-Dogs. Außerdem leidet er am Asperger-Syndrom. Eines Tages fragt sich Mary, wo denn wohl die Babys in Amerika herkommen. Aus Bierkrügen, wie es Marys alkoholsüchtige Mutter ihr erzählt, oder vielleicht doch eher aus Cola-Dosen? Kurzentschlossen greift sich Mary ein Telefonbuch – der Film spielt in einer unbestimmten Zeit, lange vor dem Internet und ähnlicher Entwicklungen – und schreibt einem zufällig ausgewählten New Yorker einen Brief. So beginnt die Brieffreundschaft zwischen Mary und Max, die das Zentrum von Adam Elliots Knetgummi-Animationsfilm bildet. Über Jahre schreiben sich diese beiden so unterschiedlichen Charaktere Briefe, schicken ihr jeweiliges Lieblingsessen um den Globus und geben sich mehr oder weniger gute Ratschläge, um die jeweiligen Probleme zu lösen. Schönerweise wird hier allerdings nicht alles zum Guten, propagiert Elliots Film keine Disneyeske Lösung, sondern beläßt es bei dem einfachen Rat, sich so zu akzeptieren wie man ist.

Als Knetgummi-Animationsfilm mit skurrilen Figuren erinnert „Mary & Max“ natürlich zwangsläufig an Aardmans „Wallace & Gromit“, mit seinem bedächtigen, oft melancholischen Ton liegt ein Vergleich zu Sylvain Chomets “Die Drillinge von Belleville“ aber viel näher. Und mit diesem betont entschleunigten Animationsfilm teilt „Mary & Max“ auch sein größtes Problem. Der Versuch, eine andere Art von Animationsfilm zu drehen, sich von der sowohl von praktisch sämtlichen amerikanischen Filmen als auch den „Wallace & Gromit“-Filmen praktizierten Formel zu lösen, die auf mitreißenden Bildern beruht, an deren Ende eine halsbrecherische, atemlose Actionszene steht, führt einerseits zu einem originellen Ergebnis. Doch abseits von unzähligen kleinen Gags und witzigen (Bild)-Einfällen ist „Mary & Max“ oft komplett unfilmisch. Praktisch jede Charakterisierung der Figuren, ihre Emotionen und Entscheidungen, werden nicht visuell vermittelt, nicht gezeigt, sondern mittels der Erzählerstimme gesagt. Als Sprecher standen zwar so etablierte Mimen wie Phillip Seymour Hoffman, Toni Collette und Eric Bana zur Verfügung, doch deren wandlungsfähige Stimmen kommen kaum zur Geltung. Oft funktioniert die geerdete Erzählerstimme zwar als Kontrast zur grotesken Note der Bilder, manches Mal wünscht man sich aber doch ein wenig mehr Interaktion zwischen den Figuren, ein wenig mehr echte Emotion und nicht beschriebene. Trotz dieser Einschränkung ist „Mary & Max“ ein überaus origineller Animationsfilm, der nach „Coraline“ und „Der fantastische Mr. Fox“ ein weiteres Mal zeigt, was im Animationskino abseits der dominierenden Kinderfilme mit sprechenden Tieren möglich ist.

Michael Meyns

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