Savages

Sex, Drogen, Gewalt, Sonne, Kalifornien. „Savages“ bietet all dies im Überfluss. Oliver Stone inszeniert die Geschichte zweier Drogendealer aus LA, die mit einem mexikanischen Kartell eine blutige Auseinandersetzung beginnen, als flirrenden, bunten, wilden Rausch, der stilistisch fraglos zu den spannendsten Filmen des Jahres zählt.

Webseite: www.savages-film.de

USA 2012
Regie: Oliver Stone
Buch: Shane Salerno, Don Winslow, Oliver Stone, nach dem Roman von Don Winslow
Darsteller: Aaron Taylor-Johnson, Taylor Kitsch, Blake Lively, Salma Hayek, Benicio Del Toro, John Travolta
Länge: 131 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 11. Oktober 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

O, kurz für Ophelia (Blake Lively) nennt sich die Erzählerin von „Savages“. Sie lebt ein hedonistisches Leben in LA, das in erster Linie aus Sonne, Shoppen und Sex besteht. Letzteren hat sie gleich mit zwei Männern, den besten Freunden Ben (Aaron Taylor-Johnson) und Chon (Taylor Kitsch). Zusammen stellen Ben und Chon das beste Gras Amerikas her, das ihnen ein Leben im Luxus ermöglicht, aber nun auch mexikanische Kartelle auf den Plan ruft. Mit Hilfe des durchgeknallten Killers Lado (Benicio Del Toro) versucht die Drogenkönigin Elena (Salma Hayek) die amerikanische Konkurrenz zur Zusammenarbeit zu überreden und schreckt dabei vor keinem Mittel zurück. Trotz der Warnung von Dennis (John Travolta), ihrem Informanten beim FBI, lehnen Ben und Chon den Deal der Mexikaner ab und finden sich bald in einem Strudel der Gewalt wieder, der alle Beteiligten als die titelgebenden Wilden erscheinen lässt.

Eigentlich ist Oliver Stone vor allem als Regisseur von in unterschiedlicher Weise engagierten Filmen wie „Wall Street“, „JFK“ oder „Nixon“ bekannt. Eine weitere Linie seiner Filme waren aber immer wieder Drogen, vor allem Marihuana, und exzessive Gewalt. Beides lässt sich auf Stones Erfahrungen in Vietnam zurückführen, die er in Filmen wie „Platoon“ oder „Geboren am 4. Juli“ direkt thematisierte, die darüber hinaus aber seine ganze Weltsicht beeinflusste. „Savages“ bringt praktisch alle Linien des bisherigen Werks Stones zusammen, wodurch sich einerseits alle möglichen Lesarten anbieten, andererseits auch eine Vielfalt entsteht, die trotz einer Filmlänge von 131 Minuten wenig Raum für Tiefe lässt. Zwar könnte man sagen, dass diese Oberflächlichkeit zur dargestellten Welt passt, aber so einfach sollte man es Stone wohl nicht machen.
Deutlich ist der Anspruch zu spüren einen substanziellen Kommentar zur gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation Amerikas abzuliefern, eine Position zur Debatte um die Legalisierung von Marihuana einzunehmen, und auch die in den letzten Jahren häufig kolportierten Gebietskämpfe der mexikanischen Drogenkartelle zu thematisieren. Besonders hier kommt Stones oft sadistisch anmutende Ader zum Vorschein, die schon in Filmen wie „Platoon“, aber besonders dem thematisch ähnlichen Thriller „U-Turn“ und ganz besonderes der Mediensatire „Natural Born Killers“ zu Szenen exzessivster Brutalität führte. Ob die graphische Darstellung aufplatzender Schädel, Folter, Verbrennungen und anderen Grausamkeiten eine narrative Berechtigung hat oder nicht doch eher Voyeurismus befriedigt, sei dahin gestellt.

Angesichts solcher Schauwerte fällt es schwer„Savages“ als ernsthaften Film zu bezeichnen. Vielmehr funktioniert er in erster Linie als rauschhafter Trip, der auf höchstem technischen Niveau schöne Menschen in schöner Umgebung zeigt, die zunehmend unschöne Dinge tun. Was Stone, sein Kameramann und seine gleich drei Cutter mit den Bildern anstellen ist zwar nicht derart experimentell wie in „Natural Born Killers“, ein beeindruckender Katalog des technisch machbaren ist es dennoch. Nach eher gesichtslosen Filmen wie „World Trade Center“ und „Wall Street 2“ ist „Savages“ dadurch bei allen inhaltlichen Schwächen wieder ein Stone-Film alter Schule: Laut, wild, exzessiv, überbordend und gleichermaßen geschmacklos wie faszinierend.

Michael Meyns

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