Pianomania – Auf der Suche nach dem perfekten Klang

Man muss kein Musik- oder gar Klassikfan sein, um Gefallen an dieser unterhaltsamen und faszinierenden Dokumentation über die Zusammenarbeit eines perfektionistischen Klaviertechnikers mit verschiedenen Spitzenpianisten wie Lang Lang und Alfred Brendel zu finden. Statt mit technischen und physikalischen Erläuterungen über das Wesen von Tönen zu langweilen, bezieht die Suche nach dem perfekten Klang ihre Spannung aus der Leichtigkeit und Freude, mit der sich die gut gelaunten Protagonisten ihrer Mission widmen.

Webseite: www.pianomania.de

Deutschland/Österreich 2009
Regie: Lilian Franck, Robert Cibis
Dokumentarfilm mit Stefan Knüpfer (Klavierstimmer) und den Pianisten Pierre-Laurent Aimard, Alfred Brendel, Lang Lang, Till Fellner und Julius Drake
94 Minuten
Verleih: Farbfilm Verleih
Start am 9.9.2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Schnell, höher, weiter – so funktioniert die Welt heute. Auf sportlichem wie technischem Sektor geht es stets darum, Ergebnisse weiter zu optimieren. Die einen wollen Rekorde für die Ewigkeit, in „Pianomania“ verlangt es den Pianisten Pierre-Laurent Aimard nach einer „Aufnahme für die Ewigkeit“. Die Herausforderung für Stefan Knüpfer, Cheftechniker und Klavierstimmer beim Flügelhersteller Steinway & Sons in Wien: er soll den Konzertflügel so präparieren, dass er für einen Teil der Aufnahmen klingt wie ein Klavichord (ein Vorläufer des Cemabols), für einen anderen Teil hingegen die Charakteristik einer Orgel besitzt. Eine große Herausforderung, für die der sympathische und humorvolle Knüpfer eine Lösung finden muss.

Ähnlich den Helden fiktionaler „Mission impossible“-Filme bedient sich Knüpfer bei seiner „Jagd“ handelsunüblicher Gadgets. In einem Fall etwa montiert er auf die Spitze eines Sägeblattes einer elektrischen Stichsäge einen Tennisball, entwirft in einem anderen Fall sogenannte Klaviersegel, damit sich der Klang bestimmter Tastenbereiche nicht in die falsche Richtung verflüchtigt. Spaß und Kurzweil versprechen die kurzen Intermezzi mit den beiden Musikclowns Igudesman & Joo, die in ihren Shows die Eitelkeiten berühmter Pianisten und Geiger aufs Korn nehmen.

Als roter Faden der Dokumentation aber dient die bevorstehende Aufnahme von Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ durch Pierre-Laurent Aimard (für die er 2009 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhielt). Ganze Tage und Nächte ist Stefan Knüpfer damit beschäftigt, den Flügel Aimards Vorstellungen entsprechend vorzubereiten, am Ende wird doch noch ein zweites Instrument aus dem Keller des Wiener Konzerthauses herangeschafft. Die leidenschaftlichen und gestenreich geführten Gespräche zwischen den Klangexperten mögen dabei vor allem für Laien nicht immer ganz nachvollziehbar sein, illustrieren aber doch sehr wohl die grundsätzlich bestehende Schwierigkeit, einen Zustand zu beschreiben, der per se nur zu hören ist. Um das akustische Erlebnis aber so optimal wie möglich zu gestalten, haben die u.a. an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg ausgebildeten Filmemacher Lilian Franck und Robert Cibis sämtliche Szenen in Dolby Surround Qualität und mit bis zu 90 Tonspuren aufgezeichnet.

Und auch für die Optik haben sie einiges getan. Zwischen die Etappen der Klangforschung und –findung sind impressionistische Aufnahmen aus Wien geschnitten, gerne verwischte Ansichten von Gebäuden, von fließendem Wasser, nächtlichen Lichtermeeren und –spielen, Wolkenformationen, Vögeln am Himmel etc. Man darf beim Zuschauen also auch auf andere Gedanken kommen, abschweifen, sich freuen über einen humorvollen Blick hinter die Kulissen eines Künstlerbereichs, den man allenfalls als fertiges Konzert-, Schallplatten- oder CD-Produkt zu Gesicht, bzw. Gehör bekommt.

Thomas Volkmann