Sakuran – Wilde Kirschblüte

Kiyoha ist eine junge und widerspenstige Kurtisane im Vergnügungsbezirk Edos. Mit Inbrunst widersetzt sie sich den Konventionen und hofft gegen alle Logik auf die große Liebe, die sie aus ihrer Gefangenschaft befreien soll. Mit Sakuran – Wilde Kirschblüte gelang der in Japan sehr erfolgreichen Fotografin Mika Ninagawa ein visuell überwältigendes Kinodebüt. Wobei weniger die Geschichte überzeugt, als die schwelgerischen Bilder und die spielerische Lust an der Dekonstruktion der Geisha-Kultur.

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Japan 2006
Regie: Mika Ninagawa
Buch: Yuki Tanada
Kamera: Takuro Ishizaka
Schnitt: Hiroaki Morishita
Musik: Ringo Shina
Darsteller: Anna Tsuchiya, Masanobu Ando, Kippei Shiina, Hiroki Narimiya, Yoshino Kimura
111 Minuten, Format 1:1,85
Verleih: REM
Kinostart: 30. August 2007

PRESSESTIMMEN:

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FILMKRITIK:

Mit acht Jahren wird Kiyoha in ein Bordell im Vergnügungsviertel Yoshiwara verkauft. Als Assistentin einer Geisha beginnt sie ihre Ausbildung, lernt singen und tanzen, die Kunst des Blumenflechten und des kunstvollen Haar hochstecken. Doch vor allem lernt sie, wie es eine Frau schafft, die Männer mit minimalen Gesten, dem Senken des Kopfes, einem versteckten Blick, um die Finger zu wickeln. Und Kiyoha mit ihrem widerspenstigen Wesen entwickelt sich zu einer wahren Meisterin dieser Kunst. Nach und nach steigt sie immer höher in der Rangordnung der Geishas auf, bis sie zur „Oiran“ geworden ist und es sich sogar herausnehmen kann, Männer abzuweisen, die ihr nicht gefallen. Und dennoch, so erfolgreich sie auch ist, träumt sie doch stets davon, von einem Gast freigekauft zu werden und die Mauern des Vergnügungsviertels zu verlassen und ein freies, glückliches Leben zu führen.

In vielerlei Hinsicht ist die Geschichte, die Mika Ninagawa hier erzählt, ein Klischee, wie man es schon in vielen Filmen gesehen hat, zuletzt in der Hollwood-Produktion „Die Geisha.“ Doch gerade der Vergleich mit Rob Marshalls in vieler Hinsicht fragwürdigem Film weist auf die Qualitäten von „Sakuran“ hin. Beide Filme schwelgen in wunderbaren Kostümen und einer überbordenden Ausstattung. Doch wo der Hollywood-Film von einem veralteten westlich geprägten Blick auf eine exotische, fremde Welt durchzogen ist, der keinerlei Haltung gegenüber dem Gezeigten aufweist, ist Ninagawas Herangehensweise wesentlich komplexer. Einerseits ist ihr Film ein Fest für die Augen, voll von bunten Kostümen und Sets, absurden Frisuren und typisch japanischen Details wie Karpfenteichen und vor allem der allgegenwärtigen Kirschblüte. 

Doch immer wenn man glaubt, dass sich der Film allzu sehr einer romantisierten Version des Geisha-Lebens hingibt, durchbricht Ninagawa mit einem ikonoklastischen Moment den schönen Schein. Mal ist es ein überraschender Dialog, mal ein Moment, in dem Blut in Fontänen versprüht wird (und der nicht zuletzt die Manga-Vorlage verrät), vor allem aber ist es der Einsatz der Musik. Schon Kostüme und Sets sind zwar authentisch, aber in ihrer Vielfalt an Farben und Formen eine gehörige Spur stilisiert. Doch mit ihrer eklektischen Musikauswahl geht Ninagawa noch einen Schritt weiter. Von Punk bis Klassik, J-Pop, Swing und Freejazz, es scheint kaum eine Stilrichtung zu geben, die nicht verwendet wurde. Bisweilen wirkt Sakuran so wie ein Musikvideo oder eben wie ein zum Leben erwecktes Foto von Mika Ninagawa, mit Musik unterlegt und allein dem Moment verhaftet. „Sakuran – Wilde Kirschblüte“ entführt den Zuschauer in eine fremde Welt, doch er tut das mit einer ironischen Brechung, die alle Klischees der Geschichte vergessen macht.

Michael Meyns

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Das “Freudenviertel” Yoshiwara in einer japanischen Stadt des 17. Jahrhunderts. Die kleine Kiyoha, erst acht Jahre alt, aber schon recht eigenwillig und selbstbewusst, wird verkauft. Ihre Bestimmung: Sie muss Kurtisane werden. Es gibt in diesem Gewerbe genau festgelegte Rangordnungen. Kiyoha wird als Zofe beginnen.

Als sie erwachsen ist, stellt sich heraus, dass man sie als Hure sehr begehrt. Sie hat vielleicht sogar das Zeug dazu, „Oiran“ zu werden, also Oberste der Kurtisanen und im Freudenviertel eine mächtige, geehrte und gefeierte Frau.

Die wahren Gefühle bleiben nicht aus. Kiyoha verliebt sich in den sympathischen Sojiro, der sie jedoch verlässt, als sie ihre Verpflichtungen ernster nimmt als die Zeit mit ihm. Sie ist bei ihren Kolleginnen nicht beliebt, dafür aber sehr schön, zielbewusst – und erfolgreich. Als die bisherige Oiran bei einem Streit mit ihrem Liebhaber zu Tode kommt, tritt Kiyoha an ihre Stelle. Sie ist zwar immer noch eine Gefangene, aber doch am Ziel.

Ein Samurai will sie freikaufen. Wird sie einwilligen? Oder doch einen anderen lieben?

Rund um das eingeschränkte, aber doch gewonnene Leben von Kiyoha die bekannte japanische Farbfilmästhetik: teilweise betörend schöne Bilder von blühenden Kirschbäumen oder exotischen Fischen, perfektes Make-up der Kurtisanen oder ausladende Frisuren, kostbare Kimonos und schöner Schmuck, historische Gewänder und typische Wandverzierungen, milieugerechte Ausstattung und Farben über Farben.

Es gibt sicherlich genügend Interessenten für diese Art von Filmen. Für orthodoxe Ästheten ist „Sakuran – Wilde Kirschblüte“ jedenfalls ein wahrer Genuss.

Ein Vier-Frauen-Produkt. Die Regisseurin Mika Ninagawa ist in Japan eine bekannte Photographin. Die Handlung beruht auf einem Comic (!) von Moyoco Anno. Ringo Shina steuerte die Musik bei. Hier liegt allerdings ein Problem. Ob moderner Pop zu diesem Stil passt, ist sehr die Frage. Die Art, wie hier vorgegangen wurde, nimmt dem Ganzen etwas von seinem Flair.

Anna Tsuchiya dagegen, die die Kiyoha spielt, machte einen ausgezeichneten Job. Sie ist (immer) präsent, schön anzusehen und beherrscht ihre Rolle perfekt.

Ein japanisches Comic-Märchen über eine auf An- und Aussehen bedachte Kurtisane. Stilistisch überragend, auch in seiner modernisierten Form. Für Liebhaber und Ästheten ein Genuss.

Thomas Engel