Teufel trägt Prada, Der

Mit der gestylten Adaption des Romans von Lauren Weisberger „The Devil Wears Prada“, in dem sie ihre leidlichen Erfahrungen als Praktikantin bei der gefürchteten Vogue-Chefin Anna Wintour beschreibt, nimmt David Frankel, der sich in zwei Episoden von „Sex in the City“ in feminine Machtwelten wagte, die Mode-Branche in nonchalenter Art und Weise aufs Korn. Für die begnadete Brecht-Bühneninterpretin und dreizehnfach oscarnominierte und Oscar-gewinnerin Meryl Streep als obercoole Drachenlady mit unheilbar gesundem Gespür für Mode und Moneten sowie Anne Hathaway als kaschierte Mauerblümchen-Schönheit eine amüsante Besetzung für die sinnige Parodie auf die Exaltiertheit und Scheinheiligkeit der Emporio- und Dolce Gabana-Welten ohne größeren Tiefsinn.

Webseite: www.prada-film.de

The Devil Wears Prada
USA 2006
Regie: David Frankel
Darsteller. Meryl Streep, Annehathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci
Länge. 109 Min.
Verleih: Twentieth Century Fox
Kinostart: 12.10.2006

PRESSESTIMMEN:

"Der Teufel trägt Prada" – und die Züge von Meryl Streep. In der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers glänzt die Schauspielerin als eiskalte, herablassende Chefin eines Mode-Magazins.
Mit ihrer Darstellung der eisigen, egomanischen Chefredakteurin einer Modezeitschrift steuert Meryl Streep zielgenau auf ihren nächsten Oscar zu.
Brigitte

Meryl Streep in komischer Spitzenform, eine scharfe und überraschend witzige Komödie..
Los Angeles Times

Auf ganzer Linie überzeugend. OSCAR-Preisträgerin Meryl Streep gibt gekonnt den berechnenden Drachen im Prada-Gewand, ohne den Bogen dabei jedoch zu überspannen. Als Gegenpart glänz eine bezaubernde Anne Hathaway in einer Art, die einen unweigerlich an Audrey Hepburn denken lässt. In den Nebenrollen überzeugen Stanley Tucci (genial wie immer) und Emily Blunt.
Moviesection

FILMKRITIK:

Der Plot und die Story sind so durchsichtig wie ein Seidennegligé über dem Minirock: Wer hat Angst vor Miranda Priestley?

Alle, denn die Fashion-Queen (Meryl Streep) hat beim führenden US-Modemagazin „Runway alle Fäden in der Hand. Dies bekommt auch das landeiige Mauerblümchen Andrea Sachs (Anne Hathaway) zu spüren. Sie träumt von der Karriere als Journalistin in New York. In der Tat gelingt es ihr, den vermeintlichen Einstieg ins Edel-El Dorado zu ergattern. Andrea wird von der glamourösen Modezeitschrift "Runway“ als persönliche Assistentin der Herausgeberin (Miranda Priestly)  engagiert.

Der Job entpuppt sich indes rasch als horribles Unterfangen im Luxus-Ambiente, denn Madame Priestly macht Andrea mit ihren unberechenbaren Launen, bigotten Aufträgen und unerfüllbaren Erwartungen das bescheidene Dasein zur diabolischen Existenzfrage schlechthin. Bis sich das zerbrechende Seelchen auf eigenen Mut besinnt, sind noch einige Querelen zu überstehen…

Im amerikanischen Erzählwestern zog einstens John Wayne beide Colts, androgyne Ikone wie Jet Li setzten sich mit gezielter asiatischer Akrobatik durch, der Vogue-Stalinistin Miranda Priestley reicht der Telefonhörer, um Panik, Paranoia, Angst und schrecken zu streuen. Sie ist konsistenter als ein Eisbärfell-Mantel. Darauf basiert grundsätzlich die Stärke dieser oberflächlichen amerikanischen Modeanalyse. Wer schöne Frauen und Designer-Klamotten mag, ist bestens aufgehoben, genauso wie Lifestyle-Chefredakteure, Mode-Messis und Streep-Freaks. Wer aber Adler- oder Tschibo-Klamotten mit Mode verwechselt, sollte sich das Eintrittsgeld sparen.

Mit biographischer Realität spart ebenso der Film, denn Meryl Streep „würdigt“ die tatsächliche Priestley mit verharmlosendem, augenzwinkernderm Anti-Charme, dekolletiert mit Klisches: so ist beispielsweise der Hausdesigner Nigel (Stanley Tucci) natürlich so homophil warm, dass er seine Kollektion selbst mit der flachen Hand bügeln könnte. Die Realiät offenbart eher Gegenteiliges: Priestly hatte verdeutlicht, daß die im Film agierenden Designer niemals wieder in „Vogue“ erwähnt würden.

Die Insider wissen durchaus, welche XXL-Macht diese Mode-Megäre ausübt. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten steht die eiserne Lady mit ihrem unfehlbaren Sinn für Stil und Ästhetik schon an der Spitze des Magazins. Kein großes Modehaus kann es sich auch heuer nicht leisten, die jüngste Kollektion vorzustellen, ohne sie vorher zu kontaktieren. Sie war es, die als eine der Ersten etwas günstige Mode mit exklusiven Stücken drapierte. Zu ihrem „Vogue“-Debüt ließ sie ein 19-jähriges israelisches Model für das Cover fotografieren, betucht mit einer ausgewaschenen 50-Dollar-Jeans und einem 10 000 Dollar teuren, juwelenbestückten T-Shirt von Christian Lacroix. Sie nahm Prominente aufs Titelbild wie Talkerin Oprah Winfrey – aber natürlich erst, nachdem die gute 20 Pfund abgenommen hatte. Selbst Hillary Clinton musste versprechen, sich von ihrem marineblauen Farbsteckenpferdchen zu trennen. Wenn man bedenkt, dass diese Ex-First-Lady immer wieder im Gespräch um die US-Präsidentschaft auftaucht, Altkanzler Gerhard Schröder gar die Zeit hatte, sich massiv gegen Haarfärbegerüchte einer großen deutschen Boulevardzeitung zu wehren, dann begreifen wir allmählich, dass auch große Weltpolitik in modischen nuancierten Variationen über globale Laufstege modeln könnte, und wir dagegen in Lumpen bewandt verstummt zuschauen dürfen.

Jean Lüdeke