Midnight in Paris

Früher war alles viel besser. Auch Woody Allen-Filme. Natürlich nicht – wie der 75jährige Altmeister furios zu beweisen versteht! In seinem 42sten Kinostreich erzählt er vom frustrierten Hollywood-Autoren Gil (Owen Wilson), dem ein Spaziergang der etwas anderen Art die Augen öffnet: Plötzlich findet sich der Held in den Zwanziger Jahren wieder, plaudert mit Hemingway und Bunuel – und verliebt sich in die Muse von Picasso. Mit champagnerprickelnder Leichtigkeit lädt Allen zur augenzwinkernd vergnüglichen Kunstreise in die Vergangenheit. Grandiose Akteure, scharfzüngig funkelnde Dialoge: „Was Sie schon immer über Paris wissen wollten…“

Webseite: www.midnight-in-paris.de

USA 2011
Regie und Buch: Woody Allen
Darsteller: Owen Wilson, Rachel McAdams, Kathy Bates, Adrien Brody, Marion Cotillard, Léa Seydoux, Michael Sheen, Nina Arianda, Kurt Fuller, Mimi Kennedy, Alison Pill, Carla Bruni
Laufzeit: 94 Minuten
Kinostart: 18.8.2011
Verleih: Concorde

PRESSESTIMMEN:

Spielerisch leicht, witzig und immer geistreich.
STERN

Die neue romantische Komödie aus der Feder Woody Allens ist nicht nur eine Liebeserklärung an die Stadt der Liebe, sondern auch an das Gefühl von Romantik und Nostalgie an sich. Zusammen mit Gil begegnet der Zuschauer in urkomischen Szenen berühmten Figuren wie F. Scott Fitzgerald nebst Frau Zelda, Gertrude Stein oder auch Dali, die überspitzt aber doch treffend von einer hochkarätigen Schauspielriege dargestellt werden. Pointierte Dialoge, kluge Lebensweisheiten und philosophische Sinnsuche vermischen sich mit einem leichten Gefühl des Laissez-Faire. Ein zauberhaftes und romantisches Meisterwerk von Woody Allen, lau und verführerisch wie ein Spätsommerabend.
FBW Wiesbaden

FILMKRITIK:

Am Anfang war das Idyll. Und der Jazz. Minutenlang schwelgt Allen zum Auftakt in Postkarten-Bildern von Paris. Louvre, Eiffelturm und Moulin Rouge, dazu die unvermeidlichen Boule-Spieler. Für das junge Paar aus USA geht mit dem Trip ein romantischer Traum in Erfüllung – schließlich schwärmt Gil (Owen Wilson), der Drehbuchautor von Hollywood, schon lange von dieser Metropole der Kunst und Kultur. Die hübsche Inez (Rachel McAdams) hat weniger Verständnis für des Verlobten Schwärmerei. Sie plaudert lieber in teuren Restaurants mit ihren spießigen Eltern – oder lauscht gebannt ihrem plötzlich auftauchenden Ex-Freund, einem grässlich besserwisserischen Schnösel mit Professur an der Sorbonne. Genervt begibt sich Gil auf einen einsamen Spaziergang durch das nächtliche Paris – ein Trip, der Folgen haben wird.
Plötzlich hält ein Oldtimer neben Gil, in dem sich Scott Fitzgerald persönlich befindet. Damit nicht genug, lernt der zeitreisende Held alsbald Cocteau, Cole Porter oder Hemingway kennen, später gar noch Dali, Picasso und Bunuel. In Gertrude Stein findet er eine hochkarätige Lektorin für sein jüngstes Werk, in Picassos Muse eine verführerische Bewunderin zum Flirten und zur Livemusik von Porter lässt sich ohnehin bestens Party machen.

Die regelmäßige Rückkehr in die Gegenwart bei Sonnenaufgang gerät für Gil zunehmend zur Qual, zumal ihm die bissigen Schwiegereltern sowie der altkluge Ex seiner Braut immer mehr auf die Nerven gehen. Da glitzern die Goldenen Zwanziger Jahre verlockender, wo man Bunuel schon mal die Idee für dessen Klassiker „Der Würgerengel“ stecken kann: „Ich versteh’ das nicht: weshalb können die das Zimmer nicht verlassen?“ erwidert der geniale Maestro etwas verunsichert. Zugleich findet der liebeskranke Held allseits offene Künstler-Ohren für sein Leid: „Ihr Typen seid Surrealisten, ich bin normal“ klagt er traurig in der Absinth-Bar.

