Standesbeamtin, Die

Romantische Komödien aus den USA, die um das Thema Heirat kreisen, kennen wir zu genüge, von „Wedding Planner“ bis „Die Hochzeit meines besten Freundes“. „Die Standesbeamtin“, der zweite Film des jungen Regisseurs Micha Lewinsky, liefert nun eine sympathische Variante aus der Schweiz, die ihren Charme vor allem aus dem natürlichen Spiel der Newcomerin Marie Leuenberger bezieht.

Webseite: www.die-standesbeamtin.ch

Schweiz 2009
Regie: Micha Lewinsky
Drehbuch: Micha Lewinsky und Jann Preuss
Darsteller: Marie Leuenberger, Dominique Jann, Oriana Schrage, Beat Schlatter, Beat Marti, Herbert Leiser, Jennifer Mulinde- Schmid
Verleih: schwarzweiss-Filmverleih
90 Minuten
Kinostart: 29. Oktober 2009
 

PRESSESTIMMEN:

Eine Liebeskomödie voller running Gags, lebensechten Nebenfiguren und liebevollen Seitenhieben auf die Schweizer Eigenarten.
Variety

Eine sehr gut gemachte romantische Komödie.
Basler Zeitung

Ein kleiner feiner Film mit viel Witz und Charme.
Cinema Schweiz

Sympathische Komödie … die Hauptdarstellerin Marie Leuenberger verdient für ihr charmantes Kinodebüt ein großes Publikum.
Berner Zeitung

Eine romantische Komödie, … die uns charmant, aufrichtig und ohne falsches Pathos auf einem mit realen Fäden gewebten Teppich schweben lässt.
Neue Zürcher Zeitung

FILMKRITIK:

Die Standesbeamtin Rahel verrichtet in einem schmucken Schweizer Städtchen ihren Job mit zunehmenden Widerwillen. In gleichem Maße, wie ihre Ehe den Bach runtergeht, hat die junge Mutter den Eindruck, den vor ihr stehenden verliebten Pärchen mit diesem behördlichen Akt keinen Gefallen zu tun. Wird es ihnen nicht bald genauso ergehen wie ihr selbst? Das Leben bewegt sich ereignislos zwischen Job, Haushalt und Kindererziehung, der Ehemann, ein Banker, kommt immer später nach Hause und der Traum von der großen Liebe ist längst verflogen. Doch als sie eines Tages einem alten Jugendfreund nach Jahren wieder in die Arme läuft, wird sie plötzlich aus ihrer Unzufriedenheit und Lethargie gerissen. Denn mit Ben spielte sie damals nicht nur in der gemeinsamen Band „Die Raben“, sondern war auch heimlich in ihn verliebt. Man kommt miteinander ins Gespräch, erinnert sich der alten Tage und ist sich immer noch sympathisch.

Doch der ersten vielversprechenden Begegnung, die für Rahel mit Herzklopfen endet, folgt bald der Schock: Ben, der im Gegensatz zu Rahel tatsächlich erfolgreicher Musiker geworden ist, steht nicht nur kurz vor Veröffentlichung seines neuen Albums, sondern auch kurz vor der Hochzeit mit dem Fernseh-Starlet Tinka. Die beiden sind auf der Suche nach einer geeigneten Location für ihren großen Tag und die romantische Schweizer Bergwelt scheint hierfür wie geschaffen. Das findet nicht nur Tinka, sondern auch Rahels Chef, der von der geplanten Promi-Hochzeit mit Rahel als Standesbeamtin begeistert ist. Doch da hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Der Schwarz-Weiß-Filmverleih hat sich entschieden, den Film nicht zu synchronisieren, sondern das für unsere Ohren liebenswert-skurille Schwyzerdütsch lediglich zu untertiteln – eine richtige Entscheidung, denn der Charme dieser sympathischen Komödie basiert sicher zu einem großen Teil auf der landestypischen Sprache, in die man sich schnell eingehört hat und bald schon ohne Untertitel auskommt. Ein weiteres Plus ist die nicht minder sympathische Hauptdarstellerin, die hier nach erfolgreichen Theaterrollen und verschiedenen Auftritten in Kurzfilmen in ihrer ersten Hauptrolle in einem Langfilm reüssiert. Ein weiteres Schmankerl ist die flotte Musik, die authentisch in die Handlung integriert wird.

Insgesamt ein Feel-good-Movie mit witzigen Pointen und guten Dialogen, das mit Frische und Natürlichkeit punktet und vor allem durch die schauspielerische Leistung seiner Hauptdarstellerin zu überzeugen weiß.

Anne Wotschke

Eine romantische Komödie aus der Schweiz, angesiedelt in einem beschaulichen Dorf, in dem sich eine Dreiecksbeziehung zwischen der Standesbeamtin Rahel, dem Musiker Ben und dessen Verlobter Tinka entwickelt. Micha Lewinskys Film hat zwar sympathische Figuren, bewegt sich inhaltlich allerdings auf Fernsehfilm-Niveau.

