Sandmännchen, Das – Abenteuer im Traumland

Ohne in Nostalgie zu verfallen ist es den Machern von „Das Sandmännchen“ gelungen aus der zum Kult gewordenen Figur des DDR-Fernsehens, einen sehenswerten Kinofilm zu machen. Angenehm altmodisch animiert, mit nur wenigen Computereffekten aufgepeppt, ist der Film von Sinem Sakaoglu und Jesper Moller ein originelles, bisweilen mit geradezu surrealen Bildern und Ideen aufwartender Kinderfilm, der auch jung gebliebene Erwachsene gut unterhält.

Webseite: www.falcommedia.de

Deutschland 2010
Regie: Sinem Sakaoglu, Jesper Moller
Darsteller: Bruno Renne, Ilja Richter, Volker Lechtenbrink, Marc Wehe, Julia Richter, Valeria Eisenbart
Verleih: Falcom Media
Kinostart: 30. September 2010
83 Minuten
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Zwar gab es auch im deutschen Fernsehen seit Ende der 50er Jahre ein Sandmännchen, zum Kult wurde jedoch die Version des DDR-Fernsehens DFF, nicht zuletzt dank ihrem Auftritt in „Goodbye, Lenin!“ Keine einfache Aufgabe aus so einer immer nur wenige Minuten langen Serie einen Kinofilm zu machen, der die Tradition auf der großen Leinwand weiterführt, ohne dabei zu selbstreflexiv zu werden, zu oft augenzwinkernd auf die Popularität einer eigentlich für Kinder geschaffenen Figur bei Erwachsenen anzuspielen. Gelungen ist dieses Kunststück einem internationalen Duo: Der in Istanbul geborenen Türkin Sinem Sakaoglu und dem Dänen Jesper Moller, die beide über langjährige Erfahrung beim Trickfilm verfügen.

Die Geschichte beginnt im Traumland. Dort hat das Schaf Nepomuk größte Schwierigkeiten, langweilig und eben einschläfernd über das Gatter zu springen. Ständig zu jeglichem Unsinn bereit, ist Nepomuk ein liebevoller Außenseiter. Zu gern wäre er der Assistent des Sandmanns, der allabendlich mit seinem Sack Traumsand den Kindern aufregende Träume bringt. Und die sind die Essenz des Traumlands, das dementsprechend irreal aussieht. Aus Eis geformte Landschaften, bunte Berge, merkwürdige Kreaturen, eben alles, was ein Kindergehirn erträumen kann. Eigentlich ist alles rosig im Traumland, wäre da nicht der finstere Habumar. Dem gelingt es in einem unbeobachteten Moment den Traumsand zu stehlen und ihn mit Hilfe einiger Angstdüfte in Alptraumsand umzuwandeln. Um zu verhindern, dass die Kinder fortan nur noch finstere Dinge träumen und das Traumland in ein Alptraumland verwandeln, bedarf es der Hilfe eines Kapitäns. Und hier kommt der kleine Miko ins Spiel, der, wie man in einer kurzen Realfilmsequenz gesehen hat, von der weiten See träumt, in Wirklichkeit aber eher ängstlich ist. Über den Strahl des Leuchtturms, in dem Miko mit seiner Familie wohnt, holt Nepomuk Miko in die Traumwelt. Gemeinsam mit dem Sandmann macht sich das Trio nun auf das große Abenteuer, den finsteren Habumar zu besiegen.

In seinen besten Momenten erinnert die Welt des „Sandmännchen“ an die überdrehten Landschaften die Tim Burton in seinen Filmen immer wieder geschaffen hat. Bisweilen ist das große Vorbild im Design der Figuren zwar etwas deutlich zu erkennen, doch meistens verlassen sich die Regisseure auf ihre eigenen Ideen. Die sind zwar einerseits immer Kindgerecht, sehr bunt, mit klaren, einfachen Formen, andererseits finden auch immer wieder hübsche, kleine Anspielungen ihren Weg in den Film. So heißt etwa das Gefährt des Sandmanns nach Don Quijotes treuem Gaul Rosinante, ein anderes Mal spricht ein Freud nachgeahmter Traumdeuter mit wienerischem Akzent. Es sind solche kleinen Momente, die „Das Sandmännchen“ zu einem so originellen, liebenswerten Film machen. Auch wenn die kurzen Realfilmszenen in der Qualität deutlich abfallen, bleibt festzuhalten, dass es hier gelungen ist, eine der beliebtesten Fernsehfiguren überaus gelungen auf die große Leinwand zu transportieren.

Michael Meyns