Alsbald allerdings muss der begeisterte Zeitreisende erkennen, dass früher doch nicht alles besser und romantischer war – nicht nur, weil es kein Valium gab. Der Lack des Goldenen Zeitalters bröckelt mehr und mehr: Illusionen sind eben auch nur Illusionen.

Mit champagnerprickelnder Leichtigkeit lädt Allen zur augenzwinkernd vergnüglichen Kunstreise in die Vergangenheit. Und bietet dabei grandiose Akteure, scharfzüngig funkelnde Dialoge sowie faszinierende Bilder. Owen Wilson gibt sichtlich vergnügt den verhinderten Romantiker als texanische Version von Woodys Alter Ego. Derweil Cathy Bates, Marion Cotillard und Adrien Brody mit gekonnter Lässigkeit in den starbesetzten Nebenrollen funkeln. Dass der mit gigantischem Medienwirbel begleitete Auftritt von Frankreichs Präsidentengattin Carla Bruni als Museumsführerin keine fünf Minuten dauert, kann Woody getrost als den gelungensten PR-Coup des Jahres verbuchen. Das Füllhorn an Anspielungen und Zitaten sorgt im Allen Nr.42 für die Extra-Portion Vergnügen – doch keine Sorge: auch ohne Kunststudium kommt man bei dieser Komödie bestens auf seine Kosten. 

Dieter Oßwald

Woody Allen dreht einen Film nach dem anderen. Dieses Mal ist ihm die Geschichte des Hollywood-Drehbuchautors Gil eingefallen, der zwar mit Inez eine hübsche Verlobte aus gutem (und bestens situiertem) Hause hat, der aber lieber ein seriöser Romanschriftsteller wäre. Doch mit dem angefangenen Roman klappt es ganz und gar nicht.

Inez’ Vater hat in Paris Geschäfte zu erledigen, also lädt er neben seiner Frau auch seine Tochter und Gil mit in die französische Hauptstadt ein. Eines ist sicher: Inez’ Vater hält von Gil nicht viel.

Der angehende Romancier tut sich denn auch schwer, um so mehr als ein alter Bekannter seiner Verlobten mit seiner Frau auftaucht, der besserwisserisch auftritt, ein großes Maul hat und Inez und Gil in Beschlag nehmen will – als ob Gil nicht lieber in der Stadt herumflanieren würde.

Baldmöglichst tut er das denn auch. In ganz jungen Jahren war er schon einmal in der Stadt an der Seine gewesen. Und was ist jetzt?

Um Mitternacht allein spazierend und von Vorübergehenden in ein Lokal mitgenommen versinkt Gil wie verzaubert zurück in das beginnende 20.Jahrhundert, in die berühmten Twenties. Und siehe da: Er trifft auf F. Scott Fitzgerald, auf Ernest Hemingway, ein anderes Mal, wieder beim nächtlichen Flanieren, auf Gertrude Stein, auf Salvador Dali, auf Cole Porter, auf Pablo Picasso und dessen Freundin Adriana, in die er sich verliebt.

Wie kann er bei solchen Erlebnissen die Zeit mit Inez und ihrer Familie nicht langweilig finden? Inez jedenfalls will mit den künstlerisch so fruchtbaren Twenties nichts zu tun haben. Gil muss eine Entscheidung treffen.

Ein typischer Allen: mit neuer, ausgefallener hübscher Idee, leicht, spielerisch, intelligent, wie immer mit etwas zynischen Dialogen versehen, die fast ironisch zu verstehenden „schönen“ Touristenphotos von Paris nicht zu vergessen.

Die Darsteller kann Allen sich wohl beliebig aussuchen. Owen Wilson ist dieses Mal der Star. Er spielt den Gil. Aber auch andere Koryphäen sind gut mit dabei, Adrien Brody etwa (als Salvador Dali), Kathy Bates (als Gertrude Stein), Marion Cotillard (als Adriana), Rachel McAdams (als Inez) und sogar Carla Bruni, die Gattin des derzeitigen französischen Staatspräsidenten (als Reiseführerin).

Thomas Engel