Spiel der Macht, Das

Das Erstaunlichste an diesem Film ist, dass es ihn gibt. Denn man mag kaum glauben, dass  im US-Kino ein millionenschweres Drama mit Starbesetzung über einen volkstümlichen Politiker mit sozialistischen Neigungen finanzierbar ist. Das hat Steven Zaillian (Regie, Buch, Co-Produzent) geschafft. Doch so richtig gelohnt hat es sich nicht. Das durchweg ablehnende Medienecho in den USA mag zwar überzogen sein, doch manche Mängel führen in der Tat dazu, dass der Film ohne rechten Schwung einem vorhersehbaren Ende entgegenplätschert.

Webseite: www.das-spiel-der-macht.de

USA 2006
Regie: Steven Zaillian
Buch: Steven Zaillian
Darsteller: Sean Penn, Jude Law, Kate Winslet, Patricia Clarkson, James Gandolfini, Mark Ruffalo, Anthony Hopkins
128 Minuten
Verleih: Sony Pictures
Kinsostart: 4. Januar 2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Willie Stark (Sean Penn) ist ein Politiker mit Prinzipien. Weil er sich in seiner Heimat Louisiana nicht an der allgegenwärtigen Korruption  beteiligt, kommt er nicht voran. Als jedoch ein Schulgebäude einstürzt, schlägt seine Stunde. Vor dem Bau der Schule flossen Schmiergelder an Politiker, was Stark versucht hatte zu verhindern. Als Saubermann tritt er nun bei den Gouverneurswahlen an. Er schlägt sich auf die Seite der Armen und verspricht den Bau von Straßen, Schulen und Krankenhäusern. Begleitet und beraten wird er von dem Journalisten Jack Burden (Jude Law). Nach Starks Sieg versucht das Establishment sehr schnell, ihn mit allerlei Tricks aus dem Amt zu jagen. An der Spitze seiner Gegner steht Montague Irwin (Anthony Hopkins), der Ziehvater Burdens. Der Gouverneur, der sich rasch an Luxus und schöne Frauen in seiner Umgebung gewöhnt, schlägt mit den Mitteln seiner Feinde zurück, wobei Burden sein treuer Helfer ist. Die Intrigen ziehen weite Kreise und schnell geht es nicht mehr allein um das Schicksal des Vokshelden.

 

„Unglaubwürdigkeit“, „Totgeburt“, „fatale Fehlbesetzungen“ – das Branchenblatt „Variety“ lässt an dem Polit-Drama kein gutes Haar. Viele US-Medien fällen dasselbe Urteil. Die Härte des Urteils mag auch ideologisch begründet sein, da der politische Mainstream in den USA immer konservativer wird und Willie Stark nun mal ein links-populistischer Held ist. Aber man muss einräumen: So richtig packend wird „Das Spiel der Macht“ nie. Dabei waren die Voraussetzungen günstig. Als Vorlage diente ein Roman, für den Robert Penn Warren 1947 den Pulitzer-Preis gewann. Die Geschichte orientiert sich an den Ereignissen um Huey P. Long, der Ende der zwanziger Jahre Gouverneur von Louisiana wurde. Adaptiert hat den Roman der erfahrene Drehbuch-Autor Steven Zaillian, der für das Buch zu „Schindlers Liste“ einen Oscar bekam. Auch die Besetzung lässt keine Wünsche offen. Allen voran Sean Penn, einer der politischsten Schauspieler Hollywoods und Bush-Gegner, der der ideale Volkstribun zu sein scheint.

Bei so vielen Punkten auf der Habenseite kann doch eigentlich nichts schief gehen. Aber das ist ein Irrtum. Vielleicht hat das mit der moralischen Frage im Zentrum des Films zu tun. Es gehe „um Mittel und Zweck, ob Gutes, das aus Bösem entsteht, überhaupt Gutes sein kann“, sagt Zaillian. Sein Film erweckt den Eindruck, dass er sich auf genau diesem Abstraktionsniveau bewegt und keine Geschichte von Menschen aus Fleisch und Blut erzählt. Die Hauptfiguren verbringen einen Gutteil der Filmzeit damit, über Recht und Unrecht zu philosophieren. Konflikte werden zerredet statt sie in Szene zu setzen. Zwar gibt Penn überzeugend den dröhnenden Demagogen, der die Armen auffordert, „die Parasiten ans Kreuz zu nageln“. Aber das Problem der Armut kommt allenfalls schemenhaft ins Bild. Man kann da schon mal an Ken Loach denken. Der weiß, wie man den Dreck und das Elend zeigt, und zwar so, dass es den Zuschauer packt.

