Sunshine on Leith

Basierend auf dem gleichnamigen Bühnenmusical erzählt „Sunshine on Leith“ drei miteinander verknüpfte Liebesgeschichten, die um dreizehn Songs von The Proclaimers angeordnet sind. Die gefühlsbetonte Handlung vermag als Kinoversion nur bedingt zu fesseln, aber mit einer ordentlichen Portion schottischen Lokalkolorits versprüht „Sunshine on Leith“ durchaus gute Laune.

Webseite: www.senator.de

Großbritannien 2013
Regie: Dexter Fletcher
Drehbuch: Stephen Greenhorn
Darsteller: Peter Mullen, Jane Horrocks, George MacKay, Antonia Thomas, Freya Mavor, Kevin Guthrie
Länge: 100 Minuten
Filmverleih: Senator Film
Kinostart: neu 3. Juli 2014

FILMKRITIK:

Knappe sieben Jahre nach der erfolgreichen Bühnenpremiere schafft das schottische Musical „Sunshine on Leith“ den Sprung auf die internationale Kinoleinwand und bleibt dabei sich selbst treu. Auch in der Filmversion steht die Musik von The Proclaimers klar im Zentrum. Die dreizehn ausgewählten Songs sind so geschickt in die Handlung verwoben, dass zunächst der Eindruck entsteht, sie seien gezielt für dieses Musical geschrieben worden. Mit dem Fortschreiten der Handlung jedoch wird immer deutlicher, dass das Gegenteil der Fall ist. Zu offensichtlich ist nun der Versuch, eine zu den Liedtexten passende Geschichte zu konstruieren.

Davy (George Mackay) und Ally (Kevin Guthrie) kehren nach ihrem Kriegseinsatz unversehrt nach Hause zurück. Alles scheint perfekt: Ally schließt seine Freundin Liz (Freya Mavor) in die Arme und Davy macht nur kurze Zeit später die Bekanntschaft von Yvonne (Antonia Thomas), in die er sich Hals über Kopf verliebt, obwohl sie Engländerin ist. Währenddessen planen Davys Eltern (Peter Mullas, Jane Horrocks) eine Feier zu ihrem 25. Hochzeitstag. Doch das Leben stellt jedes Paar auf die Probe und nicht alle Beziehungen sind den neuen Herausforderungen gewachsen.

Die Handlung von „Sunshine on Leith“ kreist um die Begriffe „Liebe“ und „Heimat“. Neben den Beziehungen spielt das Setting in Leith, einem Stadtteil von Edinburgh, eine entscheidende Rolle. Liz zieht es in die Ferne und nicht alle Mitglieder ihres sozialen Umfelds können nachvollziehen, dass die junge Frau ihre schottische Heimat verlassen möchte. Zwischen Davy und Yvonne wiederum kommt es zum Streit, weil ersterer nicht bereit ist, über seinen lokalpatriotischen Schatten zu springen und Yvonnes Eltern in England zu besuchen. Diese kleinen Beziehungsdramen entwickeln sich nur selten aus den Charakteren selbst, wirken recht konstruiert und können infolgedessen das Kinopublikum nur bedingt rühren. Was auf der Musicalbühne funktioniert, ist für die Kinoleinwand hier theatralisch.

Auch gelingt es der filmischen Inszenierung in der Regel nicht, Spielfilmhandlung und Gesangsperformances zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden. Während in der Eingangsszene noch Umweltgeräusche und Musik auf überzeugende Weise miteinander verwoben werden, bleiben die Gesangseinlagen im weiteren Verlauf des Films häufig Fremdkörper. Die Übergänge von gesprochenem zu gesungenem Text sind in der Regel nicht fließend, sondern abrupt.

Den musikalischen Höhepunkt hebt sich „Sunshine on Leith“ für das gelungene Finale auf. Hier ist der Film dem Musical-Genre am nächsten, auch wenn die präsentierte Tanzeinlage eher an einen gut gelaunten Flashmob als an eine ausgefeilte Choreographie erinnert. Insgesamt fehlt es „Sunshine on Leith“ an ironischer Distanz zu sich selbst. Der Film nimmt sich trotz der seichten Handlung selbst zu ernst und beraubt sich somit des komödiantischen Potentials, das durch Nebendarsteller wie Jason Flemyng augenscheinlich vorhanden ist.

„Sunshine on Leith“ ist mehr als ein Film mit Musik. Schauspiel und Handlungsverlauf sind in der Tendenz eher theatral als lebensnah. Musik und Gesang wiederum bilden integrale Bestandteile des Konzepts und viele der Songs gehen tatsächlich ins Ohr. Im Gegensatz zu ähnlich konzipierten Filmen wie „Across the Universe“ oder „Mamma Mia“ jedoch entwickelt „Sunshine on Leith“ zu wenig filmische Qualitäten für die große Leinwand und bleibt eine – zugegebener Maßen aufrichtige – Musicaladaption.

Sophie Charlotte Rieger