Paulas Geheimnis

Zwei mutige Schüler jagen die Tagebuchdiebe. In seinem Kinderfilm erzählt Regisseur und Drehbuchautor Gernot Krää einen modernen Großstadtthriller für Zuschauer ab 8 Jahre. Trotz offenkundiger Anlehnungen an die Klassiker von Erich Kästner ist dem Münchener ein fantasievolles, spannendes und absolut eigenständiges Werk gelungen. Nicht umsonst wurde „Paulas Geheimnis“ im vergangenen Jahr beim Internationalen Kinderfilmfest Lucas mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Webseite: www.paulas-geheimnis.de

Deutschland 2006
Regie: Gernot Krää
Drehbuch: Gernot Krää
Darsteller: Thelma Heintzelmann, Paul de Wall, Jürgen Vogel, Leslie Malton
Verleih: Farbfilm, Vertrieb: Barnsteiner Film
Länge: 95 Min.
Kinostart: 13.09.2007

PRESSESTIMMEN:

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FILMKRITIK:

Die 11-jährige Paula (Thelma Heintzelmann) träumt von einem Prinzen, der sie irgendwann mit seiner goldenen Kutsche abholt. Ihr kindliches Geheimnis hat sie bislang nur ihrem Tagebuch anvertraut. Und just dieses Tagebuch wird der Schülerin in der Hamburger U-Bahn von einer rumänischen Kinderbande gestohlen. Der einzige Augenzeuge der Tat ist ausgerechnet Paulas öder Klassenkamerad Tobi (Paul de Wall). Nur sehr widerwillig geht Paula auf dessen Angebot ein, ihr bei der Suche nach dem verlorenen Kleinod zu helfen.

In „Paulas Geheimnis“ zeigt Regisseur und Drehbuchautor Gernot Krää („Die Distel“), dass er sich in den Werken von Erich Kästner bestens auskennt. Unverhohlen sind in seinem spannenden Kinderkrimi Facetten von „Pünktchen & Anton“, „Emil und die Detektive“ oder „Das doppelte Lottchen“ zu erkennen. Während Paula aus wohlhabendem Hause stammt, ist Tobi ein Arbeiterkind. Und damit sie ihr kleines Detektivspiel über die Sommerferien bewerkstelligen können, müssen sie eine doppelte Paula ins Feriencamp an die Nordsee schicken.

Trotz dieser offenkundigen Kästner-Parallelen ist Krää dennoch ein eigenständiges Werk gelungen, das durch seine vielschichtige Fantasie und seine erfrischenden Darsteller gefällt. Vor allem Paul de Wall überzeugt als pummeliger Tobi, der heimlich ein Auge auf seine Klassenkameradin geworfen hat. Die Suche nach dem Tagebuch ist für ihn ein willkommener Anlass, seiner Flamme endlich näher zu kommen. Über die Sommerferien schafft er es sogar, Paula bei sich aufzunehmen. Denn eigentlich wurde sie von ihren Eltern in ein Feriencamp nach Sylt geschickt. Doch dorthin schleusen die beiden Schüler stattdessen Tobis kleine Schwester.

Mit ihrer sympathischen und pfiffigen Art dominieren die beiden Kinder in „Paulas Geheimnis“ ganz locker all die ahnungslosen Erwachsenen. Dagegen können selbst so bekannte Darsteller wie Jürgen Vogel oder Leslie Malton in den Nebenrollen wenig ausrichten. Durch ihr verborgenes Detektivspiel lernen Paula und Tobi ganz von allein, was sich durch Mut und Zusammenhalt alles erreichen lässt. Beinahe unmerklich lassen sie dabei sogar ihre Kindheit zurück und verabschieden sich mit einem gewaltigen Schritt in Richtung Jugend. So verblasst während der Jagd nach den Tagebuchdieben zusehends Paulas Vorstellung vom starken Traumprinzen und Tobi trennt sich im Verlauf der Ferien sogar von seiner heiß geliebten „Harry Potter“-Uhr.

