Ponyo

Mit “Ponyo” hat der bedeutendste lebende Regisseur von Animationsfilmen, Hayao Miyazaki, seinen kindlichsten Film seit gut zwei Jahrzehnten gedreht. Lose an Andersens Märchen von der kleinen Meerjungfrau angelehnt, lässt Miyazaki einmal mehr eine überwältigende Welt entstehen, voller merkwürdiger Kreaturen und unwirklicher Erscheinungen, angereichert mit der Natursymbolik, die seit jeher sein Werk durchzieht.

Webseite: www.constantin-film.de

OT: Gake No Ue No Ponyo
Japan 2008 – Animationsfilm
Regie und Buch: Hayao Miyazaki
Länge: 100 Minuten, Format: 1:1,85
Verleih: Constantin
Kinostart: 30. April 2009

PRESSESTIMMEN:

Kindgerecht und voller bezaubernder Ideen, Walt Disney wäre neidisch.
Stern
 

FILMKRITIK:

Nachdem Hayao Miyazaki vor vier Jahren mit „Das wandelnde Schloss“ einen sehr erwachsenen, komplizierten Film vorgelegt hatte, einen Film, den kein sechsjähriger verstehen würde, drehte er nun einen Film dezidiert für sechsjährige. Zwar waren die Helden seiner Filme schon immer eher junge Kinder, aber seit „Mein Nachbar Totoro“ von 1988 wurden seine Figuren kontinuierlich älter und reifer, die Abenteuer, die es zu bestehen galt, immer komplexer. „Ponyo“ dagegen mutet in seiner Konzeption geradezu einfach an. 

Schauplatz ist eine kleine Küstenstadt, in der der sechsjährige Sosuke zusammen mit seiner Mutter Risa lebt, während der – wie so oft bei Miyazaki abwesende Vater – vor der Küste auf einem Schiff arbeitet. Eines Tages gerät nun das winzige Meereswesen Ponyo in Sosukes Eimer; ein kleines rotes Ding mit großen Augen, das Sosuke als Goldfisch bezeichnet, aber vielmehr eine der typischen, hinreißenden Miyazaki-Kreaturen ist. Ein Tropfen Blut von Sosukes Finger weckt Ponyos Lebenslust, ihre Lust Mensch zu werden, doch damit bringt sie das Gleichgewicht der Welten durcheinander, die Balance zwischen Mensch und Natur, zwischen Erde und Wasser. 

Warum das so ist bleibt etwas vage, wie auch das Schicksal ihres Vaters Fujimoto, einem unter dem Wasser lebenden Magier mit wirren roten Haaren und blauweiß gestreiftem Anzug, der in gewisser Weise der Antagonist der Geschichte ist. Doch die typischen Gegensätze zwischen Gut und Böse existieren in Miyazakis Weltsicht nicht. Hier haben auch die scheinbar niederträchtigen Charaktere eigentlich nachvollziehbare Absichten, sind gebrochene, tragische Figuren, die oft vor der Zerstörungskraft der Menschen geflohen sind. Ähnlich wie in „Prinzessin Mononoke“ durchzieht auch „Ponyo“ die Überzeugung, dass der Mensch mit seinem rücksichtslosen Verhalten gegenüber der Natur das größte Problem auf diesem Planeten ist. Und da in der japanischen Mystik nicht nur Mensch und Tier lebendig sind, sondern auch Wasser, Bäume und Gräser beseelt und von geisterähnlichen Wesen bewohnt sind, entsteht daraus ein direkter, personalisierter Konflikt zwischen Mensch und Natur.

Daran, dass dieser Konflikt dann doch nicht so dramatisch und kraftvoll in Szene gesetzt wird wie etwa in „Chihiros Reise ins Zauberland“, zeigt dann doch die diesmal etwas zurückgenommene Ambition Miyazakis. Und doch ist auch „Ponyo“ ein Film ganz gewiss nicht nur für Kinder. Denn wie kaum ein anderer Regisseur versteht es Miyazaki, Wesen und Kreaturen zu schaffen, die von zeit- und altersloser Qualität sind. Seine Filme bestechen durch ihre Leichtigkeit, ihre Verspieltheit, ihre Liebe zu Details, die aus scheinbar harmlosen Geschichten Erzählungen von klassischer Größe machen.

Michael Meyns
 

Hayo Miyazaki, Oscar-Preisträger und Gewinner eines Berliner Goldenen Bären, legt nur alle paar Jahre einen (Animations-)Film vor, aber jedes Mal einen, den anzusehen sich lohnt.

Dieses Mal geht es (in Anlehnung an Andersens Märchen von der kleinen Meerjungfrau) um die (in ein japanisches Umfeld verlegte) Geschichte eines Goldfischmädchens, das gerne ein Mensch wäre. Da der Vater ein großer Magier ist, verfügt auch das Kind über gewisse Zauberkräfte. Mit Hilfe einer Qualle steigt es an die Meeresoberfläche, wird in einem Marmeladenglas an den Strand gespült und von dem Jungen Sosuke gefunden und befreit.

Der Fünfjährige nimmt den Goldfisch, den er Ponyo getauft hat, in einem Wassereimer mit in den Kindergarten und ins Altersheim, wo seine Mutter arbeitet.

Zwar holt der Zaubervater Ponyo noch einmal kurz auf den Meeresboden, aber da auch der Goldfisch über magische Kräfte verfügt, kann er zu Sosuke zurückkehren, sich Arme und Beine geben, ein fünfjähriges Mädchen und vor allem Sosukes Freundin werden.

Unglücklicherweise hat Ponyo bei ihrer Verwandlung eine ganze Menge von dem dafür verwendeten Zauberelixier verloren. Das führt dazu, dass im Meer das Chaos ausbricht. Die Wellen steigen turmhoch, die Meeresbewohner werden teilweise zu Ungeheuern, der Zauberer tobt, es wird dunkel in der Welt, Stürme und Überschwemmungen drohen, und auch die Damen im Altersheim sind in Gefahr.

Gottlob hat Sosuke noch eine sehr Mächtiges vermögende Mutter – und sowieso gehen die meisten Märchen gut aus.

Miyazaki und seine Mitarbeiter sind bekannt für ihre blendenden Farben, für ihre präzisen Zeichnungen, für ihre
überbordenden Ideen, für ihre Tricks, für eine perfekte Digitalisierung, für die Kinderfreundlichkeit und –nähe des Meisters und auch für die unter der Oberfläche schlummernden geistig-moralischen Intentionen.

Miyazaki: „Die Tiefe des Meeres, welche als Metapher für unser Unterbewusstsein steht, dringt immer wieder zu der von den Wellen umtosten Oberfläche vor. . . . Dieser Film ist meine Antwort auf das Leid und die Ungewissheit in unserer heutigen Zeit.“

Ein weiterer Animationsfilm des Altmeisters, der für Kinder und ihre Begleiter geeignet ist.

Thomas Engel