Morphus Geheimnis, Das

Im Mittelpunkt des unterhaltsamen Actionfilms für kleinere Kinder steht das Musikstück „Morphus“, die letzte, geheimgehaltene, Komposition Ludwig van Beethovens, die alle ihre Zuhörer magischerweise in Tiefschlaf versetzt. Durch Zufall gerät der 10-jährige Nicki an die Partitur und damit ins Visier zweier Gangster, die hinter dem Stück her sind. Eine wilde Verfolgungsjagd führt Nicki, seinen Vater und die zwei Ganoven bis in die verschneiten Alpen, wo es in einem Luxusschlosshotel zum „Showdown“ zwischen Nicki und Obergangster Max kommt.

Webseite: www.progress-film.de

Deutschland 2008
Regie: Karola Hattop
Buch: Andrzej Maleszka
Kamera: Sebastian Richter
Darsteller: Jonas Hämmerle, Michael Roll, Oliver Korittke, Arndt Schwering-Sohnrey
Länge: 96 Minuten
FSK: 0
Verleih: Central Film
Kinostart: 22.1.2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Das Morphus Geheimnis“ beginnt turbulent: weil seine Klassenkameraden dem musikbegabten und etwas ängstlichen, zehnjährigen Nicki einen Streich spielen und ihn auf dem Schulklo einsperren, verpasst Niki sein Trompeten-Weihnachtssolo. Als er sich endlich befreien kann, ist niemand mehr da – außer zwei tapsigen Kleinganoven, die gerade dabei sind eine alte Partitur aus der Schulbüste Beethovens zu klauen. Nicki überrascht die beiden, das komische Duo flieht, und die wertvolle Partitur landet zufällig in Nickis Ranzen.

Das Blatt, von dem sich Gangster Max und Musiker Kwapisch den Coup ihres Lebens erhoffen, enthält die Noten für Beethovens letzte Komposition „Morphus“. Wenn man sie spielt, verfallen die Zuhörer unweigerlich in einen tiefen Schlaf (ideal für unblutige Banküberfälle und Juwelendiebereien) und wachen erst wieder auf, wenn sie dasselbe Stück rückwärts hören. Als Nicki die Noten nichtsahnend in seiner Tasche mit nach Hause nimmt, und am nächsten Tag mit seinem Vater zu einen Vater-Sohn-Ausflug in die Berge aufbricht, bleiben die Gangster ihm dicht auf den Fersen.

Eine Verfolgungsjagd zwischen Slapstick und Action beginnt und führt die vier Protagonisten zunächst in winterliches Schneechaos und dann in ein piekfeines Luxusschlosshotel, in dem Nicki aus Versehen alle Bewohner in tiefen Schlaf versetzt, als er „Morphus“ spielt. Alle – bis auf den Obergauner Max, der sich genervt die Ohren verstopft hatte, um Kwapischs Stereo-Anlage nicht mehr hören zu müssen. Die Spannung steigt und der bunt-freundliche Film wird eine Nuance dunkler als Nicki entdeckt, dass sein neuer Freund-in-der-Not Juwelen klaut und er ganz auf sich allein gestellt ist, wenn er seinen Vater und die anderen wieder aufwecken will …

Was wie ein ziemlich abgedrehter Plot klingt, funktioniert erstaunlich gut für einen Gangsterfilm der sich vor allem an kleinere Kinder wendet. Das narkotische Musikstück ist perfekt als effektive aber nicht sehr bedrohliche Waffe und bietet Gelegenheit für überraschende und absurde Situationen. (Wie zum Beispiel einen Breakdancer, der mitten in der Drehung in Schlaf fällt.) Und das schlafende Schlosshotel im Schnee erscheint wie eine Mischung aus aufregendem Abenteuerspielplatz und einer außerordentlich harmlosen Reminiszenz an „The Shining“.

Eine wirkliche Nähe zu den Personen des Films entsteht dagegen kaum, dazu nimmt sich „Das Morphus Geheimnis“ zu wenig Zeit für seine Charaktere und ist zu sehr einer vereinfachenden Fernsehästhetik ohne Ecken und Kanten verpflichtet: Nicki ist niedlich und klug, seine kleine Freundin Marta altklug, die Gangster tollpatschig und ein bisschen böse, der Vater Pilot und die Mutter packt Mützen ein. Gelegentlich holpert zudem der interessant gestrickte Plot, wenn die innere Logik der Story einer netten Szene geopfert wird.

Hendrike Bake

Was ist das Morphus-Geheimnis? Beethoven, so diese Phantasie-Erzählung, habe in den letzten Monaten vor seinem Tod eine Komposition mit dem Titel Morphus geschrieben. Sie war mit einer mysteriösen Eigenschaft behaftet: Wurde sie gespielt, versanken alle Anwesenden in einen tiefen Schlaf. Erst wenn sie rückwärts gespielt wurde, konnten die Schlafenden wieder aufwachen.

Aus diesem Grund wurde die Morphus-Komposition nach Beethovens Tod eingemauert. Alle, die damals dabei waren, mussten schwören, das Versteck nicht zu verraten.

Doch einer der Ur-Ur-Ur-Enkel eines seinerzeitigen Zeugen, dem das vertrauliche Wissen vererbt wurde, will aus diesen kostbaren Noten endlich Gewinn schlagen. Mit einem Kumpan bricht er in die Schule ein, in der das Beethoven-Erbe verborgen liegt. 

Was die beiden Gauner nicht wissen können: Sie werden von dem Musikschüler Nicki überrascht, der die Noten an sich bringen kann.

Mit seinem Vater unternimmt Nicki einen Ausflug in die winterlichen Berge, denn der Vater ist der Meinung, dass sein Kind sich nicht nur der Musik widmen sollte, sondern auch dem Sport. Nicki hat die Noten bei sich, und Max und Kwapisch, so  die Namen der beiden Gauner, bleibt gar nichts anderes übrig, als die beschwerliche Bergtour im Schnee ebenfalls zu unternehmen.

Im schlossähnlichen Berghotel spielt sich dann alles ab: das Erklingen der Morphus-Melodie durch den Trompete spielenden Nicki; der Dornröschen-Schlaf, in den die ganze Hotelgesellschaft versinkt; der Kampf zwischen dem seine ganze Phantasie gebrauchenden Nicki und dem gierigen Max; der Streit Gut gegen Böse; die Rettung aus einigen heiklen Situationen durch den ebenso schlauen wie tapferen Nicki; das unvermeidliche Happy End.

Kindgerecht, märchenhaft, handlungsreich, moralisch einwandfrei, unterhaltsam, familiengeeignet – all das sind Attribute, die man dem „Morphus-Geheimnis“ gut und gerne zubilligen kann. Karola Hattop („Wer küsst schon einen Leguan“) und Jürgen Haase (Progress, Provobis, Tellux) haben den Film auf die Beine gestellt und zudem mit Jonas Hämmerle einen quicklebendigen Nicki gefunden, der seine Sache außerordentlich gut macht, unterstützt von Magali Greif als seine Freundin Marta, die Nicki mit Rat und Tat zur Seite steht.

Die beteiligten Erwachsenen Oliver Korittke (Max), Arndt Schwering-Sohnrey (Kwapisch), Michael Roll (Nickis Vater) und Charlotte Crome (Nickis Mutter) machen gute Miene zum guten Spiel.

Ein gelungener Kinder- und Familienfilm.

Thomas Engel