The Kids are all right

Ein lesbisches Paar mit zwei Kindern: Der Film packt mutig ein Thema an, das in den USA heftig umkämpft ist. Doch er ergreift weder explizit Partei noch meint er es besonders ernst. „The Kids Are All Right“ ist eine reine Familienkomödie, nur mit zwei Mamas anstatt Mama und Papa. Auf alle Fälle ist es Regisseurin Lisa Cholodenko gelungen, das Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaften ins Mainstream-Kino einzuspeisen, wenn auch um den Preis einiger ideologischer Verrenkungen.

Webseite: www.the-kids-are-all-right.de

USA 2010
Regie: Lisa Cholodenko
Buch: Lisa Cholodenko, Stuart Blumberg
Kamera: Igor Jadue-Dillo
Darsteller: Julianne Moore, Annette Bening, Mark Ruffalo, Mia Wasikowska, Josh Hutcherson
Filmlänge: 106 Min., ab 12 Jahre.
Verleih: Universal
Kinostart: 18. November 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der Anfang ist Routine. Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore), das wird sofort klar, sind seit langem ein Paar und bilden mit den Kindern Joni (Mia Wasikowska) und Laser (Josh Hutcherson) ein eingespieltes Team. Die Einstiegsbilder des gut geölten Familienalltags zeigen, was lesbische Eltern sind: eine gesellschaftliche Realität. Wenn auch nur in liberalen urbanen Inseln wie Los Angeles und dessen Vororten, wo Nic und Jules sich ihr hübsches Heim eingerichtet haben. Durch die unterstellte Normalität lässt Cholodenko Rechtfertigungsfragen hinter sich. Fragen, die nebenbei nur ein Einfallstor für Gegner der Homo-Ehe wären, die die Legitimität dieses Lebensmodells ablehnen. Aus der großen Politik hält sich die Regisseurin, die auch das Drehbuch mitverfasst hat, heraus. Es geht ihr allenfalls um Geschlechterpolitik, und das auch nur dezent im Hintergrund.

Vordergründig bekommt man es mit einer durchschnittlichen Familie und ihren kleinen Sorgen zu tun. Nic, die als Ärztin arbeitet und das Gros des Einkommens beschafft, trinkt ein bisschen viel. Jules ist ein bisschen frustriert, weil sie als Landschaftsarchitektin nicht vorwärts kommt. Die 18-jährige Tochter Joni ist ein bisschen zu ernst und ihr 15-jähriger Bruder Laser ein bisschen verwirrt. Das alles ist eingebettet in ein grün angehauchtes Mittelschichten-Milieu. Dynamik kommt ins Familienleben, als die Kinder ihren Vater kennen lernen wollen, der als Samenspender ihren Müttern behilflich war. Die sind zwar nicht begeistert von dieser Idee, können sich aber dem Wunsch nicht verwehren. So tritt Paul (Mark Ruffalo) auf den Plan, Besitzer eines Bio-Restaurants und attraktiver Junggeselle. Die Kinder sind sofort Feuer und Flamme für ihn, vor allem wohl weil Paul das Männliche repräsentiert, das sie aus ihrer Familie nicht kennen. Und auf dem Motorrad mitfahren macht beiden Spaß. Auch Paul entdeckt etwas, das er nicht kennt: stabile Beziehungen, Zusammenhalt, Harmonie. Daran würde er gern teilhaben.

Ein vergnüglicher Anbahnungsprozess spielt sich ab zwischen den misstrauischen Mutter-Glucken, die den Erzeuger ihrer Kinder zunächst nur als „Sperminator“ sehen, und dem Bio-Cowboy, der manchmal etwas unbeholfen („Ich liebe Lesben!“) auftritt. Cholodenko inszeniert mit leichter Hand und scheut auch nicht vor Slapstick zurück, vor allem in den Sexszenen. Da kann das renommierte Schauspieler-Trio sein komödiantisches Können ausspielen. So dominiert der unterhaltende Ton, auch wenn sich im letzten Drittel des Films die Dinge erwartbar dramatisch zuspitzen und die fragile Beziehungsbalance zusammenkracht. Etwas überraschend kommen dann die guten alten amerikanischen Family Values zum Tragen. Vielleicht aus Opportunitätsgründen, vielleicht aber auch, weil lesbische Eltern so normal sind.

Volker Mazassek

Von Nic, Jules, Joni, Laser und Paul handelt dieser Film. Joni und Laser sind die Kinder von Nic und Jules, beide Mütter, lesbisch, im mittleren Alter und seit Jahren miteinander verheiratet. Die „Familie“ funktioniert gut.

Bis Laser eines Tages unbedingt wissen will, wie es denn mit den Vätern aussieht. Joni und Laser machen sich auf die Suche und landen bei Paul. Er war damals der Samenspender, er ist beider Vater.

Nun wird’s kompliziert zumindest für die Mütter. Sie sind ziemlich gegensätzlich: Nic die strengere, Jules die unternehmungslustigere, nach mehreren beruflichen Versuchen nunmehr Landschaftsgärtnerin und auf Paul erheblich mehr zugehend, als Nic lieb ist.

Für die Kinder wird der Vater rasch zum Freund. Wie aber wird das Verhältnis zwischen Jules, Nic und Paul ausgehen?

Eine Patchwork-Familie. Eine, wie sie heute modern zu sein scheint. Denn die traditionelle Ehe mit Familie ist eher am Untergehen.

Was die alltäglichen Situationen betrifft, ist das Drehbuch wirklich ausgezeichnet geschrieben, das Thema allerdings ist noch zu sehr im Fluss, als dass es endgültig zu beurteilen wäre.

Formal fehlt es „The Kids Are Allright“ an rein gar nichts.

Die Darstellerriege ist, populär ausgedrückt, der Hammer. Annette Bening (Nic), Julianne Moore (Jules) und Mark Ruffalo (Paul). Nic zieht ihr Leben schnurgerade durch, Jules will leben, Paul könnte sympathischer und auf andere zugehender nicht sein.

Das Echo in Sundance und Berlin war positiv.

Thomas Engel