Mr. Morgan’s Last Love

Wie die Freundschaft zu einer deutlich jüngeren französischen Tanzlehrerin das Leben eines amerikanischen Witwers wieder belebt, davon erzählt Sandra Nettelbeck in ihrem neuen Film „Mr. Morgan’s Last Love“. Vor allem Michael Caine und Clémence Poésy in den Hauptrollen überzeugen in einem sentimentalen Film, der seinen Schauplatz Paris wie ein Bilderbuch in Szene setzt.

Webseite: www.mrmorganslastlove.senator.de

Deutschland/ Belgien 2012
Regie: Sandra Nettelbeck
Buch: Sandra Nettelbeck, nach dem Roman von Francoise Dorner
Darsteller: Michael Caine, Clémence Poésy, Justin Kirk, Gillian Anderson, Anne Alvaro, Jane Alexander
Länge: 116 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 22. August 2013

PRESSESTIMMEN:

"Mr. Morgan’s Last Love" schafft etwas Besonderes: warmherzig und berührend … ein Film, der Hoffnung gibt und versöhnt … Mit verblüffender Leichtigkeit erzählt der Film vom Umgang mit Verlust und Trauer, von später Versöhnung und Abschied. Das er berührt ohne kitschig zu sein, liegt vor allem an seinem wunderbaren Hauptdarsteller Michael Caine.
ZDF heute journal

"Eine wunderbare Geschichte, die davon handelt, dass es sich zu leben lohnt, solange es noch irgendetwas gibt, wovon man träumen kann."
Süddeutsche Zeitung

"Betagter Witwer trifft in Paris auf junge Tanzlehrerin und… nein, fängt keine Affäre mit ihr an. Vielmehr sorgt sie dafür, dass er endlich alte Familienangelegenheiten aufarbeitet. Eine etwas andere Liebesgeschichte, majestätisch getragen vom großen Sir Michael Caine.
Stern

"’Mr. Morgan’s Last Love’ bemüht sich darum, Klischees zu vermeiden und das über weite Strecken mit Erfolg. …anrührend, aber nicht rührselig."
Der Tagesspiegel

"Michael Caine spielt diesen Mann mit so viel abgeklärter Weisheit und melancholischer Ironie, dass man ihm ewig dabei zuschauen könnte.
Der Spiegel

FILMKRITIK:

Seine Frau Joan war das Ein und Alles des amerikanischen Philosophieprofessors Matthew Morgan (Michael Caine). Gemeinsam verbrachten sie ihre letzten Lebensjahre in Paris und auf dem Land, durch mehr als einen Ozean getrennt von den Kindern Miles (Justin Kirk) und Karen (Gillian Anderson). Seit dem Tod der Mutter ist das Verhältnis zwischen Vater und Kindern erst recht angespannt, zumal der eigensinnige alte Herr sich zunehmend ins innere Exil zurückzieht. Abgesehen von der Haushaltshilfe hat er nur noch zu einer Französin Kontakt, mit der er englische Konversation betreibt. Morgan selbst dagegen hat sich nie bemüht die Sprache zu lernen, seine Frau war sein Sprachrohr. Das ist nun verstummt, doch Morgan führt noch immer imaginierte Unterhaltungen mit ihr.

Eines Tages begegnet er im Bus der jungen Französin Pauline (Clémence Poésy), die Tanzlehrerin ist. Und auch wenn die junge Frau seine Enkelin sein könnte, fühlt sich Morgan auf merkwürdige Weise zu ihr hingezogen. Denn Pauline ist alles, was er nicht ist: Empathisch, offen, zuvorkommend, kurzum: Ein durch und durch guter Mensch. Trotz der Bekanntschaft mit Pauline versucht sich Morgan jedoch das Leben zu nehmen, scheitert aber. Besorgt kommen seine Kinder angereist, die in Pauline eine Erbschleicherin vermuten. Während die resolute Karen schnell wieder in die Heimat zurückkehrt, bleibt der nachdenkliche Miles, der gerade von seiner Frau verlassen wurde, zurück. Sowohl seine zunehmende Faszination für Pauline hält ihn in Paris, als auch die ungeklärten Konflikte mit seinem Vater, die nach Jahren des Schweigens endlich ausgesprochen werden.

