Schöne Seelen

Josef Hader geht immer. Als melancholisch-tragischer Underdog hat er längst Kultstatus. Aber der österreichische Kabarettist kann auch Kotzbrocken und Nervtöter in Perfektion. So wie in dieser Aussteiger-Farce über einen Urlaubsort an der Costa Brava im Sommer anno 1996. Als zwielichtiger Diskothekenbesitzer hat er ein Faible für schräge Figuren. Darunter das Muttersöhnchen und den Tagelöhner Freddy (August Diehl), der auf ein lustiges Leben unter der spanischen Sonne hofft. Doch die Costa Brava ist kein Ponyhof! Schwarzer Humor dominiert diese schrullige Versager-Saga. Bei einer fast zweistündigen Laufzeit wäre weniger allemal mehr gewesen. Beim Hader lohnt sich freilich jede Minute.

 

Über den Film

Originaltitel

Schöne Seelen

Deutscher Titel

Schöne Seelen

Produktionsland

DE

Filmdauer

117 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Ingmar Trost

Regisseur

Tom Schreiber

Verleih

Verleih N.N.

Starttermin

01.01.1972

 

„Der Zahnarzt ist das Einzige, was mich noch an Wien interessiert!“, betont Herbert (Josef Hader) mit schlitzohrigem Stolz. Er ist der ungekrönte König der Austro-Aussteiger an der Costa Brava. Seine bei Billigtouristen einst sehr beliebte „Palm Beach“-Disko hat schon bessere Tage gesehen, doch Herbert hadert nicht mit dem Schicksal. Mit offenem Hemd und Goldkettchen gibt er noch immer stolz den Macho-Gockel und Möchtegern-Checker. Sein Selbstbewusstsein lässt ihn Karaoke-Auftritte absolvieren, deren Gesang stets grausam klingt. Mit welcher Inbrunst Josef Hader diesen verbitterten Unsympathen regelrecht zelebriert, ist schon ziemlich grandios.

 

Leichteres Spiel um die Sympathiepunkte hat derweil August Diehl als chronischer Verlierer Freddy. Gleich zum Auftakt gerät das Muttersöhnchen am Frühstückstisch in Streit mit der Frau Mama. Da wirkt ein wartender Reisebus in Richtung Spanien wie ein Wink des Schicksals. Loserleben adieu, Eviva España! Die Sonne scheint tatsächlich bei Tag und Nacht nach der Ankunft im Urlaubsparadies. Ein alter Freund vermittelt Freddy die Bekanntschaft mit Herbert. Der offeriert ihm prompt einen lässigen Job als Aufpasser für seine Villa mit Meerblick sowie für seinen geliebten Papagei. Doch bald ziehen düstere Wolken auf. Der schrecklich nette Chef kann auch ziemlich schrecklich sein. Und dann ist da auch noch diese Leiche, die dringend entsorgt werden muss. Für eine schöne Seele wie Freddy entwickelt sich das Urlaubsparadies zunehmend zum Albtraum.

 

Regisseur und Koautor Tom Schreiber, der für „Dr. Alemán“ mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde, macht sich in seiner bitterbösen Typenkomödie lustig über Aussteiger, Auswanderer und Partytouristen. Bisweilen wirkt die fiese Farce zu holprig erzählt und dauert mit fast zwei Stunden etwas zu lang. Dafür wird dem Affen hier gehörig Zucker gegeben. Wer sarkastisch schräge Storys über durchgeknallte Typen mag, kommt allemal auf seine Kosten. Fans des einzigartigen Josef Hader sowieso – und wer wäre das nicht?

 

Dieter Oßwald

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