Mongole, Der

Temudgin, besser bekannt als Dschingis Khan, eroberte im 13 Jahrhundert Weite Teile Asiens. Mit großem Aufwand, Tausenden Komparsen und einem Budget von 20 Mio. Dollar entstand unter der Regie des russischen Filmemachers Sergei Bodrov („Nomad“) ein bildgewaltiges Portrait des legendären Mongolen-Herrschers, der schon zu Lebzeiten ein Mythos war. „Der Mongole“ brachte Kasachstan eine Oscar-Nominierung als „Bester fremdsprachiger Film“ ein.

Webseite: www.x-verleih.de

OT: Mongol
D/RUS/KAZ 2007
Regie: Sergei Bodrov
Drehbuch: Sergei Bodrov, Arif Aliyev
Mit Tadanobu Asano, Honglei Sun, Amadu Mamadakov, Khulan Chuluun, Ba Sen
Laufzeit 120 Minuten
Verleih: X-Verleih (Warner)
Kinostart: 7.8.2008

PRESSESTIMMEN:

Ein furioses Historienepos um Machtkämpfe, Liebe und Gefangenschaft im 12. Jahrhundert. Ein blutiges Fest fürs Auge, spektakulär gefilmt in den grandiosen Steppen der Mongolei.
KulturSPIEGEL

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FILMKRITIK:

„Der Mongole“ ist niemand geringeres als der legendäre Krieger und Herrscher Dschingis Khan. Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts stieg dieser zum Anführer über die bis dato autonomen mongolischen Stämme auf. Er einigte sie und führte sie in seiner rund zwanzigjährigen Herrschaft als Großkhan an, wobei er in dieser Zeit mit seinen Kriegern Weite Teile Zentralasiens und Chinas eroberte. Dschingis Khan, der eigentlich Temudgin hieß, was soviel wie „der Eiserne“ bedeutet, ist zugleich auch ein historischer, in sich widersprüchlicher Mythos. Während er von seinen Feinden als grausamer Schlächter beschrieben wurde, loben ihn andere für seine Toleranz in religiösen und kulturellen Dingen. Vor allem Loyalität und Treue waren ihm wichtig. Für Verräter, auch für solche die von seinen Feinden zu ihm überlaufen wollten, hatte er nicht viel übrig. 

Die deutsch-russisch-kasachische Co-Produktion „Der Mongole“ versucht sich an einer Rekonstruktion des mongolischen Volkshelden, um den sich bis heute zahlreiche Legenden ranken. Als der erste Teil einer geplanten Trilogie liegt der Fokus des Films auf den Jugendjahren des späteren Khans, auf seinem Leben in Gefangenschaft und seinem Unterfangen, die mongolischen Stämme zu einigen und sie im Kampf gegen die anderen Steppenvölker anzuführen. Regisseur und Autor Sergei Bodrov ist erfahren im Umgang mit derart historischem Material. Bereits der mit einer internationalen Besetzung abgedrehte „Nomad“ zelebrierte vor traumhafter Kulisse nationalistisches Pathos und Drama. Beides findet sich auch in “Der Mongole“ zu genüge wieder. Dabei übernahm kein Nachfahre des großen Dschingis Khan sondern Japans Tadanobu Asano die Rolle des Titelhelden.

Letzteres mag erklären, wieso das Projekt nur wenige Unterstützer in Khans Heimat fand. Dabei macht Asano seine Sache mehr als ordentlich. Seine melancholischen, zuweilen geradezu verloren wirkenden Augen spiegeln das Leid und die Opfer wider, die Temudgin auf sich nehmen musste, als er noch nicht unangefochten über die Steppe herrschte. Khans Schicksal erinnert an Maximus Decimus Martyrium in Gladiator oder an Conan, die B-Movie-Ikone der frühen Achtziger. Denn obwohl Bodrov und sein Co-Autor Arif Aliyev einerseits um Faktentreue bemüht sind, können sie oftmals nicht anders, als Ereignisse zu verkürzen und in ihrem Verlauf zuzuspitzen. Dadurch erscheint Temudgins Aufstieg mitunter wie die asiatische Antwort auf Hollywoods immer leicht cheesige Revenge-Geschichten, denen es nicht selten an der nötigen Glaubwürdigkeit mangelt und die in erster Linie unter dem Unterhaltungsaspekt funktionieren.

