Salvador

Manuel Huergas Biopic erzählt die bewegende Geschichte des Freiheitskämpfers Salvador Puig Antich, der sich während der Franco-Diktatur dem militanten Widerstand anschloss und als eines der letzten Regimeopfer in die Geschichte einging. Der in Barcelona geborene Daniel Brühl überzeugt in der Titelrolle eines insgesamt stimmigen Dramas. In Spanien erhielt der Film gleich mehrere Filmpreise wie den Barcelona Film Award (in insgesamt sieben Kategorien) und einen Goya Award für das beste Drehbuch.

Webseite: www.salvadorfilm.com

Originaltitel: Salvador (Puig Antich)
Spanien 2006
Regie: Manuel Huerga
Darsteller: Daniel Brühl, Tristán Ulloa, Leonardo Sbaraglia, Leonor Watling, Ingrid Rubio, Joel Joan, Celso Bugallo, Mercedes Sampietro
129 Minuten
Verleih: MFA+
Kinostart: 13.09.2007

PRESSESTIMMEN:

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FILMKRITIK:

Spanien zur Zeit der Franco-Diktatur. Das faschistische Regime übt seine unumschränkte Macht aus und duldet dabei keinerlei Opposition. Doch der Widerstand rührt sich. Es sind Menschen, wie der 20-jährige Student Salvador Puig Antich, die den Kampf für ein Leben in Freiheit aufnehmen. Sein Aufbegehren gegen die unerbittliche Militärdiktatur mündet zunächst in seinem Engagement in einer illegalen Gewerkschaftsbewegung. Seine Überzeugung und sein fester Wille, lassen ihn jedoch sehr bald schon einen weiteren Schritt auf seinem Weg zum späteren Volkshelden beschreiten. So schließt er sich einer anarchistischen Freiheitsbewegung an, die in Katalonien bewaffnete Raubüberfälle zum Wohle des Arbeiterkampfes verübt. Junge Rebellen, die Banken überfallen, Streiks unterstützen und sich allmählich an ihrem erfolgreichen Tun berauschen.

 

Und wenngleich Salvador besonnener scheint als so mancher seiner Waffenbrüder, ist er es, der im September 1973 nach einem Schusswechsel mit der Polizei schwer verwundet festgenommen wird. Ein Beamter kommt an diesem Tag ums Leben und der mittlerweile 25-jährige Salvador Puig Antich wird wegen Polizistenmordes zum Tode verurteilt. Die verbleibende Zeit bis zur Urteilsvollstreckung, bemühen sich seine Familie sowie sein Anwalt die drohende Hinrichtung abzuwenden. Als jedoch der Regierungschef Luis Carrero Blanco im Dezember des Jahres einem Attentat der ETA zum Opfer fällt, ist das Schicksal Salvadors endgültig besiegelt. Am 2. März 1974 wird er als letzter politischer Gefangener Spaniens und eines der letzten Opfer der damals herrschenden Justiz-Willkür hingerichtet. Bis heute steht sein Name für den letztlich erfolgreichen Kampf des spanischen Volkes gegen die Unterdrückung eines diktatorischen Regimes. Bis heute steht sein Name für den „Kampf um die Freiheit“.

Manuel Huergas Biopic über das Leben und den Tod von Salvador Puig Antich beginnt unmittelbar mit dessen Verhaftung. Im Gespräch mit seinem Anwalt entblättern sich dem Zuschauer nach und nach das Leben des Freiheitskämpfers und die genauen Umstände, die zu seiner Inhaftierung führten. Eine klassische Erzählform, die nicht immer, aber doch in diesem Fall, dem Fluss der Geschichte dienlich ist. Huerga bleibt dabei in grobkörnigen und farbsatten Bildern stets nah an seiner Hauptfigur und reduziert damit seinen erzählerischen Fokus sowie den leicht beengten Handlungsrahmen. Auch das funktioniert, da die Geschichte – vom wahren Leben geschrieben – fesselt und der in Barcelona geborene Daniel Brühl in der Titelrolle den Film zu tragen versteht. Wäre dem nicht so, würde man sicherlich eine Erzählebene, die die politische Situation des Landes und das Wirken Francos transparenter beschreibt, vermissen.

In der Gegenwart der filmischen Erzählung angekommen, wird die Handlung mit dem Anwaltsverhör chronologisch fortgeführt. Was eben noch als Thriller mit Banküberfällen und wilden Schießereien „unterhielt“, wird nun zum beklemmenden Gefängnisdrama. Der schier aussichtslose Überlebenskampf Salvadors beginnt, der völlig konträr zur Vorgeschichte in kühlen und nüchternen Bildern erzählt wird und dadurch seine Wirkung nicht verfehlt. So wartet man als Zuschauer betroffen und verzweifelt auf den sicheren wie ungerechten Tod eines Menschen, der den Glauben an eine bessere Welt so tief im Herzen trug, dass er zu jedem Opfer bereit war.

Gary Rohweder

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Spanien zur Zeit des Franco-Regimes. Der Bürgerkrieg ist zwar seit langem vorüber, aber noch immer gibt es unsichtbar zwei Fronten: die Nationalisten, die Francisten, die Großgrundbesitzer, die Militärs und auch Teile der Kirche auf der einen Seite, die Linken, die Kommunisten auf der anderen.

Saalvador Puig Antich steht auf der Seite der letzteren. Für seine politische Überzeugung und seine diesbezüglichen Ziele ist er jahrelang bereit, mit seinen Freunden und Gesinnungsgenossen zur (ideologischen) Geldbeschaffung Banken zu überfallen, sich mit der Guardia Civil Schießereien zu liefern, Leute umzubringen, zu fliehen, unter den schwierigsten Umständen im Versteck zu lieben auch.

Immer konnte das nicht gut gehen. Er wurde gefasst, zum Tode verurteilt. Monatelang kämpfte er um sein Leben. Er hatte Unterstützung von seinen Freunden, von seinem Anwalt, von hochgestellten Persönlichkeiten, ja sogar vom Papst. Es nützte nichts. Im März 1974 wurde er hingerichtet. Er war sozusagen der letzte politische Gefangene der Franco-Epoche, der sterben musste.

Der Film hat dokumentarischen Charakter. Er spiegelt die Zeit ausgezeichnet wider. Bis ins letzte Detail ist alles gut artikuliert: das Verhältnis zwischen den Kumpanen; die Planung der Überfälle; deren Ausführung; das Ausweichen über die Pyrenäen nach Frankreich aus Furcht davor, geschnappt zu werden; die schwer belastete Beziehung Salvadors zu seiner Geliebten; das immer wieder Fliehen-müssen; gegen Ende der lange vergebliche Kampf ums Überleben.

Ein spannendes, exakt ausgearbeitetes, politisch provozierendes und letztlich trauriges Lebensbild. Daniel Brühl spielt glänzend die Hauptrolle. Eine durchgehende Leistung. Er ist in Spanien aufgewachsen, war also für diesen Part der richtige Mann am richtigen Platz. 

Thomas Engel