Queen, The

Nach dem Unfalltod von Lady Di in einem Pariser Tunnel befand sich die britische Monarchie 1997 in erheblichen Schwierigkeiten. Mit „The Queen“ rollt Stephen Frears dieses Kapitel jüngerer Geschichte nun auf und versucht zu erklären, warum Queen Elizabeth II. so lange zögerte, der trauernden Öffentlichkeit ihre Anteilnahme zu zeigen und beinah den Draht zu ihrem Volk verlor. Das Ergebnis ist eine fesselnde Charakterstudie, die eine feine Balance zwischen ernsten und sarkastisch amüsanten Momenten findet. Herausragend ist dabei vor allem Helen Mirren in der Rolle der Queen, die zwischen Tradition und den Erfordernissen der modernen Mediengesellschaft in einen Zwiespalt gerät. Während die Britin dafür in Venedig hoch verdient den Preis als beste Darstellerin erhielt, wurde Drehbuchautor Peter Morgan für sein brillantes Drehbuch ausgezeichnet.

Webseite: www.concorde-film.de

Großbritannien/Italien/Frankreich 2006
Regie: Stephen Frears
Darsteller: Helen Mirren (Queen Elizabeth II), Michael Sheen (Tony Blair), James Cromwell (Prince Philip)
Drehbuch: Peter Morgan
Kamera: Affonso Beato
Schnitt: Lucia Zucchetti
Musik: Alexandre Desplat
97 Minuten, Farbe
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 11. Januar 2007

PRESSESTIMMEN:

…sehr überzeugend. "Die Queen" ist eine Seifenoper von Shakespeareschem Format: grandiose Tragikomödie, modernes Königsdrama und kluge Polit-Farce in einem. Und alles ist wahr – oder könnte zumindest so passiert sein.
Der Spiegel

Mit viel Humor und Respekt malt sich Stephen Frears die damaligen Tage im Palast aus, während Helen Mirren einen nicht zu übertreffenden Auftritt als Königin hinlegt. Hervorragend.
KulturSPIEGEL

Mit sensationellen Leistungen vor und hinter der Kamera gerät ‘The Queen’ zum geradlinigen Meisterwerk… Regisseur Stephen Frears läuft zu Höchstform auf, findet stets die Balance zwischen inszenatorischen Finessen und angebrachter Zurückhaltung, zwischen Drama und feinem Humor. Vor allem ist es aber Helen Mirren, die uneitel und nuanciert eine Leistung abliefert, an der sich fortan die Besten messen müssen. ‘The Queen’ ist ein Werk für die Ewigkeit.
Filmecho

FILMKRITIK:

Zu lange blieb die Reaktion aus. Nachdem Lady Di im August 1997 bei einem Autounfall in einem Pariser Tunnel ums Leben kam, zögerte Queen Elizabeth II. tagelang, ein öffentliches Zeichen der Trauer zu geben – Di gehörte schließlich offiziell nicht mehr zum Königshaus. Doch während in Großbritannien eine kollektive Massentrauer ausbrach, wirkte es so, als würde sich die scheinbar eiskalte Königin auf ihrem Landsitz im schottischen Balmoral verschanzen. Anders der damals frisch gewählte Tony Blair: Der junge Premierminister entwickelte das richtige Gespür für die Gefühlslage der geschockten Briten und fand dafür die richtigen Worte. Die Königin befand sich derweil bei zunehmendem Druck der Presse in einem Zwiespalt, den die Öffentlichkeit kaum wahrnahm, verhielt sie sich doch, wie es die Tradition und das Protokoll eigentlich von ihr verlangten. Dieses Dilemma, eine der größten Krisen der britischen Monarchie, hat Stephen Frears nach Peter Morgans in Venedig als bestes Drehbuch ausgezeichnetem Skript jetzt in „The Queen“ verarbeitet.
 
Doch dabei handelt es sich – trotz einiger sarkastischer Spitzen – keinesfalls um eine antiroyalistische Attacke, die eine harte und verbiesterte Königin zeigt. Vielmehr schildert Frears durchaus würdevoll und mit überraschender Anteilnahme, wie die Königin nicht mehr mit der Entwicklung der medialen Öffentlichkeit Schritt halten konnte. „The Queen“ hat trotz seiner Verortung zwischen Recherche, Spekulation und künstlerischer Freiheit eine fast dokumentarische Qualität: Nicht nur, weil Darsteller – vor allem Helen Mirren als Queen und Michael Sheen als Tony Blair – große Ähnlichkeiten mit den realen Vorbildern haben, sondern auch weil Frears immer wieder Nachrichtenbilder aus der damaligen Zeit geschickt einfließen lässt. Dabei hält „The Queen“ die feine Balance zwischen angemessenem Ernst und bissigem Humor, der in den Dialogen immer wieder aufblitzt – nicht nur, wenn Elizabeth II. ihre Telefonate mit dem frisch gewählten Premierminister führt. Allerdings zweifelt man in keinem Moment daran, dass sich das alles so abgespielt haben könnte.

Dass „The Queen“ mit dem riskanten Versuch dieser Aufarbeitung nicht scheitert, liegt aber auch am hervorragenden Ensemble. James Cromwell wirft als Prince Philip seine sarkastischen Kommentare dezent aus dem Hintergrund ein. Und Sheen wird als Blair zum modernen Medienprofi und Gegenpart der Queen, der beim Antrittsbesuch noch wie ein Pennäler wirkt, aber im Verlauf der Ereignisse das Vertrauen der überaus skeptischen Königin gewinnt. Während die Queen im Verlauf des Films immer weiter unter Druck gerät, wird Mirrens Verkörperung zusehends zum Ereignis. Während sie als Königin, die erzogen wurde, keine Gefühle zu zeigen, selbst bei starken Erschütterungen die Haltung bewahrt und die Fassade aufrechterhält, werden hinter ihrer starren Maske sämtliche Emotionen ablesbar. Die Anspannung findet sich in ihren Blicken ebenso wie die Unsicherheit im Umgang mit den Veränderungen und bei der Reaktion auf den medialen Druck. Momente, etwa wenn sie die vorm Palast die Berge abgelegter Blumen abschreitet und Kärtchen und Zettel mit harten Kommentaren über ihr Verhalten entdeckt, werden zu aufregender Schauspielkunst – und der sonst verschlossene Blick hinter die Mauern des Buckingham Palace zu einer durchweg fesselnden Charakterstudie.

 

 

Sascha Rettig