Sunny Dancer

Für die Figuren in „Sunny Dancer“ ist es nicht nur so, dass sie krank sind oder Angst haben, dass der Krebs zurückkommt, sondern auch so, dass sie nicht mehr normal behandelt werden. Die einen haben den Kontakt abgebrochen, als könnte man sich bei ihnen anstecken, die anderen triefen vor Betroffenheit. Normalität gibt es für diese Kids nur noch an einem Ort – und dabei will die von Bella Ramsay gespielte Liv dort gar nicht hin. 

 

Über den Film

Originaltitel

Sunny Dancer

Deutscher Titel

Sunny Dancer

Produktionsland

GB

Filmdauer

106 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Ken Petrie, George Jaques

Regisseur

George Jaques

Verleih

capelight pictures OHG

Starttermin

13.08.2026

 

Liv befindet sich seit zehn Monaten in Remission, hat sich vom Leben jedoch abgeschottet. Darum melden ihre Eltern sie für vier Wochen im Children-Run-Free-Camp an, in dem Patrick krebskranken Kindern und Jugendlichen wieder das Gefühl geben will, am Leben teilzuhaben. Liv ist unwillig, macht es aber ihren Eltern zuliebe. Erst zeigt sie sich unnahbar, dann freundet sie sich mit ihrer Zimmergenossin Ella und all den anderen aber an und erlebt sogar die erste Liebe. Aber in einem Camp wie diesem ist niemandem eine Zukunft wirklich versprochen.

 

„Sunny Dancer“ wurde in Schottland gedreht. Die Landschaft, vor allem aber auch die ewigen Wolken, die kaum ein Sonnenstrahl je durchdringt, zeigen das sehr schön. Das Raue ist ein guter Hintergrund für die Geschichte, die mit ihrer tragischen Coming-of-Age-Story durchaus auch an „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ erinnert – die Romanverfilmung wird sogar erwähnt. Aber der Film geht in eine andere Richtung, zeigt, wie ein Mädchen, das unbändige Wut auf die Welt hat, wieder zu sich findet. Das ist eine starke Rolle für Ramsay, aber auch das übrige Ensemble ist überzeugend. Ruby Stokes spielt Ella, die neue beste Freundin von Ramsay, die auch schon mit dem Tod gerechnet hat, jetzt aber zumindest die Stützräder loswerden will (soll heißen: Sie will mit 18 nicht mehr Jungfrau sein). Die Figuren haben alle ihre kleinen Macken und Eigenheiten, sie wirken darum natürlich und authentisch.

 

Überraschend ist die Anwesenheit von Neil Patrick Harris in diesem kleinen britischen Film. Er ist Campleiter Patrick, der nicht nur Cringe-Potenzial besitzt, sondern auch in einer besonders emotionalen Szene glänzt. Überhaupt ist „Sunny Dancer“ stark in der Emotionalisierung seiner Geschichte, er schafft es, die Figuren – und damit auch ihr Schicksal – dem Publikum vertraut zu machen, sodass das Ende deutlich mehr Wirkung zeigt. Allerdings muss man auch sagen, dass der Mini-Twist ganz am Ende des Guten ein bisschen zu viel ist. Er wirkt übertrieben, hier wird die zuvor so schön etablierte Authentizität etwas aus den Angeln gehoben.

 

Für einen Film wie diesen ist übrigens ungewöhnlich, dass es sich empfiehlt, den Nachspann in Gänze anzusehen. Denn danach gibt es noch eine nicht relevante, aber doch recht komische Szene. Weil aller Tragik zum Trotz das Leben auch immer komisch sein kann und ist. Das zeigt „Sunny Dancer“, in dem es häufig auch um Inspiration geht. Die Kids machen sich drüber lustig, dem Film selbst steht das Prädikat „inspirierend“ aber durchaus gut. 

 

Peter Osteried

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.