Milarepa

Für gewöhnlich denkt man beim Buddhismus im Kino an kontemplative, friedvolle Bilder und Geschichten. Das Regiedebüt des tibetischen Lamas Neten Chockling ist dagegen bildgewaltig, voller Spezialeffekte mit denen die Geschichte einer brutalen Rache geschildert wird. Ein bizarrer, ungewöhnlicher Film, dadurch alles andere als uninteressant.

Webseite: www.3rosen.com

Bhutan 2006
Regie: Neten Chokling
Drehbuch: Neten Chockling, Tenzing Choyang Gyari
Darsteller: Jamyang Lodro, Orgyen Tobygal, Kelsang Chukie Tethtong, Lhakpa Tsamchoe
Verleih: Jupiter Film/ 3Rosen
Kinostart: 23. September 2010
90 Minuten
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Einem westlichen Publikum bekannt ist der junge Regisseur Neten Chockling durch seine Rolle in „Spiel der Götter“, einem ebenfalls ungewöhnlichem Projekt, das Fußball und Buddhismus in Verbindung brachte. Vorher war er bei den Dreharbeiten zu Bernardo Bertoluccis „Little Buddha“ mit der westlichen Filmindustrie in Berührung gekommen und hatte offensichtlich seine Bestimmung gefunden. Dass der erste Film, den Neten Chockling im Kino gesehen hat, ein Bruce Lee-Film war, der Autodidakt das Filmemachen durch wiederholtes Betrachten der Filme von Akira Kurosawa gelernt hat, deutet schon darauf hin, dass es mit spiritueller Kontemplation in seinem Filmdebüt nicht weit her ist.

Es geht um die mythische Figur des Jetsün Milarepa, der im Tibet des 11. Jahrhundert lebte und wirkte und heute als einer der bedeutendsten Yogis verehrt wird. Der Legende nach – und die erzählt Neten Chockling in seinem Film – gerieten Milarepa und seine Mutter nach dem Tod des Vaters und Ehemann in die Obhut böser Verwandter, die sie ausnutzten und Milarepa seines Erbes beraubten. Daraufhin schickte die Mutter ihn in die Ferne, das Handwerk der schwarzen Magie zu erlernen. Ausgesprochen erfolgreich kam Milarepa zurück und vernichtete mit seinen magischen Kräften nicht nur die bösen Verwandten, sondern auch gleich noch das gesamte Dorf in dem sie lebten. Woraufhin Milarepa in die Berge floh, wo er einem weisen, alten Lehrer begegnete, der ihm die friedlichen Seiten des Buddhismus nahe brachte. Ungefähr an diesem Punkt der Geschichte endet der Film, die spirituelle Erleuchtung Milarepas, sein Weg zum bedeutenden Yogi sollte in einer Fortsetzung geschildert werden, die bislang allerdings nicht realisiert werden konnte.

Vielleicht hat Neten Chockling auch schon ein Angebot aus Hollywood bekommen, zumindest die Remake-Rechte an seinem Film könnten interessant sein, folgt der Film doch einer nachgerade klassischen Genre-Film Struktur. Der Held, der zunächst unterdrückt wird, dann durch eifriges Training zu ungeahnter Stärke findet, seine Feinde besiegt, um schließlich zu realisieren, dass er mit der neu gewonnenen Kraft auch ungewohnte Verantwortung übernehmen muss. Oft hat man solche Geschichten im amerikanischen Kino gesehen, aber auch in den asiatischen Kampfsportfilmen, von denen Neten Chockling offensichtlich stark beeinflusst war. Ähnlich wie dort ist auch „Milarepa“ ein schlichter Film, geprägt von offensichtlichen Laiendarstellern, die ihre Dialoge mehr als hölzern vortragen, aber angeführt von einem Hauptdarsteller, dem man ein gehöriges Maß an Charisma nicht abstreiten kann. Auch stilistisch weiß der Film zu überzeugen, zeigt grandiose Landschaftsaufnahmen und einige durchaus ansehnliche Spezialeffekte.

Ob ein westliches Arthouse-Publikum, das beim Buddhismus eher an beschauliche Bilder, friedlich dreinblickende Lamas denkt, als an eine schlicht gestrickte Rachegeschichte, allerdings von dieser vorsichtig gesagt ungewöhnlichen buddhistischen Geschichte eingenommen sein wird, bleibt abzuwarten.

Michael Meyns

Tibet, 11. Jahrhundert. Eine Geschichte, von der es heißt, sie habe reale Hintergründe.

Am Berg Tisi wird Milarepa als Thöpaga in eine ziemlich wohlhabende Händlerfamilie hineingeboren. Unglücklicherweise stirbt der Vater sehr früh. Ein Onkel und seine Frau sollen sich um die verwaiste Familie kümmern, und sie versprechen es am Totenbett auch hoch und heilig. Das Erbe muss später Thöpaga zukommen.

Doch der Onkel ist ein Spieler, die Tante eine raffgierige Frau. Als Thöpagas Mutter Kargyen das Erbe für den nun erwachsenen Sohn zurückhaben möchte, stellt sich die Verwandtschaft taub: Es habe nie ein Erbe gegeben.

Kargyen beauftragt ihren Sohn, sich bei einem Zaubermeister ausbilden zu lassen, damit er Rache nehmen könne. Das geschieht.

Bei seiner Rückkehr übt Thöpaga denn auch fürchterliche Rache. Mit Sturm, Blitz, Steinschlag und Erdrutsch zerstört er das halbe Dorf. Viele Menschen kommen um. Die Überlebenden verfolgen ihn.

Bei einem Mönch findet er Unterschlupf. Der lehrt ihn, dass er seinen Geist zügeln müsse, dass ihn nicht negative Handlungen weiter brächten, sondern positive. Also buddhistische Lehre pur.

Thöpaga kommt zur Vernunft. Nicht Zorn und Rache verschaffen Zufriedenheit, sondern Vergebung und Güte, erkennt er jetzt. Der Bekehrte wird sein künftiges Leben unter dem Namen Milarepa der buddhistischen Lehre widmen.

Ein in getragenem Rhythmus gehaltener historischer Film, feierlich, dramatisch, einfach aber gekonnt inszeniert, geistige Führung versuchend, die buddhistische Botschaft propagierend, von den tibetischen Schauspielern sympathisch dargeboten und alles in eine herrliche Himalaya-Bergwelt eingebettet.

Der Regisseur ist selbst ein als Reinkarnation eines großen tibetischen Meisters erkannter Lama.

Thomas Engel