Rahel Hubli (Marie Leuenberger) arbeitet im Rathaus einer kleinen schweizer Gemeinde. Zu ihren Pflichten zählt die Arbeit als Standesbeamtin, die sie nur noch widerwillig erledigt. Ihre eigene Ehe mit dem Grafiker Thomas ist immer unbefriedigender, das Versprechen einer Glücksbringenden Ehe hat sich für sie nicht erfüllt, und diese Desillusionierung projiziert sie nun auf alle zu trauenden Paare. Da läuft ihr zufällig Ben (Dominique Jann) über den Weg, ein alter Schwarm, mit dem sie einst die Band Raben bildete. Ben hat das Dorf vor Jahren verlassen und lebt nun in Berlin mit der Schauspielerin Tinka (Oriana Schrage) zusammen. Man merkt es natürlich sofort: Dies ist das Paar, das zusammenfinden wird, welche Hindernisse sich ihm auch in den Weg stellen. Und davon gibt es einige denn Ben will Tinka heiraten bzw. sie ihn, denn ganz offensichtlich ist Ben sich seiner Sache nicht sicher. Kein Wunder, gibt der Film sich doch alle Mühe Tinka als oberflächliche Schauspieltussi darzustellen, die in erster Linie an ihre Karriere denkt und kein wirkliches Gespür für die Wünsche Bens hat. Der lässt sich dennoch dazu überreden die lang geplante Hochzeit nun endlich anzugehen und, man ahnt es, Rahel soll sie Trauung vollziehen.

Am Ende kommt selbstverständlich alles ganz anders, allerdings keineswegs unerwartet. Natürlich ist es Daseinszweck einer romantischen Komödie, den glauben an die große, romantische Liebe aufrechtzuerhalten. Natürlich geschieht dies auf die immer mehr oder weniger gleiche Weise, werden die immer ähnlichen Motive und Situation durchgespielt, die man schon zigfach gesehen hat. Die Qualität einer solchen, auf struktureller Ebene vollkommen bekannten Geschichte hängt also von anderen Faktoren ab: Von der Art der Hauptfiguren, der Prägnanz der Nebenfiguren, der Originalität, mit der die bekannten Muster variiert werden. Vor allem an letztem Punkt scheitert Micha Lewinskys Film komplett. Sind seine Hauptfiguren noch leidlich sympathisch (fast schon zu sehr, denn am Ende findet wirklich jede Figur zu ihrer Form der Zufriedenheit), verblassen schon die Nebenfiguren völlig. So drängen sich die Defizite der Handlung noch deutlicher in den Vordergrund. Und die ist leider derart offensichtlich, dass von den ersten Minuten an vollkommen klar ist, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Wenn dann schließlich Ben bzw. das wiedervereinte Duo Raben Lieder singt, die an Deutlichkeit nicht zu übertreffen sind, ist auch dem letzten Zuschauer klar, wogegen sich Ben und Rahel immer weiter sträuben. Das mag das Richtige für einen Mittwochabend in der ARD sein, wenn ohnehin nur mit halber Aufmerksamkeit zugeschaut wird, fürs Kino ist das trotz der sympathischen Figuren und manch witziger Situation einfach viel zu wenig.

Michael Meyns

Rahel Hubli ist in einem schweizerischen Städtchen Standesbeamtin. Sie traut scheinbar Glückliche, sie selbst ist vom Glück schon lange nicht mehr betroffen. Ihr Ehemann Thomas hat längst bei Therese Unterschlupf gefunden. Froh ist sie, dass sie ihren Sohn Flo hat.

Durch Zufall trifft sie Ben, der in seiner Heimatstadt den Vater besucht. Früher waren Rahel und Ben zusammen mit dem Schlagzeuger Mörli ein Trio, machten miteinander Musik, sangen Blues in Schweizer Dialekt, hatten großen Erfolg, waren eng befreundet, wohl sogar ein Paar.

Sowohl bei Ben als auch bei Rahel werden alte Gefühle wach.

Aber Ben ist aus Berlin keineswegs allein gekommen. Er hat das eingebildete Starlet Tinka Panzer dabei. Mit ihr ist er liiert. Und nicht nur das. In Bens Heimatstädtchen soll, ohne den Trubel, den es in der Hauptstadt gegeben hätte, die Hochzeit stattfinden. Und wer soll die beiden trauen? Rahel natürlich.

Nach einigem Zögern willigt sie ein, die gesamten Hochzeitsvorbereitungen zu treffen. Dazu verbringen Rahel und Ben Zeit miteinander, und es tritt ein, was eintreten musste: Die Gefühle von früher werden stärker und stärker.

Immerhin versuchen die zwei noch einmal, den für sie vorgezeichneten Weg doch zu gehen: Rahel mit ihrer Familie, Ben mit seiner Tinka.

Der Tag der Hochzeit bricht an. Rahel muss vor dem Brautpaar eine Rede halten. An der Einführung fehlt nichts. Doch was geschieht dann? Rahels Worte werden ein zwar verschlüsseltes, aber doch flammendes Bekenntnis ihrer Liebe zu Ben. Wütend rennt die Braut davon.

Romantisch, vorhersehbar, sentimental, ein wenig kitschig – man könnte diesen Film kommentierend alles einwenden, und alles wäre nicht ganz falsch. Aber, aber, aber: Das alles ist so flott, so folgerichtig, so entzückend gestaltet, dass man seine Freude daran hat. Eine Komödie ohne besondere Tiefe, jedoch mit Niveau. Niemand, der sich das anschaut, dürfte es bereuen.

Großes Verdienst daran kommt Marie Leuenberger zu, die die Rahel spielt. Keine große Theatralik vorführen, aber liebenswert und anziehend wirken. So ist sie, und so ist das Ganze. Eine Auszeichnung hat es dafür bereits gegeben. Auch Dominik Jann als Ben, Jennifer Mulinde-Schmid als Rahes Kollegin Judith und Beat Schlatter als ihr Chef Morger sind fabelhaft. Oriana Schrage als Tinka übertreibt dagegen ab und zu ein bisschen.

Thomas Engel