Sommer

Ein Film wie eine Foto-Love-Story: Sommer entwirft vor der malerischen Kulisse der Nordseeinsel Amrun eine jederzeit berechenbare Teenager-Romanze, die es vor allem an glaubhaften, differenzierten Charakteren vermissen lässt. Hier sind die Rollen von Anfang an klar verteilt. Ein eitler Fatzke aus reichem Hause und ein cooler Skaterboy streiten sich um das blonde Love Interest. Dennoch sollte die zweite Regie-Arbeit von Mike Marzuk (Weißt was geil wär…?!) an der Kinokasse funktionieren. Teenie-Schwarm Jimi Blue Ochsenknecht wird es schon richten.

Webseite: www.movie.de

Deutschland 2008
Regie: Mike Marzuk
Drehbuch: Peer Klehmet, Sebastian Wehlings
Produktion: Ewa Karlström, Andreas Ulmke-Smeaton
Mit Jimi Blue Ochsenknecht, Sonja Gerhardt, Jannis Niewöhner, Julian Krüger, Ingeborg Westphal
Kinostart: 17.4.2008
Verleih: Walt Disney

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Obwohl er erst 15 Jahre alt ist, hat Tim (Jimi Blue Ochsenknecht) schon viel von der Welt gesehen. Mit seinem Vater (Uwe Ochsenknecht in einer Gastrolle), der Pilot bei der Bundeswehr ist, zog er die letzten Jahre von einem Ort zum nächsten. Gerade als er sich in Berlin eingelebt hat, heißt es wieder einmal Abschied nehmen. Doch dieses Mal kann er seinen Vater nicht begleiten. Während dieser nach Somalia versetzt wird, soll Tim zu seiner Oma (Ingeborg Westphal) auf eine kleine Nordseeinsel ziehen. Dort angekommen macht er sich schnell bei der Clique des Insel-Schönlings Lars (Jannis Niewöhner) unbeliebt. So hilft er Außenseiter Eric (Julian Krüger), der von Lars und seinen Kumpels regelmäßig als Mobbing-Opfer missbraucht wird. Die Konfrontation zwischen Tim und Lars spitzt sich zu, nachdem sich der Neuankömmling in die hübsche Vic (Sonja Gerhardt) verliebt. Vic ist – wie sollte es anders sein – schon seit Jahren mit Lars zusammen. Demnächst wollen beide ihre erste gemeinsame Nacht verbringen.

Wer sich die Inhaltsangabe durchliest, wird sich wohl unweigerlich an die typische Bravo-Foto-Love Story erinnert fühlen. Und tatsächlich ist Sommer nichts anderes als eine verfilmte und für das Kino auf Hochglanz polierte Teenager-Soap Opera. Die zweite Regie-Arbeit von Mike Marzuk (Weißt was geil wär…?!) bedient geradezu mustergültig sämtliche von Jugendzeitschriften wie Bravo oder Wendy wiederholt kolportierten Klischees. Mädchen lieben Pferde, Jungs prügeln sich gerne und wer aus einem reichen Elternhaus kommt, ist sowieso schon per Definition ein Unsympath. Figuren wie der von Jannis Niewöhner verkörperte Millionärs-Sprößling oder die des korpulenten Spaßvogels Eric sind nach einem leicht durchschaubaren Schwarz-Weiss-Schema gestrickt. Die Vorhersehbarkeit ist dabei genreimmanent und noch nicht einmal besonders schlimm. Ärgerlicher ist es da schon, dass der Film die Gefühlswelt seiner zumeist jungen Protagonisten bei jeder Gelegenheit in Postkartenkitsch und naiven Pop-Songs zu ertränken versucht. Dass man sich dem Abenteuer der ersten großen Liebe und den Problemen der Pubertät auch anders und ohne Rückgriff auf Stereotypen nähern kann, bewies auf wunderbar unverkrampfte Art Vivian Naefes Die wilden Hühner und die Liebe.

Die Produzenten Ewa Karlström und Andreas Ulmke-Smeaton vertrauen ganz der Zugkraft ihres Hauptdarstellers Jimi Blue Ochsenknecht. Warum auch nicht, immerhin ging das Kalkül im Fall der Wilden Kerle bereits fünfmal auf. Der Mädchen-Schwarm gibt hier den lässigen, wortkargen Outlaw, der nie ohne seine Markenzeichen – Lederjacke und Skateboard – anzutreffen ist. Marzuk und sein Kameramann Ian Blumers lassen wahrlich nichts unversucht, um den Nachwuchsstar möglichst fotogen und cool in Szene zu setzen. Damit zielt Sommer erkennbar auf ein junges, weibliches Publikum, das dem Film seine zahlreichen Missgriffe bei Charakterzeichnung und Story vermutlich verzeihen wird.

Marcus Wessel

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Tims Vater ist Luftwaffenoffizier, kann aber dieses Mal bei der anstehenden Versetzung seinen Sohn nicht mitnehmen. Also muss Tim zur Oma auf eine Nordseeinsel. Er ist ein anderes Leben gewöhnt, als es dort herrscht, und deshalb tut er sich zunächst schwer: in der Schule; im Verhältnis zu dem aus begüterter Familie stammenden Schulkameraden Lars, der mit seiner hübschen Freundin Vic schon „das erste Mal“ plant; mit der Arbeit auf dem Reiterhof Hansen, wo Tim, um sich Geld zu beschaffen, eine Anstellung angenommen hat. Einzig der dickliche Eric bietet sich an, Tims Freund zu werden.

Steine liegen Tim genug im Weg. An Vic, auf die er ein Auge geworfen hat, kommt er zunächst nicht heran – Vics Eltern sind schon aus materiellen Gründen viel mehr an der Verbindung zwischen ihrer Tochter und Lars interessiert. Ein Wettschwimmen kann Tim nicht mitmachen, da er früher mit einem Freund ein schlimmes Erlebnis hatte und deshalb im Wasser Angstzustände bekommt. Bei einer Party wird er für ein von ihm für Vic gesungenes Lied ausgebuht. Und als es auf Hansens Reiterhof brennt, wird er als Brandstifter verdächtigt.

Muss er gar mit seinem Vater nach Amerika? Und wie lange wird es noch dauern, bis er Lars schlagen und Vic bekommen kann?

Eine auf den Jungmädchenschwarm Jimi Blue Ochsenknecht zugeschnittene Romanze, völlig auf ein Teenager-Zielpublikum ausgerichtet, mit einem gewissen ästhetischen Feingefühl, mit ein paar gefälligen Ideen, aber nicht klischeefrei. Die jungen Darsteller, neben Ochsenknecht (Tim) auch die frische Sonja Gerhardt (Vic), der Jungmusiker Jannis Niewöhner (Lars) und der – leicht übertreibende – Hobbyschauspieler Julian Vinzenz Krüger (Eric) machen ihre Sache gut.

Thomas Engel