Prestige – Die Meister der Magie

Vielleicht sind Filmregisseure die Magier unserer Zeit. Christopher Nolans historischer Thriller, der von einem Wettstreit zweier rivalisierender Illusionisten erzählt, legt jedenfalls eine solche Analogie nahe. Nach seinen von Kritik wie Publikum gefeierten Arbeiten Memento und Batman Begins, gelingt ihm mit Prestige – Die Meister der Magie ein weiteres Meisterstück. Beängstigend, mit welcher Leichtigkeit und Raffinesse Nolan sein Publikum immer wieder in die Irre führt. Die Tagline „Are You Watching Closely?“ weist den Weg.

Webseite: www.prestige-derfilm.de

OT: The Prestige
USA 2006
Regie: Christopher Nolan
Buch: Christopher & Jonathan Nolan
Kamera: Wally Pfister
Musik: David Julyan
Darsteller: Christian Bale, Hugh Jackman, Michael Caine, Piper Perabo, Scarlett Johansson, David Bowie
Kinostart: 11.1.2007
Verleih: Warner

PRESSESTIMMEN:

Kaum ein Regisseur versteht es, den Zuschauer so gekonnt an der Nase herumzuführen wie Christopher Nolan. Sein neuer Film "The Prestige – Die Meister der Magie" ist eine bildgewaltige Parabel über das Wesen der Illusion und entlarvt die größte Illusionsmaschine von allen: das Kino selbst.
Der Spiegel

 

FILMKRITIK:

London, zur Zeiten Königin Viktorias. Die Menschen begeistern sich für Zauberei, für Magie und die Shows des talentierten Unterhaltungskünstlers Robert Angier (Hugh Jackman). Doch dieser hat einen erbitterten Konkurrenten, den Illusionisten Alfred Bordon (Christian Bale), der seine genialen Einfälle und Tricks mitunter jedoch unter Wert verkauft. Während Angier das Charisma eines Showstars besitzt, steht Bordon zunächst in dessen Schatten. Das ändert sich jedoch, als er einen spektakulären Trick aufführt, der die Menschen in Staunen versetzt. Fortan gibt es für Angier nur noch ein Ziel: Er will, dass Bordon ihm das Geheimnis der Nummer verrät. Zu diesem Zweck instrumentalisiert er sogar seine Partnerin Olivia (Scarlett Johansson), die Bordons Vertrauen gewinnen soll. Auch nimmt er eine beschwerliche Reise in die USA in Kauf, wo der exzentrische Wissenschaftler Nikola Tesla (dargestellt von Musik-Ikone David Bowie) – die einzige historische Figur der Geschichte – zurückgezogen an spektakulären Erfindungen forscht. Er erklärt sich bereit, für Angiers Show eine neuartige Maschine zu entwickeln, die alle anderen Zaubertricks weit in den Schatten stellen soll.

 

Wie für einen Film des Briten Christopher Nolan beinahe üblich, werden die Ereignisse in einer nicht-chronologischen Reihenfolge präsentiert. Das gemeinsam mit seinem Bruder verfasste Drehbuch sieht diverse Zeitsprünge vor, die auf diese Weise mehrere Handlungsstränge miteinander verbinden. Die Hauptlinie – sozusagen der „rote Faden“ – erklärt, wie es ausgelöst durch einen tragischen Unfall zu dieser feindseligen, obsessiven Rivalität zwischen den Männern kommen konnte, wie sich die Aversionen peu á peu steigerten. Die anderen beiden Episoden schildern Angiers Besuch bei Tesla und den Gefängnisaufenthalt nach Bordons Verurteilung für einen angeblichen Mord an seinem Gegenspieler. Dabei verzichtet Nolan darauf, den so filettierten Plot unnötig zu verkomplizieren. Im Unterschied zu seinem Spielfilmdebüt Following fällt die Orientierung nicht weiter schwer.

Würde das Etikett „Historienfilm“ nicht mit Assoziationen an müde Kostümschinken oder gediegene Jane Austen-Adaptionen in die Irre führen, müsste man Prestige wohl als solchen bezeichnen. Vor der Kulisse Londons zur Jahrhundertwende erschafft Nolan ein fesselndes Period Piece, das unterschiedliche Genres, Stimmungen und Einflüsse vereint. So wechseln sich Thriller-Elemente mit ironischen Kommentaren zum gesamten Showbiz ab, die Chronik einer gescheiterten Beziehung vermischt sich mit dem märchenhaften Flair alter Varietés. Scheinbar mühelos legt er die Köder aus, an denen wir uns schlussendlich verschlucken sollen. Natürlich ahnen wir, dass ein Film, der von Täuschungen und Illusionen handelt und dessen Regisseur noch dazu Christopher Nolan heißt, nicht nur einen sondern gleich mehrere doppelte Böden besitzt. Dieses Vorwissen schützt einen jedoch keineswegs davor, zum Ende hin erstaunt, gebannt und ungläubig die Leinwand anzustarren.

Ohne vom Fortgang der Geschichte zuviel preis zu geben, kann gesagt werden, dass der Film einen Verlauf nimmt, der weg von einem zumindest vordergründig realistischen Plot hin zu den Mysterien und Legenden rund um Nicola Teslas Arbeiten führt. Inwieweit der Zuschauer bereit ist, diese Geschehnisse, die innerhalb des Prestige-Universums konsistent eingebaut wurden, zu akzeptieren, entscheidet maßgeblich darüber, ob man das Kino mit leichten Vorbehalten verlässt oder restlos begeistert ist. Doch wie heißt es über den Aufbau eines jeden guten Zaubertricks? Ohne „das Prestige“, den dritten Akt, in dem das Publikum etwas Schockierendes gezeigt bekommt, was es noch nie zuvor gesehen hat, ist der Trick unvollständig. Was für die Magier auf der Bühne gilt, sollte auch einem Film-Regisseur zugestanden werden.

Marcus Wessel