Ein anderes Beispiel: Der Journalist Jack Burden wird zum Trinker, weil er die verrotteten Verhältnisse in der weißen Oberschicht, aus der er stammt, nicht mehr erträgt. Gut möglich, aber man würde sie gern mal sehen, die verrotteten Verhältnisse. Dass sich das Geschehen in Louisiana zuträgt, ist ebenfalls mehr eine Behauptung. Von den Gegebenheiten dort, die den Aufstieg eines radikalen Populisten ermöglichten, ist kaum etwas zu sehen. Der soziale und zeitliche Kontext bleibt seltsam blass, die Debatten der mächtigen Herren hängen in der Luft. Erschwerend kommt hinzu, dass die Figur des Gouverneurs alles dominiert. Der Charakter des Journalisten ist von passiver Larmoyanz geprägt, die weibliche Hauptfigur (Kate Winslet als Burdens Jugendliebe Anne) wird zu spät und etwas verunglückt in die Geschichte einbezogen und Starks Gegenspieler Irwin bekommt schlicht zu wenig Auftritte. So schaut man etwas distanziert zu, wie der Volkstribun armrudernd dem Untergang zutreibt.

Volker Mazassek   

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Willie Stark (Sean Penn) hat seine Politkarriere schon fast an den Nagel gehängt. Allzu angewidert ist er von der alltäglichen Korruption gegen die er nichts auszurichten vermag. Doch günstige Umstände und die Interessen einiger Geschäftsleute verhelfen ihm zum Gouverneursposten, der seine ganz eigenen Versuchungen mit sich bringt. Doch Starks Verführung durch die Macht ist nicht das Zentrum von Steve Zaillians Film. Das bildet der von Jude Law gespielte Journalist Jack Burden, der früh beginnt Stark journalistisch zu begleiten und bald in dessen persönliche Dienste tritt. Burden ist fasziniert und abgestoßen von Stark, dessen Methoden er nur langsam durchschaut. Und auch der Zuschauer bleibt über die wahren Ausmaße von Starks Manipulation und seiner Korruption weitestgehend im Dunkeln. Ähnliches lässt sich über die meisten der Figuren sagen, was möglicherweise zum großen Misserfolg des Films in Amerika beigetragen hat. Auf dem schmalen Grad zwischen allzu deutlichen Hinweisen und zu großer Neigung, subtilsten Andeutungen zu Vertrauen, gerät der Film oft in Gefilde, die die Bezüge zwischen den Figuren unklar erscheinen lassen. Und Zaillian entwirft ein ganzes Netz von Vertrauensbrüchen, Manipulationen und verdrängten Ereignissen, die die Grundthematik auf vielfältige Weise spiegeln. Burden etwa trauert noch immer seiner Jugendliebe Anne (Kate Winslet) nach, deren Bruder Adam (Mark Ruffalo), ein idealistischer Arzt von Stark benutzt wird. Und dann ist da noch Burdens Ersatzvater, der pensionierte Richter Irwin (Anthony Hopkins), der sich gegen Stark stellt, aber selbst dunkle Geheimnisse verbirgt.

Viel schwerwiegender als die Tendenz des Films, die Figurenkonstellationen und die Motivation ihres Handelns etwas unklar zu zeigen, ist jedoch die Tendenz die moralischen Werte, die vermittelt werden sollen, viel zu dick aufzutragen. Das fängt bei James Horners wie immer bombastischer Musik an, die immer dann zu noch höheren Höhen anschwillt, wenn sich ein besonders bewegender Moment anbahnt und hört bei Jack Burdens pathetischem Voice Over-Kommentar nicht auf. Statt zu versuchen subtil vorzugehen wird kein stilistisches Mittel ausgespart, auf das ja niemand die angestrebte Bedeutung des Films verpasst. Das ist umso bedauerlicher, als die Thematik von zeitloser Relevanz ist. Zwar basiert die Romanvorlage auf dem in den 40er Jahren berüchtigtem Südstaatenpolitiker Huey Long, dessen politische Karriere von Erpressung und Korruption geprägt war, von seiner Aktualität hat das Thema aber nichts verloren. Doch Das Spiel der Macht gibt sich nicht mit einer einseitigen Anschuldigung zufrieden, sondern versucht zu zeigen, wie sehr Korruption und Verführbarkeit in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden sind. Ein inhaltlich überaus ehrenwerter Film, der letztlich aber seinen eigenen hehren Ansprüchen nicht wirklich zu genügen weiß.

 

Michael Meyns