The Way Back

Einmal mehr beweist Peter Weir („Der einzige Zeuge“, „Der Club der toten Dichter“, „The Truman Show“) sein Faible für epische Filme, in denen harte, einsame Männer im Kampf gegen die Natur und sich selbst bestehen. In „The Way Back“ beschreibt er die Flucht einer Gruppe Gefangener aus einem Arbeitslager zur Zeit des Zweiten Weltkriegs von Sibirien nach Indien, was vor allem visuell beeindruckt. Erzählerisch dagegen plätschert die Geschichte angesichts ihrer sprunghaften, episodischen Struktur etwas holprig über den asiatischen Kontinent.

Webseite: www.thewayback-derfilm.de

USA 2010
Regie: Peter Weir
Drehbuch: Peter Weir, Keith Clark
Darsteller: Jim Sturgess, Ed Harris, Colin Farrell, Saoirse Ronan, Mark Strong, Dragos Bucur
Länge: 133 Min.
Verleih: Fox
Kinostart: 30. Juni 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Sibirien, 1941. In einem sowjetischen Gulag sieht der Pole Janusz (Jim Sturgess) einer dunklen Zukunft entgegen. Die Bedingungen in dem Arbeitslager sind brutal, um nicht zu sagen tödlich. Seine einzige Hoffnung ist die Flucht. Zusammen mit dem Amerikaner Smith (Ed Harris), dem Kriminellen Valka (Colin Farrell) und einigen polnischen Mitgefangenen gelingt es Janusz aus dem Gefängnis zu entkommen. Doch das eigentliche Gefängnis ist die Natur, die schneebedeckte Landschaft, die die Gruppe durchqueren muss, bis sie endlich die Grenze der Sowjetunion hinter sich gelassen und in Freiheit ist. Doch als das gelungen, endlich die Mongolei erreicht ist, stehen die Flüchtlinge vor dem nächsten Hindernis: Dem ebenfalls kommunistischen China. Und so geht die Reise weiter, durch die Wüste Gobi und schließlich gar über das Himalayagebirge bis endlich Indien und die Freiheit erreicht ist.

Nur drei der Flüchtlinge werden dieses Ziel erreichen, wie der Film gleich zu Beginn bekannt gibt, womit gleichzeitig ein Teil der Spannung genommen und der Wahrheitsgehalt des nun folgenden angedeutet wird. Peter Weirs Film basiert auf dem Buch „Der lange Marsch“ des Polen Slawomir Rawicz, das 1956 veröffentlicht wurde und genau in die erste Hochphase antikommunistischer Stimmung passte. Die unglaubliche Erzählung der 6000 Kilometer langen Flucht wurde zu einem Weltbestseller, zu einer inspirierenden Geschichte menschlicher Willenskraft – und ist längst als Fiktion entlarvt. Was einerseits dem vorliegenden Film nicht anzulasten ist, der ausnahmsweise nicht behauptet auf einer wahren Geschichte zu basieren, andererseits andeutet, wie die dramaturgischen Probleme des Films zu erklären sind. Zwar gibt sich der Film einige Mühe, Janusz als Person zu charakterisieren, die viel Erfahrung im Leben in freier Wildnis hat. Allzu oft aber wird die Glaubwürdigkeit der Geschichte auf eine harte Probe gestellt, wirkt das Überleben unter unmenschlichen Bedingungen doch arg unglaubwürdig. Da behilft sich Peter Weir dann ein ums andere Male mit elliptischem Erzählen, das Probleme einfach mittels eines Schnitts vergehen lässt, die Gruppe in einem Moment von schneebedeckten Wäldern auf saftige Weiden transportiert. Andere Passagen dagegen, besonders die Durchquerung der Wüste Gobi, werden detailreich in aller Ausführlichkeit geschildert. Diese Sprunghaftigkeit, das Episodische der Erzählung, lässt keinen rechten Fluss aufkommen, zumal die Figuren eher blass bleiben.

Neben einzelnen archaischen Momenten, in denen die Verrohung und zunehmende Entmenschlichung der Flüchtlinge spürbar wird, sind es vor allem die grandiosen Bilder, die "The Way Back" sehenswert machen. Von den schneebedeckten Gipfeln des Himalaya über die Weiten der Wüste inklusive Lichtspiegelungen bis zu unberührten Wäldern der Taiga – die Menschen erscheinen vor dieser bombastischen Kulisse nur umso kleiner. Die Kraft dieser heroischen Überlebensgeschichte, egal ob erfunden oder wahr, vermittelt sich also zumindest durch die Bilder und nur bedingt durch die allzu schematischen Figuren.

Michael Meyns

Jahrelang musste man auf einen Film von Peter Weir warten, jetzt ist er da. Er hat einen Stoff ausgesucht, den man aus „So weit die Füße tragen“ kennt.

Das Schlimmste, was es im vergangenen Jahrhundert neben den scheußlichen Nazi-Verbrechen gab, waren die Stalinschen Verbrechen. In den Gulags Sibiriens kamen Tausende wenn nicht Hunderttausende um.

Hier wird die Geschichte einer Gruppe erzählt, der es gelang, aus einem Lager zu fliehen. Denn das Leben dort war unmenschlich, unmenschlicher geht es nicht: Kälte, Hunger, Läuse, Platzmangel, Schmutz, Krankheit, Schwerstarbeit, Tötungsdelikte, Diebstahl, Misstrauen, Angst, Bewachungssadisten.

Die Flucht gelingt. Ein knappes Dutzend sind sie am Anfang, drei, vier bleiben übrig. Der Marsch geht bei bis zu minus 40 Grad durch die unendlichen verschneiten Wälder Sibiriens. Nach Wochen gelangt man an den Baikal-See, schleppt sich, oft nur bei Nacht, an dessen Ufer entlang nach Süden.

Zu essen gibt es fast nichts, Erschöpfung, wo man hinschaut. Die Stimmung unter den Fliehenden ist oft gereizt, die Angst entdeckt oder verfolgt zu werden schwindet nie.

Die Wüste Gobi. Tagelang nur Hitze und Sand. Kein Wasser. Der Tod ist nicht weit. Halluzinationen.

Die Mongolei, von der sie sich Rettung versprachen, ist ebenfalls kommunistisch. Also weiter, wochenlang. Nach Tibet, wo die, die übrig geblieben sind, endlich gut aufgenommen werden. Und über den Himalaya nach Indien.

Es ist beileibe kein neues, aber ein dramatisch ziemlich spannend aufbereitetes Thema. Die Crew, einschließlich einer jungen Polin, spielte die Strapazen nicht nur, sie musste sie auch auf sich nehmen. Ein besonderes Lob verdienen die Make-up-Leute. Spitze. Das gleiche gilt für die Kamera-Truppe. Leider wird der biographische Hintergrund der Protagonisten viel zu spärlich beleuchtet.

Ed Harris ist dabei, außerdem Colin Farrell und Jim Sturgess sowie ein paar osteuropäische und skandinavische Akteure, alles Leute, die ihr Handwerk verstehen. Ed Harris hat endlich wieder einmal eine wichtige Rolle.

Kampf gegen die Gewalten der Natur und ein unbändiger Lebenswille der Geflohenen. Auch die Freundschaft fehlt nicht.

Thomas Engel