Ausgesprochen sentimental, bisweilen gar rührselig erzählt Sandra Nettelbeck zwölf Jahre nach ihrem durchaus ähnlichen Erfolgsfilm „Bella Martha“ auch in ihrem neuen Film. Hier wie da geht es um die Suche nach einem Lebenssinn, nach den Dingen, die viel mehr als materielle Sicherheit und beruflicher Erfolg den Sinn des Lebens ausmachen. Als Matthew Morgan ist Michael Caine zu Beginn geradezu lebensmüde und vegetiert eher vor sich hin als wirklich zu Leben. Dass er seine Lebensfreude ausgerechnet durch eine Frau wieder findet, die seine Enkelin sein könnte, hat anfangs einen etwas merkwürdigen Beigeschmack.

Nicht immer ganz deutlich inszeniert Nettelbeck diese ungewöhnliche Beziehung, die eigentlich nichts Erotisches haben sollte, aber doch immer wieder hat. Erst als mit Miles ein deutlich jüngerer Mann das Trio komplettiert, beginnt nicht nur das Verhältnis von Morgan zu Pauline, sondern auch der Film als ganzes klarer zu werden. Die lang verdrängten Probleme, die in etlichen Wortduellen zwischen Vater und Sohn an die Oberfläche kommen, gehen zwar nicht über die Muster des Genres hinaus (zuwenig Aufmerksamkeit, Missverständnisse, Schuldgefühle), doch gerade Michael Caine verleiht mit einem diesmal amerikanischen Akzent auch diesen Szenen große Überzeugungskraft. So ist „Mr. Morgan’s Last Love“ ein gediegener, sich zwischen Sentimentalität und leichter Muse bewegender Film über die wichtigen Dinge im Leben.

Michael Meyns

Der Amerikaner Matthew Morgan lebt in Paris. Seine Frau Joan, die er vorbehaltlos liebte, ist an Krebs gestorben. Er trauert ihr nach, denkt viel an sie, besucht das Grab auf dem Friedhof. Der Sohn Miles und die Tochter Karen, die in den USA leben, wollen, dass auch ihr Vater dort seinen Lebensabend verbringt. Doch Mr. Morgan weigert sich.

Während einer Busfahrt in Paris hilft ihm kurz die junge Pauline, begleitet ihn nach Hause, weil sie befürchtet, dass er es allein nicht schafft. Matthew bedankt sich. Das ist zunächst alles.

Pauline ist Tanzlehrerin, eine schöne, junge, herzliche Frau.

Zufällig treffen sie sich einige Zeit später wieder. Sie kommen ins Gespräch. Matthew ist Universitätsprofessor, hat also einiges zu sagen. Pauline bietet an, ihm ein wenig französisch beizubringen, denn das ist miserabel bis nicht existent.

Es wird Freundschaft – nicht Liebe oder Sex – daraus. Ein seelenverwandtes, inniges Gefühl auf beiden Seiten. Sie unternehmen zusammen einiges. Matthew allerdings weiß, dass es niemals mehr werden kann, schon wegen seines fortgeschrittenen, herbstlichen Alters. Außerdem wird er seine Frau nie vergessen.

Er will nicht zuletzt deshalb seinem Leben ein Ende setzen, doch der Selbstmordversuch misslingt. Sofort reisen Sohn und Tochter an. Zu den beiden hat der Vater ein gespaltenes Verhältnis, denn es geht um Matthews frühere väterliche Beziehung zu Miles, um ein Haus in St. Malo und um ein Geheimnis, das nicht preiszugeben er seiner Frau versprochen hatte.

Nach Streit und Missverständnis nähert man sich wieder: Pauline geht auf Miles zu, Matthew auf sein Lebensende.

Eine wunderschöne Geschichte: weil sie nobel und diskret bleibt; weil das Drehbuch von Sandra Nettelbeck ausgesuchte, warmherzige und innige Momente bietet (von ihrer routinierten Regie einmal ganz abgesehen); weil eine beachtliche Kamera- und Sound-Arbeit dahinter steckt; weil Michael Caine auf unvergleichliche Weise den Mr. Morgan verkörpert; weil man in Clémence Poésy eine erstklassige Pauline gefunden hat.

(Das schnelle und unerwartete Liebesverhältnis zwischen Miles und Pauline, das der Geschichte etwas von ihrer Einzigartigkeit nimmt, muss man leider unverdaut herunterschlucken.)

Thomas Engel