Sechswochenamt

Abschiednehmen ist niemals einfach. Mit der Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen fertig zu werden, erst recht nicht. Kommt dann noch eine Pandemie mit Lockdown dazu, potenziert sich alles. In diesem Wirkungsfeld spielt „Sechswochenamt“, ein leiser, sehr ehrlicher Film über das, was kommt, wenn man ein Leben abwickeln muss.

 

Über den Film

Originaltitel

Sechswochenamt

Deutscher Titel

Sechswochenamt

Produktionsland

DEU

Filmdauer

98 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Jansen, Jacqueline

Verleih

Piffl Medien GmbH

Starttermin

18.06.2026

 

Die 25 Jahre alte Lore wird vom Tod ihrer Mutter von den Beinen gerissen, auch wenn absehbar war, dass sie sterben würde. Pläne darüber, was nach ihrem Ableben passieren soll, gab es nicht, weswegen sich Lore jetzt um alles selbst kümmern muss. All das passiert, als die COVID-19-Pandemie losbricht und der erste Lockdown kommt. Wie eine Beerdigung planen, wenn es sie gar nicht richtig gibt? Wie mit dem Leben weitermachen? Mit der Trauer fertigwerden? All dem muss sich Lore ziemlich alleine stellen …

 

„Sechswochenamt“ ist ein sehr stiller Film, der sich mit einem Thema befasst, über das kaum jemand nachdenken möchte. Einerseits zeigt der Film, wie wichtig es ist, selbst Vorkehrungen zu treffen, andererseits schafft er es sehr exakt zu zeigen, wie der Gefühlszustand ist, wenn ein Elternteil stirbt. Das ist schon in normalen Zeiten ein Ausnahmezustand, im Jahr 2020 war es aber noch weit schwieriger. Das zeigt der Film sehr eindringlich, auch in Hinblick darauf, was erlaubt ist und was nicht – und das nicht nur in Lockdown-Zeiten. Denn der sogenannte Friedhofszwang gibt klar vor, wie schnell jemand unter die Erde gebracht werden muss, und auch wo. Hier wird einem Gesetz gefolgt, das aus einer Zeit stammt, da Feuerbestattungen praktisch unbekannt waren. Das mag damals sinnvoll gewesen sein, heutzutage geht es an der Lebensrealität vorbei.

 

So ist „Sechswochenamt“ nicht nur ein Film darüber, wie Trauer wirkt und wie man sich in allem, was nach einem Sterbefall zu tun ist, verlieren kann, sondern auch über Regeln, die kaum einer kennt. Lore beschließt, dass der Leichnam in Holland verbrannt werden soll, weil sie dann die Urne selbst in die Hand bekommt und die Asche dort verstreuen kann, wo sie möchte. Mit einer Feier, die nicht erlaubt ist, und einem Akt des Abschieds, auf den Geldstrafe bzw. bis zu drei Jahren Gefängnis stehen.

 

Die Pandemie mit ihren gesellschaftlichen Auflösungserscheinungen wird zum Spiegelbild von Lores Leben, die die Mietwohnung ihrer Mutter auflösen muss. Ihr wird klar, dass ihre Kindheit endet, dass sie niemals dorthin zurückkehren kann und wird, wo sie einst unbeschwert war. Das Sterben der Eltern ist auch immer der finale Moment des Erwachsenwerdens. 

 

Peter Osteried

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.