Megamind

Nicht weniger als eine Dekonstruktion des Superheldenfilms versucht der neue Animationsfilm von Dreamworks. Einmal mehr zeigt sich, dass Hollywood momentan nirgendwo so kreativ ist wie im Animationskino, dass auch hier vor originellen, bizarren, witzigen visuellen Ideen überschäumt und vor allem in der Originalversion enorm viel Sprachwitz verströmt.

Webseite: www.megamindinternational.com/intl/de

USA 2010
Regie: Tom McGrath
Drehbuch: Alan J. Schoolcraft, Brent Simons
Kamera:
Schnitt: Michael Andrews
Musik: Lorne Balfe, Hans Zimmer
Länge: 106 Min.
Verleih: Paramount
Kinostart: 2. Dezember 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Als Jugendlicher – frisch von seinem fernen Heimatplaneten auf der Erde gelandet – hat sich Megamind noch bemüht, Gut zu sein. Doch schon im Kindergarten macht ihm, dem mit seinem riesigen blauen Kopf und schmächtigem Körper eher unattraktiven Außerirdischen, ein strahlender Held das Leben schwer: Metro Man. Kurz entschlossen trifft Megamind eine folgenschwere Entscheidung: Da er nicht der Gute sein kann, wird er eben der Böse. Und so geht es seitdem: Metro Man ist der Held von Metro City, beschützt die Bürger vor dem Bösen, so dass ihm zu Ehren gar ein gigantisches Museum gebaut wird, und Megamind bemüht sich ein ums andere Mal vergeblich, den Gegenspieler zu besiegen.

Doch als ihm dies eines Tages wider Erwarten gelingt und nun Megamind regiert, beginnt die Geschichte interessant zu werden. Ohne seinen geliebten Feind, so muss Megamind feststellen, macht das Böse sein keinen Spaß mehr. Was fehlt also? Ein neuer Gegenspieler! Mit Metro Mans DNA braut Megamind einen Kraftcocktail der besonderen Art zusammen, der einen unscheinbaren Kameramann urplötzlich zum Muskelprotz macht. Doch statt Megamind in heroischen Kämpfen zu besiegen, entpuppt sich der Tigthen genannte designierte Held als zwielichtiger Charakter. Und so steht nun wiederum Megamind vor der Möglichkeit, endlich das zu werden, was er im Grunde genommen seit dem Kindergarten sein wollte: Ein strahlender Held.

Es ist ein ziemlich wildes Spiel mit Genreversatzstücken, Superheldengeschichten und mythologischen Motiven, das den neuen Animationsfilm von Dreamworks ausmacht. Im Gegensatz zu den erfolgreicheren Konkurrenten von Pixar stellte Dreamworks schon immer die Popkultur mehr in den Mittelpunkt ihrer Filme. Und so wimmelt es in „Megamind“ vor Anspielungen an bekannte Comics, Filme, Computerspiele, etc. Doch was in anderen Filmen oft zu bemüht wirkt, funktioniert hier wie aus einem Guss, schließlich ist das Thema des Films, der Kampf zwischen guten und bösen cartoonartigen Superhelden, selbst reinste Popkultur.

Einmal mehr muss das Animationskino dazu herhalten zu zeigen, wie einfallsreich Hollywood noch sein kann, wenn es nur will. Allein die Optik von Metro City ist ein vielfältiges Zitat, aus dem sich eine Art universelle amerikanische Stadt formt: Futuristische Hochhäuser erinnern an New York, ein See nebenan an Chicago, ein gigantischer Pool im Zentrum an Washington DC und das Planetarium über der Stadt an Los Angeles. Die visuelle Qualität des 3D-Animationskinos hat in den letzten Jahren solche Ausmaße erreicht, dass inzwischen nichts mehr unmöglich scheint. Zum Glück aber ist es nicht allein die Optik, die beeindruckt, sondern in erster Linie das clevere Spiel mit den Mustern des Superheldengenres, das „Megamind“ zu einem weiteren herausragenden Animationsfilm dieses Kinojahrs macht.

Michael Meyns

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