Sounds and Silence – Unterwegs mit Manfred Eicher

Die Suche nach dem perfekten Klang auf der Kinoleinwand geht weiter. Kurz auf den Dokumentarfilm „Pianomania“ kommt nun dieses Porträt über einen der derzeit einflussreichsten Entdecker und Vermittler zeitgenössischer Musik ins Kino, den Gründer des Münchner Plattenlabels ECM, Manfred Eicher. Sechs Jahre lang haben sich die beiden Schweizer Filmemacher Peter Guyer und Norbert Wiedmer an die Fersen von Eicher geheftet und ihm bei der Arbeit und Suche nach zeitlos schöner Musik zugesehen. Ihr Film bleibt dabei so entspannend wie der Sound, den Eicher produziert.

Webseite: www.arsenalfilm.de

Schweiz 2009
Regie: Peter Guyer und Norbert Wiedmer
Dokumentarfilm mit: Manfred Eicher und den Musikern Arvo Pärt, Eleni Karaindrou, Dino Saluzzi, Anouar Brahem, Gianluigi Trovesi, Marilyn Mazur, Nik Bärtsch, Kim Kashkashian, Jan Garbarek u.v.a.
90 Minuten
Verleih: Arsenal Filmverleih
Start am 28.10.2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Im Lauf von über 40 Jahren hat Manfred Eicher mit seiner Münchner Schallplattenfirma ECM (Edition of Contemporary Music) mehr als 1000 Produktionen herausgegeben. Zu den bekanntesten dürften Keith Jarretts „Köln Concert“, Jan Garbareks zusammen mit dem Hilliard Ensemble mittlerweile auf drei Teile ausgeweitete „Officium“-Einspielungen sowie Arvo Pärts „Tabula Rasa“ gehören. Die beiden Schweizer Filmemacher Peter Guyer und Norbert Wiedmer haben den inzwischen 67-Jährigen für ihre 90-minütige Dokumentation sechs Jahre lang auf seinen Reisen begleitet und bei der Arbeit zugesehen. Einer Arbeit, die sehr viel mit Zuhören zu tun hat – und so sieht man Manfred Eicher in diesem Film immer wieder dabei, wie er dasitzt oder steht, sinniert und den Klängen lauscht, und wenn es dem perfekten Klang und Ergebnis dient, auch schon mal sagt, an welcher kleinen Stellschraube die Musiker und Tontechniker noch drehen sollten.

Festgehalten sind dabei Begegnungen und Probenbesuche mit den Komponisten Arvo Pärt in Estland und Eleni Karaindrou in Griechenland. Es kommt zu Gesprächen mit dem Oud-Virtuosen Anouar Brahem in Tunesien, dem Bandoneon-Künstler Dino Saluzzi in Argentinien und dem italienischen Klarinettisten Gianluigi Trovesi in Bergamo. Im Studio trifft Eicher auf den Schweizer Pianisten Nik Bärtsch sowie die Perkussionistin Marilyn Mazur. Nicht fehlen darf auch Jan Garbarek. Für jene musikinteressierten Kinobesucher, die bislang noch nicht mit dem Werk der genannten Musiker vertraut sind, stellt „Sounds and Silence“ quasi eine Art Sampler dar, der Anregungen zu einer weiteren Beschäftigung mit der jeweiligen Musik gibt.

„Sounds and Silence“ ist kein Film, in dem sich die Protagonisten gegenseitig auf die Schulter klopfen. Im Grunde macht auch Manfred Eicher kein großes Aufheben um seine Person. In kurzen Worten umreißt er, was ihn an seiner Arbeit so fasziniert (die Suche nach dem „Leuchten des Klangs“), warum er einst seinen Bass in die Ecke stellte und sich seitdem dem Produzieren respektive dem Zusammenführen unterschiedlicher musikalischer Welten aus Okzident und Orient, aus Klassik, Jazz und mehr und mehr auch traditionellen Richtungen widmet. Aus dem Gezeigten ergibt sich, wie das von Manfred Eicher aufgebaute Netzwerk internationaler Künstler funktioniert, wie hier gemeinsam und mit großer Konzentration, Leidenschaft und Freude an einem Strang gezogen wird.

Immer wieder kehrt die Kamera auch an den Firmensitz von ECM im Münchner Westen zurück. In Verbindung mit der Klarheit der Klänge und der der Musik innewohnenden Stille wundert man sich zwar über diesen auf seine Art etwas trostlos an der Autobahnauffahrt nach Lindau liegenden Ort. Wenn schon nicht im Film selbst, so gibt Eicher doch wenigstens im Presseheft einen Kommentar zur Standortwahl ab: „Es gefällt mir an diesem Ort, weil er in seiner Ortlosigkeit etwas Freies, etwas Musikalisches hat. Mein Ort ist, wie schon Edmond Jabès sagte, das Fehlen eines solchen. Musik ist nur an Zeit gebunden. Sie schafft Räume aus der Verbindung von Innen und Außen und überwindet damit jede Art von Ort.“

Ein weiterer, nur ganz am Rande am Beispiel einer Veröffentlichung des Jazzpianisten Stefano Bollani angeschnittener Aspekt betrifft das für ECM-Veröffentlichungen so wichtige Cover-Artwork. Schade, dass die Filmemacher hier nicht einen Schulterschluss versucht haben, ihr durchaus sinnliches und meditatives Roadmovie mit Motiven im Stil dieser optisch die Stille beschreibenden Fotografien zu bebildern. Sie wären ansonsten das i-Tüpfelchen auf dieser insgesamt anregenden und entspannenden Dokumentation von Begegnungen mit Manfred Eicher und einigen der von ihm einem breiten Publikum zugänglich gemachten Künstler.

Thomas Volkmann