The Beauty of Ballroom

Von den Subkulturen amerikanischer Großstädte schwappte die Ballroom-Szene auch nach Asien über, wo in streng konservativen Gesellschaften Schutzräume entstanden, in denen auch die drei Protagonisten von „The Beauty of Ballroom“ ihrer Leidenschaft nachgehen. Chan Sze-Wei dokumentiert diese Szene in mitreißenden Bildern und gibt Einblicke in eine Welt, die zunehmend Mainstream wird.

 

Über den Film

Originaltitel

The Beauty of Ballroom

Deutscher Titel

The Beauty of Ballroom

Produktionsland

DEU,PHL,SGP

Filmdauer

99 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Chan, Sze-Wei

Verleih

Rise And Shine Cinema UG

Starttermin

24.09.2026

 

Als 1990 der Dokumentarfilm „Paris is Burning“ entstand, war das noch anders, damals waren Mainstream und Subkulturen noch weit voneinander entfernt, ahnten nur die wenigsten der Mehrheitsgesellschaft, welche neuen, ungewöhnlichen Tanzformen von Menschen erdacht wurden, die sich von der Mehrheit ausgeschlossen fühlten.

In Undergroundclubs fanden Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transpersonen und andere Räume, wo sie sich frei bewegen konnten, zumindest für Phasen Schutz vor Übergriffen, auch eine Heimat, ein zu Hause, das ihnen in ihren natürlichen Familien oft verwehrt wurde. Sogenannte Houses entstanden, Ersatzfamilien, die sich zu Tanz-Battles trafen, Wettbewerben, in denen gepost und gevougt wurde, die auf den ersten Blick unterschwellig aggressiv wirken, vor allem aber auch sexy und selbstermächtigend.

Das es am Ende nicht um den Sieg bei einem Tanzwettbewerb geht, sondern um das positive Ausleben einer Identität, wird auch in Chan Sze-Weis „The Beauty of Ballroom“ deutlich, der in loser Struktur drei Menschen aus asiatischen Großstädten folgt, die in der Szene ihrer Heimatländer aktiv sind.

Aus der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur stammt Teddy, mit markanten Tattowierungen auch im Gesicht, der das von Madonna einst für den Mainstream aufbereitete Voguing perfekt beherrscht. In Bangkok in Thailand lebt Aurora Sun Labeija, der erste Thailänder, der auf internationalen Balls tanzte und die Szene in seinem Land mitaufbaute. In seiner Kindheit lebte er als Adoptivkind in Norwegen, nun hat er wieder Kontakt zu seiner leiblichen Mutter, die im ländlichen Thailand lebt und stolz auf ihren Sohn ist.

Und schließlich Xyza Ragunjan aus Manila, auf den Philippinen, auch auch bekannt als Mother Xyza Mizrahi, die zu den einflussreichsten Akteuren der philippinischen Ballroom-Szene zählt. Ihre Positionen und Titel verraten einiges über die internationale Vernetzung der Ballroom-Szene: Sie war International Mother des Iconic House of Mizrahi und Mitglied des Iconic Kiki House of Pinklady.

Das House of Mizrahi stammt aus New York und wurde Anfang der 90er Jahre von Andre Miszrahi gegründet. Ableger finden sich inzwischen in aller Welt, auch in Deutschland. Auch mit Kiki sind internationale Häuser gemeint, die schon im Dokumentarfilm „Paris is Burning“ vorkamen, vor allem aber in „Kiki“, einem zehn Jahre alten Film über die Vogue- und  Drag-Szene.

Zu dieser Reihe gesellt sich nun Chan Sze-Weis „The Beauty of Ballroom“, in dem bisweilen die Mühe zu spüren ist, den komplizierten Aufbau der globalen Ballroom-Szene verständlich werden zu lassen. Etwas lose springt die Handlung immer wieder zwischen den asiatischen Metropolen hin und her, für einen kurzen Moment befindet man sich auch in Norwegen, wo Sun einen Auftritt hat, schließlich auch in New York, wo die Protagonisten auf die Ikonen der Szene treffen und sich der Kreis schließt.

Die lose Struktur des Dokumentarfilms, der dezidiert nicht auf einen bestimmten Wettbewerb zuläuft, mag zwar in Momenten etwas ausfransend wirken, erzählt am Ende jedoch viel über den eigentlichen Wert dieser Szene: Nicht der Wettkampf an sich steht im Mittelpunkt, sondern die Schutzräume, die von den Houses, den Ersatzfamilien kreiert werden und mit ihnen die Möglichkeit, sich auch in der nur bedingt toleranten Gesellschaft so zu geben, wie man ist.

 

Michael Meyns

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