Noch als Kind muss Temudgin den gewaltsamen Tod des Vaters verkraften. Er wird gefangen genommen und von seinen Peinigern wie ein Sklave behandelt. Nachdem er all das überstanden hat, folgt bereits kurze Zeit später das nächste Martyrium. Es kommt zu einer weiteren Gefangenschaft und zum Verrat durch seinen Blutsbruder Dschamucha (Honglei Sun), der mit Temudgins Todfeind Targutai (Amadu Mamadakov), dem Mörder seines Vaters, ein Bündnis gegen ihn schmiedet. Die Botschaft dieser fast schon biblischen Passion ist unmissverständlich: Temudgin musste zunächst Unmenschliches auf sich nehmen, um der zu werden, der bis heute unzählige Geschichtsbücher füllt. Kraft gab ihm die Liebe zu seiner Frau Börte (Khulan Chuluun). So wie es die Tradition seinerzeit vorschrieb, wurde sie ihm bereits im Kindesalter versprochen. Was nach Zwangsehe klingt, war – so suggeriert uns der Film – der Antrieb, der ihn am Leben hielt.

Die Handlung folgt weitestgehend der Dramaturgie vergleichbarer Heldengeschichten. Temudgin porträtieren Bodrov und Aliyev als benevolenten, ehrbaren und prinzipientreuen Krieger. Immer wieder vermischt der Film dabei Mythos mit Realität, Dichtung mit historisch gesicherten Fakten. Die Szenen, in denen Temudgin tief versunken im Gebet von einem Wolf beobachtet zu werden scheint, rücken ihn gar in die Nähe eines von höheren Mächten auserwählten Herrscher. Mit der Absage an einen unumstößlichen Realismus lassen sich auch die zahlreiche Sprünge in der Narration erklären. War seine Frau in einem Moment noch beinahe mittellos, ist sie nur wenig später zu einer wohlhabenden Dame aufgestiegen, die sich sogar mehrere Diener leistet. Was dazwischen geschah, wird allenfalls vage angedeutet.

Bodrov interessiert sich augenscheinlich für andere Dinge. Er sucht das Epos, die großen Bilder und die noch größeren Gefühle. „Der Mongole“ bombardiert den Zuschauer förmlich mit grandiosen Landschaftsaufnahmen der mongolischen Steppe. Der Einzelne erscheint in dieser Weite unbedeutend und klein – selbst wenn sein Name Dschingis Khan ist. Energetisch, wild, testosterongeladen, gerade am Beispiel der blutigen Schlachten zeigt sich Bodrovs handwerkliches Können. Wenn passend zum Showdown ein unheilvolles Gewitter heraufzieht und unzählige Blitze den Nachthimmel erleuchten, empfiehlt sich „Der Mongole“ als visuelles Spektakel, dem es letztlich nicht so sehr auf erzählerische Stringenz und Logik ankommt.

Marcus Wessel

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Um 1170. In der weiten mongolischen Steppe leben die verschiedenen Stämme. Der kleine Temudgin, kaum zehn, elf Jahre alt, soll sich eine Braut suchen. Er entscheidet sich für Borte. Allerdings müssen die beiden bis zur Heirat noch etwa fünf Jahre warten.

Stammesfehden sind an der Tagesordnung. Wer besitzt die fruchtbarste Weidegegend, wer ist der mächtigste Khan? Dies sind Fragen, die Rivalitäten auslösen. Außerdem hat der Junge seine Braut beim falschen Stamm angeworben, ebenfalls ein casus belli.

Temudgins Vater wird vergiftet. Seine Braut Borte wird geraubt. Er selbst wird gefangen genommen und muss jahrelang in der Sklaverei verharren. Einer seiner größten Feinde ist sein Blutsbruder.

Borte kann ihren Mann mit List und Bestechung befreien. Temudgin weiß, dass Friede erst dann einkehren wird, wenn die Mongolenstämme vereinigt werden, wenn er auch seinen Blutsbruder besiegt haben wird, wenn er sich zum Anführer seines Volkes erhebt. Es gilt, eine letzte große Schlacht zu schlagen, nach der er entweder verloren oder der Herrscher aller, der Dschingis Khan, sein wird. Eines seiner Geheimnisse: die Feinde nicht zu vernichten, sondern sie zu Gefolgsleuten zu machen.

Ein recht anschauliches, episches Bild von der Mongolen Dasein in der Zeit vor dem Aufstieg Temudgins zum Dschingis Khan: unendliche Steppenlandschaft, Stammes- und Familienleben, damaliges „Stadtleben“, Gefangenschaft, Verlorensein,
Kampfgetümmel, Herrschaftsstrukturen – dann die Entscheidung zwischen zwei Heeren mit Tausenden von Kriegern. 

Wuchtig, fremdartig, äußerst getragen gibt sich der Film, der manchmal mit einer durchaus eindrucksvollen Kameraarbeit aufwartet. Was die Inszenierung betrifft, könnten allerdings die Anschlüsse in der Handlung übersichtlicher und präziser sein. Interesse für die damalige Zeit und das Thema muss man mitbringen. 

Thomas Engel