Sternbrücke Forever

Viele Brücken in Deutschland sind marode, regelmäßige Nutzer der Deutschen Bahn können ein Lied davon singen. Auch die legendäre Sternbrücke in Hamburg gehörte zu den maroden Bauwerken, doch von ihrer Erneuerung war ein ganzes Szenequartier betroffen, dessen Menschen Christian Hornung in seiner Langzeitbeobachtung „Sternbrücke Forever“ mit Sympathie und Nostalgie porträtiert.

 

Über den Film

Originaltitel

Sternbrücke Forever

Deutscher Titel

Sternbrücke Forever

Produktionsland

DEU

Filmdauer

98 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Christian Hornung

Verleih

jip film & verleih gbr

Starttermin

08.10.2026

 

Als die erste Sternbrücke Ende des 19. Jahrhunderts als Eisenbahnverbindung zwischen dem Hamburger Hauptbahnhof und dem Bahnhof im Stadtteil Altona gebaut wurde war dieser westliche Stadtteil der Metropole fast noch ländlich. Doch Hamburg wuchs rasant, der Verkehr nahm stetig zu und schon Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde eine neue, die zweite Sternbrücke errichtet.

Über 1000 Züge fahren inzwischen täglich über die Brücke, während unter ihr täglich über 40.000 Autos kreuzen. Viel los also, dementsprechend viel Lärm und Dreck, was die Gegend um die Brücke nicht unbedingt zu einer 1A Lage werden ließ.

Genau das ermöglichte jedoch die Entwicklung einer jener subkulturellen Nischen, wie sie in Großstädten entstehen, die die Attraktivität einer Stadt ausmachen – und um deren Verdrängung besonders laut getrauert wird.

Genau darum geht es in „Sternbrücke Forever“, einem Dokumentarfilm des seit langem in Hamburg lebenden Regisseurs Christian Hornung, der selbst unweit der Brücke ein Büro hatte, somit praktisch täglich an der Brücke vorbeikam. Da lag es nahe, einen Film über den Umbau der Brücke zu drehen, wobei jedoch weniger die Städtebaulichen Aspekte im Mittelpunkt stehen, als die Menschen, die dort leben und arbeiten.

Stefan etwa, der als Automechaniker in der Werkstatt Butzek arbeitet, die ganz offensichtlich schon bessere Tage gesehen hat. Das lässt sich allerdings über die gesamte Gegend sagen, der Verfall ist nicht zu übersehen, bei starkem Regen tropft es in Gebäude, die Fassaden wirken so, als wären sie seit dem Krieg nicht renoviert worden, der Dreck häuft sich.

Was auch damit zu tun hat, dass die Betreiber von Geschäften und Clubs seit vielen Jahren praktisch auf Abruf leben, sich von einem kurzfristigen Mitvertrag zum nächsten hangeln, denn wie das in Deutschland so ist: Es dauert. Schon seit etwa 2005 plante die Bahn einen Neubau der Brücke, Pläne wurden geschmiedet und verworfen, schließlich entschied man sich für eine mächtige Bogenkonstruktion. Diese hatte zwar den Vorteil, dass keine Pfeiler mehr nötig waren, so das mit der Verengung der Fahrbahn auch ein Unfallschwerpunkt wegfiel, aber den Nachteil, dass ihrer Größe viele umstehende Gebäude und Bäume weichen mussten.

Bürgerinitiativen formten sich, die den Umbau verhindern oder zumindest in verträglichere Richtung lenken wollten, Prozesse wurden geführt und verloren, bis schließlich diesen Sommer die neue, die dritte Sternbrücke in einer spektakulären Aktion errichtet werden konnte.

Mit der Folge, dass berühmte Underground-Clubs und Kultureinrichtungen wie das Fundbuero, die, Bar 227, das Künstlerhaus Faktor oder die Astrastube schließen mussten. Auch den Kiosk, in dem Martina seit Jahren gearbeitet hat, gibt es nicht mehr, Kippen und Bier woanders zu bekommen ist zwar nicht das Problem, doch für viele der Anwohner war dieser Ort auch ein wichtiger Treffpunkt. Man kannte sich, hielt mal einen Plausch, bildete ein soziales Gefüge, das nun verschwunden ist.

Viel Bedauern über die Veränderungen schwingt in Christian Hornungs Film mit, nur wenige Stimmen sind zu hören, die die Brücke als hässlich bezeichnen, die sagen, dass sie froh sind, wenn die Brücke weg ist, dann würden sich die Menschen eben über etwas anderes aufregen. Ein Vertreter der Bahn kommt leider nicht zu Wort, eine Diskussion über die Notwendigkeit der Brückensanierung will Hornung nicht führen, was „Forever Sternbrücke“ am Ende etwas einseitig wirken lässt.

 

Michael Meyns

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