Portugal Mon Amour

Sie leben schon seit über dreißig Jahren in Paris, doch ihre Heimat Portugal tragen sie bis heute im Herzen. Wie der Familie Ribeiro ging es vielen Auslands-Portugiesen, die überall in Europa nach neuen Wurzeln suchten. Regie-Debütant Ruben Alves erzählt in seiner temperamentvollen und warmherzigen Culture-Clash-Komödie auch von eigenen Erlebnissen. Dabei konfrontiert er auf liebevolle Art Franzosen wie Portugiesen mit Klischees und Vorurteilen über den jeweils anderen. Mit seiner Mischung aus heiteren und nachdenklichen Momenten, in denen der melancholische Fado erklingt, könnte der mediterrane „Portugal, mon amour“ zum Überraschungshit dieses Sommers werden.

Webseite: www.prokino.de

OT: La cage dorée
F/POR 2013
Regie: Ruben Alves
Drehbuch: Ruben Alves, Jean-André Yerlès, Huo Gélin
Darsteller: Rita Blanco, Joaquim de Almeida, Barbara Cabrita, Alex Alves Pereira, Roland Giraud, Lannick Gautry, Maria Vieira, Jacqueline Corado
Laufzeit: 91 Minuten
Verleih: Prokino
Kinostart: 29.8.2013

PRESSESTIMMEN:

"Eine französische Feel-Good-Komödie."
Süddeutsche Zeitung

FILMKRITIK:

Das 16. Arrondissement zählt in Paris zu den besten und nobelsten Vierteln. Hier wohnt nur, wer sich um Geld schon länger keine Sorgen mehr machen muss. Die meisten Häuser verfügen über einen eigenen Concierge, der für die Bewohner die kleinen und größeren Dinge des Alltags erledigt. Auch Maria Ribeiro (Rita Blanco) arbeitet in diesem Job, der weniger Beruf als Berufung zu sein scheint. Seit über dreißig Jahren ist sie die gute Seele des Hauses, in dessen Erdgeschoss sie sich zusammen mit ihrem Mann José (Joaquim de Almeida) eine kleine, gemütliche Wohnung eingerichtet hat. Die beiden, die ihre Heimat Portugal in jungen Jahren verlassen haben, leben bescheiden, sind fleißig und überaus hilfsbereit. Ihre fast schon erwachsenen Kinder Pedro (Alex Alves Pereira) und Paula (Barbara Cabrita) sind in Paris geboren und wie ihre Eltern bestens integriert.

Regisseur Ruben Alves, der als Sohn portugiesischer Immigranten genau weiß, wovon er zählt, stellt uns die Ribeiros als Vorzeigefamilie und Muster-Einwanderer vor. Nicht nur in Deutschland wären Maria und José mit ihrer Einstellung vermutlich gern gesehene Talkshow-Gäste zum Thema Integration. Doch dann nimmt die Geschichte bald eine Wendung, aus der sich ein turbulenter Plot voller Culture-Clash-Pointen und tragikomischer Missverständnisse entwickelt. Als José erfährt, dass sein Bruder ihm das Anwesen der Familie in Portugal samt dem dazugehörigen Weingut vererbt hat, ist die alte Sehnsucht nach der Heimat wieder voll entfacht. Vor der Rückkehr müssen aber erst alle Freunde, Verwandte und Arbeitskollegen informiert werden. Maria und José ahnen, dass diese alles versuchen werden, um sie von ihren Plänen abzubringen. Also beschließen sie, ihre Entscheidung so lange wie möglich geheim zu halten.

