Ein Schimpanse hat Tollwut und greift Menschen an. So lautet die reduzierte Beschreibung eines durch und durch reduzierten Horrorfilms, der in weniger als 90 Minuten nur das Allernötigste an Kontext andeutet, sich stattdessen auf das konzentriert, was einen Horrorfilm auszeichnet: Schockmomente. In diesem Sinne lässt sich Johannes Roberts „Primate“ als gelungener Tier-Horror beschreiben, nicht mehr und nicht weniger.
Über den Film
Originaltitel
Primate
Deutscher Titel
Primate
Produktionsland
USA
Filmdauer
89 min
Produktionsjahr
2025
Produzent
Hamada, Walter / Hodges, John / Pilz, Bradley
Regisseur
Roberts, Johannes
Verleih
Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Starttermin
29.01.2026
Auf Hawaii gibt es keine Tollwut schreibt der Autor Adam (Troy Kuster), als er gefragt wird, warum sich sein Schimpanse seltsam verhält. Gibt es natürlich doch, wie wir wissen, denn zum einen befinden wir uns in einem typischen Horrorfilm, zum anderen lieferte eine Texttafel ganz zu Beginn von „Primate“ eine wichtige Information: Hydrophobie ist die Angst vor Wasser, konnte man da lesen, eine Phobie, die seit tausenden Jahren bekannt sei und heutzutage als Tollwut, bezeichnet wird.
Das ist wissenschaftlich zwar nur bedingt korrekt, spielt aber keine Rolle, denn der Punkt ist: Der bald tollwütige Affe hat Angst vor Wasser. Ben heißt der an sich liebliche Schimpanse, der einst von Adams Frau, einer inzwischen verstorbenen Sprachwissenschaftlerin, ins Haus der Familie geholt wurde, um Theorien über die Lernfähigkeit unserer tierischen Verwandten zu testen.
Wie ein Familienmitglied wirkt Ben also, die jüngere Tochter Erin (Gia Hunter) liebt ihn sehr, auch die ältere, Lucy (Johnny Sequoyah), die über die Ferien zu Besuch ist, hängt an ihm. Ein paar Freundinnen und ein Freund sind auch zu Gast in der ausladenden Villa auf Hawaii, praktischerweise abgelegen, fern der Zivilisation – und mit einem Pool ausgestattet.
Dort hinein flüchten sich die Teenager vor Ben, der in seinem Käfig im Garten durch einen Biss mit Tollwut infiziert wurde und nun langsam durchdreht.
Schnörkellos spult Johannes Roberts nun das Programm ab, variiert dabei seine in den Hai-Horror-Filmen „47 Meters Down“ und seiner Fortsetzung erworbenen Fähigkeiten. Die belaufen sich weniger auf komplexe Figurenzeichnungen, denn auf effektive Schockmomente, mit denen er die Gruppe Teenager langsam das Zeitliche segnen lässt.
Auf eine Luftmatratze im Pool haben sich die Teenager zurückgezogen, stets beobachtet vom meist fast apathisch wirkenden Ben, der jedoch empfindlich auf Lärm reagiert. Was sich mit schöner Regelmäßigkeit bei Versuchen zeigt, sich an ihm vorbei zu schleichen: Mal ist es ein Telefon, das im unpassenden Moment klingelt, mal der Fernseher, der wie aus dem Nichts anspringt und mit seinem Lärm den Affen in den Wahnsinn treibt.
Subtexte darf man hier nicht erwarten, ob dieser Affe in seinen Verhaltensweisen irgendwie seinen menschlichen Verwandten ähnelt oder die Menschen, die bald zu brutalen Verteidigungsmethoden greifen, sich zunehmend animalisch verhalten, sind Fragen, die kaum mehr als angerissen werden.
Auch der an sich hübsche Drehbucheinfall, eines gehörlosen Vaters (gespielt vom für „Coda“ mit dem Oscar ausgezeichneten Troy Kuster, der tatsächlich gehörlos ist), der in Gebärdensprache mit dem Schimpansen kommuniziert, wird nur am Rande erwähnt und nicht weiter genutzt.
So begnügt sich Johannes Roberts damit, einen ganz auf das wesentliche reduzierten Horror-Schocker zu inszenieren, der nicht mehr sein will als kurze, kurzweilige Unterhaltung.
Michael Meyns







