Nowitzki. Der perfekte Wurf

Dirk Nowitzki hat das geschafft, wovon die meisten Sportler nur träumen. Ihm gelang der Durchbruch in der besten Basketball-Liga der Welt, der Gewinn der Meisterschaft und die Anerkennung als „Most Valuable Player“. Nun blickt eine Sportdokumentation auf das Leben des „German Wunderkinds“ auf- und abseits des Platzes. Dabei steht die enge Beziehung zu Trainer und Förderer Holger Geschwindner im Mittelpunkt des dramaturgisch ganz auf den Gewinn des NBA-Titels zugeschnittenen Films, der uns Nowitzki als bodenständigen Ausnahmeathleten über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren vorstellt.

Webseite: www.derperfektewurf.de

D 2014
Regie: Sebastian Dehnhardt
Mit: Dirk Nowitzki, Holger Geschwindner, Kobe Bryant, Don Nelson, Marc Cuban, Jessica Nowitzki, Jörg & Helga Nowitzki, Holger Grabow, Steve Nash, Vince Carter, Rick Carlisle, Silke Nowitzki
Laufzeit: 105 Minuten
Kinostart: 18.9.2014
Verleih: NFP
 

FILMKRITIK:

Er gehört zu den wenigen deutschen Weltstars im globalen Sportgeschäft. Er war das „German Wunderkind“ und „Dirkules“: Die Rede ist natürlich von Dirk Nowitzki, der mit gerade einmal 20 Jahren aus dem beschaulichen Würzburg in das Zehntausend Kilometer entfernte Dallas aufbrach und damit in ein Abenteuer, dessen beinahe märchenhafter Ausgang kaum jemand für möglich gehalten hatte. Nach gewissen Anlaufschwierigkeiten in der NBA wurde Nowitzki in der Saison 2005/06 schließlich zum „MVP“ – „Most Valuable Player“ – gewählt, was vor ihm weder einem deutschen noch europäischen Spieler gelang. Vor allem dank seiner Leistungen erreichten die jahrelang eher mittelmäßigen Dallas Mavericks in der gleichen Saison erstmals die Playoffs. Für „Nowitzki – Der perfekte Wurf“ begleitete Regisseur Sebastian Dehnhardt das Sportidol aus Unterfranken an die Orte seiner einzigartigen Karriere. Von der Turnhalle, in der er seine ersten Körbe warf, über die Zeit beim damaligen Zweitligisten DJK Würzburg bis hin zu den Stationen seiner NBA-Laufbahn, auf die natürlich der emotionale Fokus des Films liegt, dokumentierte Dehnhardt die sportliche wie persönliche Entwicklung eines echten Ausnahmetalents.
 
Nowitzki ist mit den Jahren selbstbewusster und sicherer geworden. Gleichzeitig scheint er trotz aller Erfolge und Auszeichnungen seine Bescheidenheit nie verloren zu haben. Gerade das macht ihn so sympathisch und zum idealen Protagonisten einer Sportler-Doku. Als Zuschauer identifiziert und freut man sich mit ihm – ganz egal wie groß der Bezug oder das Vorwissen über ihn und seinen Sport zunächst waren. Und sogar Nowitzki-Kenner vermag der Film über seine tiefen Einblicke in das ungewöhnliche Meister-Schüler-Verhältnis mit seinem „Entdecker“ und Mentor Holger Geschwindner noch zu überraschen. Geschwindner, studierter Mathematiker und einst selbst ein deutscher Basketball-Nationalspieler, erkannte das Talent, förderte ihn und blieb bis heute an seiner Seite. Dabei setzte er im Training auf revolutionäre, mathematische Modelle, mit denen sich der für Nowitzki perfekte Wurf berechnen lasse. Anfangs als Spinner belächelt, gibt der Erfolg beiden schlussendlich Recht.
 
Obwohl Dehnhardt durchaus den Zutaten und dem Aufbau einer klassischen Sportdoku vertraut, in der analog zum Spielfilm alles auf den entscheidenden emotionalen Höhepunkt ausgerichtet ist – in diesem Fall der Gewinn der NBA-Meisterschaft im Jahr 2011 -, nimmt sein Film doch eine besondere Perspektive ein. Eigentlich müsste dieser in „Nowitzki & Geschwindner – Der perfekte Wurf“ umbenannt werden, schließlich interessiert sich Dehnhardt hauptsächlich für die besondere Beziehung zwischen Trainer und Schüler. Geschwindner wäre in der Terminologie des Spielfilms der heimliche Hauptdarsteller dieser fränkisch-texanischen Erfolgsgeschichte, die neben Nowitzkis Auftritte auf dem Court vor allem auf private Eindrücke setzt. So kommen nicht nur NBA-Größen wie Kobe Bryant und Vince Carter zu Wort sondern auch Nowitzkis Ehefrau Jessica, seine Schwester Silke und seine Eltern.
 
Wer es noch nicht vorher war, ist am Ende Nowitzki-Fan und mit dem Basketball-Virus infiziert.
 
Marcus Wessel