Portugiesen und Franzosen verbindet ein besonderes Verhältnis, was sich bereits aus der großen Zahl der in Frankreich lebenden Portugiesen und deren dort geborenen Nachkommen ergibt. Mit vier Millionen Menschen stellen sie bei unseren Nachbarn die drittstärkste Einwanderernation. Viele arbeiten als Concierge, in Service-Berufen oder auf dem Bau. In der Wahrnehmung der Franzosen gelten sie als besonders fleißig und zurückhaltend. Gerade auf diesen landestypischen, beidseitig vorhandenen Klischees baut Alves seine Komödie auf. Es ist ein liebevoller, authentischer Blick auf beide Nationen. Man spürt, dass Alves in seinem Regiedebüt eine sehr persönliche, wenngleich nicht streng autobiografische Geschichte erzählt. Er kennt die Milieus und die Menschen, die wie Marias Schwester Lourdes (Jacqueline Corado) trotz all ihrer Überzeichnung nie zur Karikatur werden. Zu einem wahrhaftigen Gefühl trägt auch das Duo Rita Blanco/Joaquim de Almeida bei, das Alves’ Culture-Clash-Komödie mit Herz und Seele erfüllt.

Ehrlich und überaus respektvoll nähert sich „Portugal, mon amour“ mitunter brisanten Fragen nach Anpassung und Selbstständigkeit. Die eigene Identität ist ein hohes Gut, davon ist Alves überzeugt. Zudem liefert er Anstöße, über das Verhältnis zwischen In- und Ausländern einmal außerhalb des verkrampften Rahmens der Political Correctness nachzudenken. Sowohl Franzosen als auch Portugiesen wird hier mit leichter Hand ein Spiegel vorgehalten, wobei Alves die Integrationsdebatte nicht zuletzt dank eigener Erfahrungen in eine temperamentvolle Feel-Good-Komödie wandelt. In Frankreich ist diese dank starker Mundpropaganda bereits ein echter Überraschungserfolg und auf bestem Wege zu 1,5 Millionen Kinobesuchern. Eine Wiederherholung dieses Ergebnisses wäre ihr auch hierzulande zu wünschen.

Marcus Wessel

In Paris das noble 16. Arrondissement. Maria Ribeiro ist dort Concierge. Ihr Mann José arbeitet als Polier auf dem Bau. Paula ist die Tochter, die es bereits zur Anwältin gebracht hat. Und dann gibt es noch den Sohn Pedro.

Die Ribeiros sind Portugiesen, aber schon seit über 30 Jahren in Frankreich. Sie sind beliebt. Warum? Weil sie uneigennützig fleißig sind und freundlich und immer nur für andere absolut alles tun. Das ist zwar schön, aber vielleicht auch ein bisschen dumm.

Da flattert ein Brief ins Haus. Josés Bruder ist verstorben und vererbt den Ribeiros sein Haus im Norden Portugals. Einzige Bedingung: Sie müssen darin wohnen.

Jetzt Frankreich verlassen? Das geht auf keinen Fall. Die Kinder sind sowieso in Frankreich geboren und denken gar nicht daran, das Land aufzugeben.

Die Sache soll vorerst geheim bleiben – bleibt sie natürlich nicht. Nur wissen das die Ribeiros nicht. In Paris will man sie aber nicht verlieren. Josés Chef Caillaux verspricht seinem Vorarbeiter das Blaue vom Himmel, Maria geht es ebenso.

Die Sache wird kompliziert. Paula erwartet nämlich ein Kind, und dessen Erzeuger ist ausgerechnet Charles, der Sohn Caillaux, also Josés Chef. Die beiden streiten und trennen sich (vorübergehend), und beim Ehepaar Ribeiro tritt derselbe Fall ein. Selbstverständlich geben auch die Verwandten und Bekannten jeweils ihren Senf dazu.
Nun muss entschieden werden – Portugal oder Frankreich. Der Kinozuschauer wird es erfahren.

Ein wenig werden das Integrationsproblem, das Heimweh nach dem Ursprungsland oder die herablassende Behandlung der Ausländer angesprochen, doch in erster Linie handelt es sich um eine Komödie. Und zwar um eine gute. Das Drehbuch ist lebendig, kurzweilig und oft humorvoll. Ein Beispiel: das gemeinsame Essen der Familien Ribeiro und Caillaux.

Es ist kein Kunstwerk zu erwarten, aber sehr unterhaltsame 87 Minuten. Handwerklich geht das routiniert vor sich, obwohl es sich um einen Debütfilm handelt.

Die portugiesischen und französischen Darsteller spielen, was das Zeug hält – weit über dem Durchschnitt. Man ist gerne dabei.

Thomas Engel