Zwei Paare in einer Wohnung, eine Arbeit, in dessen Verlauf tiefsitzende Animositäten an die Oberfläche kommen. Wie ein typisches Kammerspiel hört sich die Beschreibung von „The Invite“ an, wie ein dichtes Beziehungsdrama, doch Olivia Wildes Remake eines spanischen Films entwickelt sich schnell zu einer boulevardesken Klamotte, die nur in Momenten die intendierte Tiefe erreicht.
Über den Film
Originaltitel
The Invite
Deutscher Titel
The Invite
Produktionsland
USA
Filmdauer
107 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
David Permut, Megan Ellison, Ben Browning
Regisseur
Olivia Wilde
Verleih
Tobis Film GmbH
Starttermin
30.07.2026
Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde) leben in San Francisco in einem ausladenden Appartement, das sie sich eigentlich gar nicht leisten können. Joes Eltern haben dem Paar die Wohnung überlassen, einer der vielen Gründe, weswegen sich Joe wie ein Versager fühlt. Einst hatte er mit einer Indie-Rock-Band einen kleinen Erfolg, doch die Hoffnung auf eine Karriere zerschlug sich schnell. Inzwischen unterrichtet Joe Musik an einer mittelmäßigen Universität und schlägt sich mit schweren Rückenschmerzen herum. Angela studierte einst Kunst, kümmert sich inzwischen jedoch hauptberuflich um die gemeinsame Tochter und die Inneneinrichtung der Wohnung.
Besuch hat das Paar nur selten, eigentlich nie, auch deswegen sind an diesem Abend beide besonders gereizt, laufen die offenbar alltäglichen Animositäten besonders aggressiv ab, denn Besuch steht an: Die Nachbarn von oben haben sich angekündigt, Hawk (Edward Norton), ein ehemaliger Feuerwehrmann, und Pina (Penélope Cruz), eine Sexualpsychologin, die mehr als neugierig auf die Wohnung der Nachbarn sind.
Aber nicht nur das, denn schnell stellt sich heraus, dass die lauten Sexgeräusche von oben, an denen sich besonders Joe stört, einen Grund haben. Hawk und Pina verstehen sich als weltoffene, liberale Swinger, die gerne Orgien veranstalten – und nun Joe und Angela in ihre Spiele einbeziehen wollen. Doch was wie eine aufregende Möglichkeit wirkt, ihr eingeschlafenes Sexleben wieder zum Leben zu erwecken, entwickelt sich schnell zur Katastrophe, die die tiefliegenden Probleme des Paares überdeutlich an die Oberfläche bringen.
„Wir leben nicht zusammen, wir bewohnen nur denselben Käfig“ heißt es in Tennessee Wilimas Drama „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, und ähnliches ließe sich auch über Joe und Angela sagen. So dick trägt Olivia Wilde in den ersten Minuten auf, dass man sich schnell fragt, warum diese beiden Menschen überhaupt noch zusammenleben. Wenn dann das zweite Paar die Bühne betritt wirken sowohl Angela aber besonders Joe wie ausgewechselt, flirten mit dem jeweiligen Gegenüber wirken auf einmal sympathisch und angenehm.
Ein typisches dramatisches Konstrukt also, mit dem die Strukturen einer Beziehung seziert werden sollen, dass hier jedoch mehr als forciert wirkt. Die Vorlage für „The Invite“ bildete der spanische Film „Die Nachbarn Oben“ von Ceas Gay, der sein eigenes Theaterstück adaptierte. Ein erfolgreicher Stoff, der inzwischen unter anderem schon ein italienisches schweizerisches, russisches und südkoreanisches Remake nach sich zog. (Und wenn die jüngere Vergangenheit der deutschen Filmbranche nicht täuscht, dürfte der Stoff auch auf dem Schreibtisch von Sönke Wortmann liegen…)
In der amerikanischen Version variieren nun vier Star-Schauspieler ihre bekannten Rollenmuster: Seth Rogan gibt den betont lässigen Stoner, mit gelegentlichen Selbstzweifeln ob seines leichten Übergewichtes, Olivia Wilde spielt einmal mehr eine Neurotikerin, die sich mit Beruhigungsmitteln selbst behandelt, Edward Norton agiert auf den ersten Blick souverän, doch hinter der Oberfläche zeigen sich schnell Probleme und Penélope Cruz als sehr attraktive, selbstbewusste Psychologin.
In den besten Momenten sorgt das für pointierte Dialoge, für ein bissiges hin und her, das sich deutlich an klassischen Beziehungsdramen wie „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, aber auch dem Woody Allen der 70er Jahre anlehnt. Ganz gelingt es Olivia Wilde allerdings nicht den Ton zu halten, immer wieder artet „The Invite“ in Szenen aus, die eher dem Boulevardtheater entsprungen zu sein scheinen, als dem ernsthaften Drama mit komödiantischen Momenten, dass die Regisseurin offenbar anstrebt.
Michael Meyns







