Obsession – Du sollst mich lieben

Die YouTuber blasen zum Angriff auf das Horrorkino: Curry Barker, der ebenso wie „Backrooms“-Regisseur Kane Carsons seine ersten Erfolge auf der Onlineplattform feierte, startet mit „Obsession – Du sollst mich lieben“ richtig durch. Stark sind vor allem die gewitzte Prämisse des übernatürlichen Beziehungsthrillers um einen fatalen Liebeswunsch und die Darbietungen der beiden Hauptdarsteller. 

 

Über den Film

Originaltitel

Obsession

Deutscher Titel

Obsession – Du sollst mich lieben

Produktionsland

USA, GBR

Filmdauer

109 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

James Harris, Christian Mercuri, Haley Nicole Johnson, Roman Via

Regisseur

Curry Barker

Verleih

Universal Pictures International Germany GmbH

Starttermin

25.06.2026

 

„Pass auf, was du dir wünscht“ – unter diesem Motto steht so mancher Horrorbeitrag. Träume, die die Hauptfiguren unbedingt erfüllt sehen möchten, verwandeln sich dabei in schreckliche Bedrohungen, lösen eine Kette unheilvoller Ereignisse aus. In seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm bedient sich der als YouTube-Comedian bekanntgewordene Curry Barker dieser Genretrope und verpasst ihr einen garstig-cleveren Dreh. „Obsession – Du sollst mich lieben“ gehört zu der Kategorie Film, über die man vor dem Kinobesuch möglichst wenig wissen sollte, damit die Geschichte und die Wendungen ihre volle Wirkung entfalten können.

 

In der Kritik müssen wir dennoch etwas in die Tiefe gehen, die originelle Prämisse, den Twist am Ende des ersten Aktes erwähnen, um nicht völlig im luftleeren Raum zu argumentieren. Im Zentrum des Geschehens steht der leicht verhuschte Bear (Michael Johnston), der hoffnungslos in seine Freundin und Kollegin Nikki (Inde Navarrette) verschossen ist. Sein Kumpel Ian (Cooper Tomlinson) bestärkt ihn, seine Gefühle einfach preiszugeben. Doch damit tut sich der Verliebte unglaublich schwer. 

 

In einem Esoterikladen, in dem er eigentlich eine Kette für Nikki kaufen will, stößt Bear dann auf einen One Wish Willow genannten Artikel mit angeblich besonderen Kräften. Bricht man das eingetütete Stöckchen durch und äußert dabei einen Wunsch, soll dieser in Erfüllung gehen. Nach einem feuchtfröhlichen Abend mit seiner Clique, zu der auch die an ihm interessierte Sarah (Megan Lawless) gehört, bringt der Protagonist seinen Schwarm nach Hause. Beim Verabschieden entwickelt sich ein Gespräch, das Bear als Sprungbrett für ein Geständnis nutzen könnte. Wie so oft druckst er allerdings nur herum. Aus Verärgerung über seine Reaktion benutzt er den erworbenen One Wish Willow und wünscht sich, dass Nikki in ihm ihren Traumprinzen sehen möge. Tatsächlich sucht sie plötzlich seine Nähe. Doch ihre Liebe nimmt schnell zerstörerische Formen an.

 

Eine romantische Komödie ins Abgründige gewendet und mit einer Stalking-Note versehen – ungefähr so lässt sich Curry Barkers neue Regiearbeit beschreiben, aus der seit ihrem Start Mitte Mai 2026, fast parallel zu Kane Parsons‘ surrealem Albtraum „Backrooms“, ein Leinwandphänomen geworden ist. Der mit einem geschätzten Budget von rund 750.000 Dollar produzierte, nur wenige Figuren und Schauplätze benötigende Film spielte bis einen Monat nach seiner Veröffentlichung weltweit fast 300 Millionen Dollar ein und ließ auch viele Kritiker Lobeshymnen anstimmen.

 

Spannend ist die Grundidee gleich in mehrfacher Hinsicht: So erwächst aus ihr ein Beziehungsszenario, das konstant zwischen absurd komisch und höchst beunruhigend changiert. Nikkis bedingungslose Liebe, ihr ins Extreme kippendes Verhalten sorgt für einige Lacher. Fast zur selben Zeit bekommt man jedoch eine Gänsehaut ob der unheimlichen Aktionen, die sie sich immer wieder leistet. Mag es beispielsweise auf den ersten Blick noch amüsant sein, wenn sie des Nachts in einer dunklen Zimmerecke steht und den schlafenden Bear beobachtet, breitet sich schnell ein mulmiges Gefühl aus: Zeigt man seinem Partner so seine Zuneigung?

 

Mehr und mehr wird deutlich, dass die „neue“ Nikki massiv besitzergreifend ist, im Grunde jeden Schritt Bears überwachen will und dafür vor nichts zurückschreckt. Hier und da dürfen sich die Zuschauer auf saftig-blutige, wohl überlegt platzierte Schockmomente gefasst machen. Einen permanenten Alarmzustand kreiert Barker schon mit seinem eindringlichen Sounddesign, bei dem der Tonregler zuweilen bis zum Anschlag hochgeschoben wird. Das enge 3:2-Bildformat verstärkt die klaustrophobische Stimmung, lässt Bear wie einen Gefangenen in seinem wahrgewordenen Traum, in seiner frischen Partnerschaft erscheinen. 

 

Andererseits muss man diesen etwas ungelenken junge Mann auch kritisch sehen. Immerhin ist er keineswegs nur der Romantiker, als der er sich offenbar sieht. Dass er für Nikki Gefühle hat, sei ihm gegönnt. Mit dem Wunschartikel will er seine Angebetete allerdings zu ihrem „Glück“ zwingen und geht auf ihre Avancen bereitwillig ein, als der One Wish Willow tatsächlich funktioniert. Eine Entscheidung, die ihre ganze hässliche Fratze zeigt, als sich die „alte“ Nikki zwischendurch leise meldet. In der Beziehung fühlt sie sich offenbar alles andere als wohl, kann sich dagegen jedoch nicht wehren, da sie durch den Bann des magischen Objekts quasi festgehalten wird. Missbrauch und Übergriffigkeit gehen also zuallererst vom eigentlich so knuffigen Bear aus. Ein Punkt, den das von Barker verfasste Drehbuch noch genauer hätte sezieren sollen. Das Leiden der „echten“ Nikki kommt jedenfalls ein bisschen kurz.

 

Was man bei allem Lob für das Konzept und die Inszenierung ebenfalls konstatieren muss: Im Mittelteil geht der Horrorromanze mit dem bösen Witz etwas die Puste aus. Anders formuliert: dreht sich der Film des Öfteren im Kreis. Bears lange passives Verhalten wirkt zunehmend irritierend. Und manche Ideen werden eher recycelt, anstatt sie clever zu variieren. Dass man dennoch stets bei der Sache bleibt, liegt auch an den starken Hauptdarstellern. Vor allem Inde Navarrette beeindruckt mit einer Palette an verschiedenen Emotionen, ist in ihrer Rolle mal anhänglich-verschmust, mal bockig, dann wieder verletzlich oder aber hysterisch und auf angsteinflößende Weise vereinnahmend. Für weitere Auftritte im Gruselgenre hat sich die US-Amerikanerin mit ihrer Performance allemal empfohlen.

 

Christopher Diekhaus

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