Rettet Trigger

Nicht nur weil immer mehr Kinder rabiate Vegetarier werden, könnte dieses norwegische Tierschutzdrama viele offene Ohren finden. Das emotionale Abenteuer um eine schüchterne Elfjährige, die ein prachtvolles Rennpferd vor dem Abdecker retten will, dürfte die gesamte Familie in Hochspannung versetzen, für die Kleinen in einigen Szenen etwas zu aufregend sein.

Webseite: www.mfa-film.de

N 2006
R: Gunnar Vikene
D: Ann-Kristin Sömme, Sven Wollter, Anneke von der Lippe, Eli-Anne Linnestad, Reidar Sörensen
M: Stein Berge Svendsen
Verleih: MFA
Format: 1:2,35
L: 78 Min.
FSK: ab 6 ?
Start: 8. Mai

PRESSESTIMMEN:

PREISE:

Montréal International Children‘s Film Festival: C.I.F.E.J. Award
Stockholm Film Festival: Bronze Horse

FILMKRITIK:

In ihrer Klasse gibt sich die pummelige, verstockte Alise (Ann-Kristin Sömme), gerne als Pferdeexpertin aus. Nachprüfen konnte das bisher ja keiner. Und schließlich züchtete ihr grummeliger Großvater Lasse (Sven Wolter) vor langer Zeit einmal Pferde auf seinem Hof, den er nun aus Altersgründen aufgeben muss. Ehe er ins Altenheim kommt, soll er ein paar Wochen in der Vorstadtwohnung von Alises Familie wohnen. Keine tolle Vorstellung für Alise, da sie nun in das Zimmer ihres einjährigen Bruders ziehen muss. Opa Lasse hört nachts auf dem Balkon Musik und tanzt dazu. Eigentlich möchte sie ihn schnell loswerden, nicht ahnend, dass er in Kürze zum echten Komplizen wird.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Rebecca entdeckt Alise im nahen Wald einen frei herumgaloppierenden Schimmel. Mehr aus Zufall gelingt es den beiden, das Tier in einem alten Basketballfeld einzufangen. Doch erst der Großvater schafft es, das riesige Tier zu besänftigen, zu einem nahe gelegenen Pferdehof zu bringen und dort seine verletzten Läufe zu verarzten. Alise, begeistert über die unbekannten Talente ihres Großvaters, nennt das Tier fortan „Trigger“. So hieß sein Lieblingspferd. Kaum ist Trigger in Sicherheit, taucht auch schon der Besitzer auf, der es unbedingt erschießen lassen will. Angeblich weil es schwerkrank sei, tatsächlich möchte er die Versicherungssumme kassieren. Opa Lasse regt sich darüber so auf, dass er mit Herzanfall ins Krankenhaus eingeliefert werden muss.

Es folgen hochdramatische Szenen, in denen Alise und Rebecca das Tier aus dem Stall des Abdeckers stehlen, in einer Waldhütte verstecken und gegen die dummen Streiche der Jungen aus ihrer Klasse verteidigen. Alise muss schließlich ihre Furcht überwinden und lernen, allein mit Trigger fertig zu werden. „Du hast dich getraut. Vergiss es nie, dein ganzes Leben lang“, hört sie den Großvater flüstern.

Über die Premiere von „Rettet Trigger“ in der „Generation“-Reihe der Berlinale 2007 schrieb Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel: „Das Finale ließ mich um den sofortigen Deckeneinsturz des Kinos fürchten, so ging das kleine Publikum mit. Mann, hätte ich diesen Film als Kind geliebt!“

Wie schaffen es skandinavische Regisseure nur immer wieder, soviel menschliche Nähe auf die Leinwand zu zaubern? Vielleicht ist es der selbstverständliche Umgang mit ernsten Themen und die Wärme und Innigkeit, mit der sie erzählt werden. Regisseur Gunnar Vikene, der mit seinem ersten Kinderfilm „Der Himmel stürzt ein“ in Skandinavien einen großen Erfolg landete, gelingt ein perfekt gestyltes und dennoch in jeder Hinsicht stimmungsvolles und gehaltvolles Abenteuer. Seine kleine Hauptdarstellerin scheint mit jeder Pore ihrer Rolle verwachsen. Die poetisch komponierten Bilder und Musiken, die Spiegelungen, Nachthimmel und Zeitlupen schaffen bewegende Momente, aber auch schwer verdauliche Szenen. Angst, Todesnähe und Trauer sind ständig präsent. Einmal laufen die Mädchen durch einen Schlachthof, das Pferd wird per Pistolenschuss betäubt, später springt es auf eine Schnellstraße. Alise wird bei ihrer Flucht mit Trigger durch einen U-Bahntunnel fast von ihrem Vater, einem U-Bahnführer, überfahren. Nach 78 Minuten dürften auch die Erwachsenen überwältigt sein.

Dorothee Tackmann

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Alise ist ein elfjähriges Mädchen. Offenbar weil sie pummelig ist, wird sie in der Schule gehänselt. Nur um das zu überspielen, erzählt sie überall, sie sei eine Pferdekennerin, Pferdenärrin und gute Reiterin. Da wird sie plötzlich unvermutet auf die Probe gestellt. Aus dem Stadtwald taucht ein ungebärdiger Schimmel auf, galoppierend, schnaubend, stampfend, wild um sich schlagend. Nur mit Mühe gelingt es Alise und ihrer Freundin, das Pferd in einen mit einem Zaun umgebenen Basketballplatz zu sperren.

Großen Erfolg hat Alise, als sie diese Geschichte erzählt, gerade nicht. Weder die Mutter noch die Polizei glauben ihr richtig. Gottlob gibt es da noch Alises Großvater Lasse, einen früheren Pferdezüchter und Springreiter. Die Sache hat allerdings einen Haken: Lasse ist schwer krank. Doch zunächst kann er den Mädchen noch helfen, das Pferd in einem Reiterhof unterzubringen.

Es dauert nicht lange, bis der Besitzer des Schimmels auftaucht und das Pferd, weil es angeblich krank, verwirrt und gefährlich sei, schlachten lassen will – in Wirklichkeit ist er nur auf die Versicherungssumme aus. Und es dauert ebenfalls nicht lange, bis Lasse dem Tode nahe ist. Nun ist es an Alise, sich zu beweisen, die Todesnähe zu überwinden, sich dem schnöden und betrügerischen Verhalten des Pferdebesitzers entgegenzustellen und den Schimmel zu retten.

Ein norwegischer Kinderfilm: von der Stärkung des kindlichen Selbstbewusstseins und der eigenen Kraft, vom Begreifen der Unabwendbarkeit des Todes vor allem eines geliebten Menschen, von der Liebe zum Tier sowie von der Überwindung von Gegnern und Hindernissen handelnd.

Idealistisch intendiert, formal sehr einfach gehalten, einigermaßen kindgerecht ablaufend und inszeniert.

Thomas Engel