Zwistigkeiten zwischen Vater und Sohn werden in Götz Schuberts Dokumentarfilm „Der Preis des Widerstands“ zur subtilen Allegorie für gesellschaftliche Konflikte, die sich in diesem Fall zwar nicht zwischen Ost und West abspielen, aber dennoch um die Deutsche Einheit kreisen. Der Schriftsteller Gert Neumann und sein Sohn, der Fotograf Aram Radomski, stehen im Mittelpunkt eines sehenswerten, leisen Films.
Über den Film
Originaltitel
Vater, Sohn und der Preis des Widerstands
Deutscher Titel
Vater, Sohn und der Preis des Widerstands
Produktionsland
DE
Filmdauer
93 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Hubertus Siegert
Regisseur
Götz Schauder
Verleih
Piffl Medien GmbH
Starttermin
26.11.2026
Man kann darüber streiten, wie sehr seine Bilder zum Fall der Mauer und damit dem Ende der DDR beigetragen haben. Einen Eindruck dürften die Aufnahmen, die Aram Radomski in den letzten Monaten der DDR, vor allem im Oktober 1989 von den Montagsdemonstrationen in Leipzig gemacht hat, gemacht haben, sowohl im Westen wie im Osten.
26 Jahre war Radomski zu diesem Zeitpunkt alt, hatte sich in Ost-Berlin einen Namen als Fotograf und Drucker gemacht, der den Alltag der DDR dokumentarisch festhielt und dank kleiner Auflagen unter dem wachsamen Auge des Regimes agieren konnte. Die filmischen Bilder der DDR, die auch den Verfall der Infrastruktur als Symbol für den Verfall eines Systems zeigten, führte er im Auftrag des Westfernsehens durch – was ihn in den Augen seines Vaters zum Verräter machte.
Dieser Vater heißt Gert Neumann, geboren während des Zweiten Weltkriegs in Ostpreußen, der dann in der DDR versuchte, als Schriftsteller Erfolg zu haben. Sein Brot verdiente er meist in der Fabrik, erste Texte konnten um 1980 erscheinen, die auch dazu führten, dass er selbst von der Staatssicherheit überwacht wurde, was dann auch dazu führte, dass der damals noch minderjährige Sohn überwacht und drangsaliert wurde.
Allein das würde schon für ein schwieriges Vater-Sohn-Verhältnis reichen, zu allem Überfluss hatte der Vater die Familie auch noch früh verlassen, sich auf seine Kunst konzentriert, den Sohn und die Mutter allein gelassen.
Jahrzehntelange Funkstille folgte, die schließlich der Filmemacher Götz Schubert, ein Freund Aram Radomskis, zu überwinden half. Ein langsamer, sehr langsamer Prozess der Annäherung begann, der lange Jahre vor allem filmisch erfolgte: Schubert filmte den einen, zeigte die Aufnahmen dem anderen, der darauf erneut vie Filmaufnahme reagierte oder auch nicht.
In gewisser Weise wirkt der Filmemacher wie ein Therapeut, der stets im Off bleibt und zwei Menschen wieder zueinander führen möchte, die eigentlich ähnlicher sind, als sie sich eingestehen wollen. Dass es am Ende von „Der Preis des Widerstands“ zu einer Begegnung zwischen Vater und Sohn kommt, die jahrzehntelangen Probleme wie weggewischt erscheinen, überrascht kaum, lässt die lange Funkstille dadurch aber auch um so tragischer wirken.
Und funktioniert so auch als Symbol für die Streitigkeiten und Missverständnisse, die weite Teile der deutschen Gesellschaft belasten, die Kommunikation schwierig bis unmöglich machen. Im Falle von Neumann und Radomski kommt noch eine dritte Generation hinzu: Neumanns Mutter Margarete, in der DDR ebenfalls Schriftstellerin, im Gegensatz zum Sohn allerdings Regimetreu, dazu mit verdrängter NS-Vergangenheit.
Eine fast schon emblematische deutsche Familie, in der sich die komplizierte deutsche Geschichte spiegelt. Ohne jedoch allzu sehr auf Symbolgehalt zu pochen, zeigt Götz Schubert nun die langsame Annäherung von Vater und Sohn, hat sie an ihren Wohnorten in Berlin bzw. Brandenburg besucht, hat auch eine lange Phase, in der der Vater die Zusammenarbeit am Film abbrach, durchgehalten, so dass es am Ende zu einer Art Happy End kommen kann.
Ganz so einfach, wie in „Der Preis des Widerstands“ am Ende Vater und Sohn wieder zueinander finden, wird es für die deutsche Gesellschaft sicher nicht sein, sich zusammenzuraufen, ganz so schwierig, wie sie es sich aktuell macht, muss es allerdings auch nicht sein, nicht zuletzt diese Erkenntnis, mag man aus Götz Schuberts sehenswerten Film mitnehmen.
Michael Meyns