Doch Paula und Tobi sind nicht die Einzigen, die sich weiterentwickeln und etwas fürs Leben lernen. Während die Kids durch den Hamburger Großstadtdschungel jagen, zeigt Krää dem jungen Publikum auf erstaunlich einfühlsame Weise, wie die rumänischen Kinder durch brutale Banden zum Diebstahl gezwungen werden. Und die Eltern im Kinosaal und auf der Leinwand lernen gleichermaßen die Wichtigkeit des richtigen Zuhörens neu zu schätzen. Es reicht eben nicht, den Nachwuchs plump vorm Fernseher zu parken oder mit teuren Feriencamps abzuspeisen.

Neben jeder Menge Spannung, Spaß und Action sind in „Paulas Geheimnis“ somit für jeden Beteiligten kleine Botschaften versteckt, die hintergründig und ehrlich und niemals aufdringlich und oberflächlich erscheinen. Das ist die vielleicht größte Stärke eines Films, der auf dem Internationalen Kinderfilmfest Lucas in Frankfurt bereits mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde. Dieses spannende Großstadtabenteuer hätte sicherlich auch Erich Kästner hervorragend gefallen!

Oliver Zimmermann

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Paula ist bald zwölf. Ihre Eltern sind gut situierte Geschäftsleute. Da sie immer nur zwischen zwei Handy-Anrufen Zeit für ihr Kind haben, hat sich Paula in ihrem Tagebuch eine Märchenwelt mit einem schönen Prinzen aufgebaut. Das ist „Paulas Geheimnis“.

Tobi stammt aus einem anderen Milieu. Sein Vater ist Hausmeister. Tobi isst viel, sieht meistens fern und riskiert so seine Versetzung im Gymnasium. Heimlich ist er in Paula verliebt. Deshalb nimmt er, wenn es zur Schule geht, immer den gleichen Zug wie seine Angebetete.

Da sieht er eines Tages, wie Paula bestohlen wird. Und zwar wird ihr ihr kostbarstes Gut genommen, das Tagebuch. Das Mädchen ist todunglücklich.

Tobi macht sich auf die Suche nach den Dieben. Denn gewisse Anhaltspunkte hat er, und vielleicht liegen darin für ihn auch gewisse Chancen bei dem Mädchen, das er verehrt.

Paula soll ihre Ferien in einem noblen Freizeitheim auf Sylt verbringen. Tobi und seine Schwester Jenny bleiben allein zuhause, denn der Junge muss sich, während die Eltern im Urlaub sind, auf eine Nachprüfung vorbereiten.

Und außerdem müssen ja die Diebe gestellt werden. Tobi hat den rettenden Einfall, Jenny als Paulas Double nach Sylt zu schicken, während er mit Paula daheim ist, um die Suche zu organisieren. Ganz grün sind sich die beiden anfangs beileibe nicht.

Wird das alles klappen, ohne dass die Eltern etwas merken? Können die Diebe gefasst und das Tagebuch gerettet werden? Sind die stehlenden Kinder vielleicht selbst Opfer einer Bande und kann ihnen geholfen werden? Fragen über Fragen, auf die der Film eine Antwort finden muss.

Es gibt nicht allzu viele Kinderfilme, die ihre Geschichte und sogar ein gewissen Anliegen so gefällig erzählen wie dieser, dass sogar Erwachsene sich darüber freuen können und etwas davon haben. Das Drehbuch ist gut erfunden und durchgearbeitet – vielleicht ist die Sache mit den Ostblock-Kindern etwas zu fadenscheinig -, die Montage der vielen Szenen glänzend. Man folgt der Story mit Interesse und Spannung, auch formal-technisch ist das eine ausgezeichnete Arbeit.

Das Casting war den Angaben des Regisseurs zufolge nicht ganz einfach, aber dann hat man Kinder gefunden, die sozusagen ihr Handwerk schon in jungen Jahren verstehen. Denn Thelma Heintzelmann als Paula und Vincent Paul de Wall als Tobi sind wirklich gut.

Als ausgesprochener Kinderfilm eine runde Sache, sogar für Erwachsene.

Thomas Engel