Niko 2 – Kleines Rentier, großer Held

Nach dem großen Erfolg von „Niko – Ein Rentier hebt ab“ kommt nun die weihnachtlich angehauchte Fortsetzung in die Kinos. Erneut erlebt das kleine Rentier Niko aufregende Abenteuer und lernt dabei wie wichtig Solidarität, Freundschaft und Familie sind. Visuell besticht „Niko 2“ durch rasante Verfolgungsjagden und viele lustige Einfälle.

Webseite: www.niko-derfilm.de

Finnland 2011 – Animationsfilm
Regie: Kari Juusonen & Jorgen Lerdam
Buch: Hannu Tuomainen & Marteinn Thorisson
Länge: 85 Minuten
Verleih: Universum
Kinostart: 1. November 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Niko ist ein typisches modernes Rentier-Kind. Meist ist er bei seiner Mutter im Wald, doch noch lieber tobt er mit seinem getrennt lebenden Vater durch die Lüfte. Zumal der Papa einen tollen Job hat: Als einer der auserwählten darf er den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen und ist nun – Weihnachten steht vor der Tür – dabei, dem Nachwuchs erste Nachhilfe in superschneller Weihnachtsgeschwindigkeit zu geben. Doch damit klappt es bei Niko noch nicht so recht, denn sein Herz ist nicht froh genug. Erst recht nicht als er von seiner Mutter mit einer erschreckenden Nachricht konfrontiert wird: Das allein erziehende Rentier Lenny und sein Sohn Jonni sollen bei Mutter und Sohn einziehen und sozusagen eine zeitgemäße Rentier Patchworkfamilie bilden. Nikos Begeisterung hält sich in Grenzen, sich als großer Bruder bezeichnen zu lassen schmeckt ihm gar nicht. Bei einem Waldspaziergang mit seinen Freunden, dem Flughörnchen Julius, der Wieselin Wilma und dem Rentiermädchen Saga wünscht sich Niko Jonni davon – und wird erhört. Eine Horde Adler entführt Jonni im Auftrag der Weißen Wölfin, die sich für ihre im ersten Teil erlittene Schmach rächen will. Bis Niko Jonni gerettet hat, müssen die kleinen Rentiere und ihre Freunde etliche aufregende Abenteuer überstehen.

Auch die Vermenschlichung der Tierwelt in Animationsfilmen passt sich inzwischen den Familienverhältnissen der westlichen Gesellschaft an. Heile Welt gibt es zumindest anfangs kaum noch, das klassische Modell von Vater-Mutter-Kind ist längst zerbrochen. Und so muss auch hier das kleine Rentier Niko mit den sich verändernden Umständen leben lernen. Die Moral der Geschichte wird zwar immer wieder angedeutet, der Wunsch allein zu sein mit den Vorzügen von Freundschaft und Familie abgewogen, sie steht der eigentlichen Abenteuer-Geschichte aber nicht im Weg.

Ein anderes immer wieder kehrendes Motiv – Lügen oder die Wahrheit sagen – ist sogar geschickt in die Handlung eingebaut. Fast alle Tiere bedienen sich im Laufe des Films mehr oder weniger großer Notlügen, die nicht schlimm wirken, aber doch oft unschöne Konsequenzen haben.

Doch auch wenn „Niko 2“ zum Teil moralische Lehrstunde ist, in erster Linie ist er ein rasant animiertes Abenteuer. Bunt und poppig wirkt die computeranimierte Welt, voller Schnee und Bäume, durch die die Freunde sich auf den Weg zur Fabrik des Weihnachtsmanns machen. Dort steigt das rasante Finale, das mit seinen zahlreichen Tunneln, Greifzangen und Förderbändern gleichermaßen an Indiana Jones und die Abenteuer von Wallace & Gromit erinnert. Für ganz kleine Kinder mögen diese Szenen, besonders aber jene im Hort der Adler ein bisschen zu aufregend bzw. unheimlich sein, für etwas ältere dürften sie genau die richtige Mischung aus Spannung und Humor bieten. Für den sorgen besonders Nikos tierische Freunde, die nie um einen lustigen Spruch verlegen sind. So ist „Niko 2 – Kleines Rentier, großer Held“ ein kurzweiliger Film, der mit seiner weihnachtlichen Stimmung – während des Abspanns singen die Adler sogar Jingle Bells – genau zum richtigen Zeitpunkt in die Kinos kommt.

Michael Meyns

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