Vergebung

Nahtlos schließt der dritte Teil der Millenniums-Trilogie an Teil zwei an und bringt die tragische Geschichte der Lisbeth Salander zu einem runden Abschluss. Der über weite Strecken beste, spannendste Teil der Film-Trilogie beschäftigt sich mit einer Verschwörung, die weit in den schwedischen Geheimdienst und die Regierung reicht und einmal mehr die Abgründe des Staates thematisiert.

Webseite: www.vergebung-derfilm.de

Schweden 2009
Regie: Daniel Alfredson
Drehbuch: Jonas Frykberg, nach dem Roman von Stieg Larsson
Darsteller: Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Tina Berg, Hans Alfredson, Lena Endre, Sofia Ledarp
Länge. 148 Min.
Verleih: NFP
Kinostart: Mai 2010
 

PRESSESTIMMEN:

So bitterkalt inszeniert und spannend wie die ersten Teile.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Wir erinnern uns: Am Ende von „Verdammnis“, dem zweiten Teil der Milleniums-Trilogie, hatte Lisbeth Salander (Noomi Rapace) ihren Vater auf einem verlassenen Hof aufgespürt und schwer verwundet. Nicht allerdings ohne selbst diverse Kugeln in den Kopf und andere Körperteile abzubekommen und mehr Tod als lebendig vom Journalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) aufgefunden zu werden. Wie sich herausgestellt hat, war ihr Vater ein ehemaliger russischer Offizier, der in den Westen geflohen war und von einer Geheimdienstgruppe betreut wurde. Diese verschwieg die Existenz des Russen, vor allem aber seine kriminellen Machenschaften vor Teilen der Regierung, agierte sozusagen als besonders geheimer Geheimdienst. Die nun nicht mehr ganz jungen Agenten fürchten nun um ihre Entdeckung und beschließen, alle Spuren zu beseitigen, also auch Lisbeth. Derweil beginnt der investigative Journalist Mikael Blomkvist die Machenschaften der Geheimdienstgruppe aufzudecken, wobei er Spuren findet, die bis in höchste Kreise der schwedischen Politik reichen. Ein atemloses Katz und Maus-Spiel beginnt, bei dem zusätzlich noch Lisbeths Halbbruder Ronald Niedermann eine entscheidende Rolle spielt. Der muskelbebackte Arier ist durch einen Gendefekt vollkommen unempfindlich für Schmerz und tötet ebenso stoisch wie unaufhaltsam.

Was ihn allerdings antreibt, bleibt wie manch andere nicht unbedeutende Frage offen. Im Versuch, einen 800 Seiten-Krimi auf immer noch lange zweieinhalb Kinostunden zu komprimieren, bleiben etliche Handlungsstränge in der Luft hängen. Ganz deutlich ist „Vergebung“ der Abschlussteil einer Trilogie und als solcher darum bemüht, die in den bisherigen Teilen begonnenen Erzählstränge zu einem runden Abschluss zu bringen. Dass er es dennoch schafft, über weite Strecken als eigenständiger Krimi zu überzeugen, ist umso beeindruckender. Gerade wenn die Verwicklungen des Geheimdienstkomplotts angedeutet werden, klar wird, wie weit verstrickt die schwedische Politik involviert ist, fühlt man sich unweigerlich an Ereignisse wie den Mord am damaligen schwedischen Ministerpräsident Olof Palme erinnert. Dessen Ermordung zerbrach 1986 die Illusion der offenen, liberalen Gesellschaft, die, gerade weil die Tat auch mehr als 20 Jahre später noch unaufgeklärt ist, nie wieder wurde, was sie vorher war.

Immer wieder nutzte der ehemalige Journalist Stieg Larsson seine Romane, um Missstände der schwedischen Gesellschaft anzuprangern, hinter die Kulissen zu blicken. Die Film-Trilogie versteht es, diesen Blick in die Geschichte der Lisbeth Salander einzuflechten, ohne sie mit Anspielungen zu überfrachten. Dass die Filme stilistisch eher gehobene Fernsehkost sind, spricht weniger gegen die Filme als für die hohe Qualität der Adaptionen von Krimis aus den nordischen Ländern, die gerade beim deutschen Publikum enorm beliebt sind.

„Vergebung“ bringt die Verfilmung der Milleniums-Trilogie zu einem gelungenen Abschluss, zumindest solange, bis sich Stieg Larssons Erben geeinigt haben und ein weiterer Roman posthum erscheint und dann fraglos bald verfilmt wird.

Michael Meyns

„Verblendung“ und „Verdammnis“ waren schon da, hier nun der Schluss der filmischen Trilogie.

Die in jungen Jahren misshandelte und vergewaltigte Lisbeth Salander wird nach wie vor für schuldig gehalten, aus Rache gemordet zu haben. Sie muss bei ständiger Bedrohung und Verfolgung beweisen, dass sie das Opfer von Machenschaften und unschuldig ist. Weil sie weiß, wie sehr der offenbar aus den Fugen geratene schwedische Geheimdienst mit einem russischen Überläufer verbandelt ist, ist sie, weil dies auf keinen Fall ans Tageslicht kommen darf, so sehr gefährdet. Es gibt nicht wenige, die ihre Beseitigung betreiben.

Mikael Blomkvist ist trotz des Widerstandes der „Millennium“-Herausgeberin weiterhin mit Nachdruck hinter seinem Ziel her: einem umfassenden Artikel, der die vorangegangenen Morde aufklären und die im Dunkeln operierenden Geheimdienst-Sektionen entlarven soll. Zudem will er noch immer der so sehr in Bedrängnis geratenen Lisbeth helfen – damit diese endlich erlöst werde.

Der Krimi geht also weiter. Bemerkenswert, wie die vielseitige Handlung durch eine gute Montage gebändigt werden musste. Aufmerksamkeit ist schon angebracht, denn die Abläufe beziehen sich auf zahlreiche Vorgänge und mindestens zwei Dutzend Personen. Die Spannung hält durch. Von guten Darstellungen ist ebenfalls zu berichten – seitens des rührigen Michael Nyquist beispielsweise, der als Mikael Blomkvist dem investigativen Journalismus Ehre macht, vor allem aber seitens der die Lisbeth Salander verkörpernden Noomi Rapace, deren stummes Leid ebenso deutlich wird wie ihre Entschlusskraft und die Eindruck hinterlässt.

Spannende Krimi-Unterhaltung.

Thomas Engel