Vitus

Der witzig-warmherzige Kinohit aus der Schweiz: Die Geschichte eines eigenwilligen Wunderkindes, das nicht nur den eigenen Eltern, sondern der ganzen Erwachsenenwelt ein Schnippchen schlägt. Vor allem dank des sympathischen jungen Hauptdarstellers und einem glänzend aufgelegten Bruno Ganz gelingt es, die bisweilen konventionelle Handlung von Fredi M. Murers Film vergessen zu machen. Nach gut einer Stunde löst sich der Film von ausgetretenen Probleme-eines-Wunderkind-Pfaden und schafft es, etwas Eigenes zu erzählen.

Webseite: www.schwarzweiss-filmverleih.de

Schweiz 2005
Regie: Fredi M. Murer
Buch: Peter Luisi, Fredi M. Murer, Lukas B. Suter
Kamera: Pio Corradi
Schnitt: Myriam Flury
Musik: Mario Beretta
Darsteller: Bruno Ganz, Teo Gherghiu, Fabrizio Borsani, Julika Jenkins, Urs Jucker, Eleni Haupt
122 Minuten, Format 1:1,85
Verleih: Schwarz Weiss Filmverleih
Kinostart: 21. Dezember 2006

PRESSESTIMMEN:

Die mit märchenhaften Untertönen konventionell, aber wirkungsvoll und anrührend erzählte Geschichte einer Menschwerdung mit geschliffenen Dialogen und eindrucksvollen schauspielerischen Leistungen. Eine Liebeserklärung an die Kindheit und die Musik. – Sehenswert ab 12.
film-dienst

…erzählt mit leisem Humor.
Brigitte

Dieser fabelhafte Vitus, der sein Land nun auch als Oscar-Kandidat vertritt, lässt die Behäbigkeit des Schweizer Kinos weit hinter sich, bewahrt aber dessen Menschenfreundlichkeit.
Der Spiegel

Die dokumentarisch-nüchterne Erzählweise unterscheidet ""Vitus" von dem Gros jener Filme, die als Feelgood-Movie ihr Publikum mit kalkuliertem Sentiment einlullen. Regisseur Fredi M. Murer dagegen erfreut den Zuschauer mit überraschenden Wendungen. – Sehenswert!
tip Berlin

"Vitus" trifft mit seiner Mischung aus feiner Melancholie, frischem Mut der Jugen dund leiser Wehmut des Alters mitten ins Herz.
Blickpunkt:Film

FILMKRITIK:

Vitus ist ein Wunderkind wie es im Buche steht. Statt Bilderbücher ließt er schon mit sechs die Zeitung, statt mit Spielzeug spielt er am Klavier. Doch mit den Talenten kommen die Probleme, die schon viele ähnliche Filme aufgezeigt haben. In der Schule ein Außenseiter, rebelliert Vitus mit arrogantem Verhalten, und zu Hause stachelt ihn seine erfolgshungrige Mutter (Julika Jenkins) zu immer weiteren Übungsstunden an. Während der Vater (Urs Jucker) in einem Technologieunternehmen aufsteigt und immer weniger Zeit für seinen Sohn hat, ist es allein der Großvater (Bruno Ganz), der Vitus wie einen ganz normalen Jungen behandelt.

 

Diese Normalität verstehen sowohl Fabrizio Borsani als sechsjähriger als auch Teo Gherghiu als zwölfjähriger Vitus glaubhaft darzustellen. Und auch wenn Gherghiu selbst als Wunderkind gilt, inzwischen auf einem englischen Eliteinternat unterrichtet wird und die Klavierpassagen schwierigster Stücke selbst dargeboten hat, er die Situation der Filmfigur also gut nachvollziehen kann, ist diese Natürlichkeit nicht selbstverständlich. Vor allem diesem vielschichtigen Spiel ist es zu verdanken, dass trotz der zahlreichen Klischees das Interesse nicht erlahmt, bis schließlich die originellste Volte des Drehbuchs doch noch zu einer in Maßen eigenständigen Wunderkind-Geschichte führt.

Vitus, der von seinem Großvater die Faszination fürs Fliegen geerbt hat, täuscht einen schweren Unfall vor, nach dem er vorgeblich seine besonderen Gaben verloren hat. Während die Mutter schier verzweifelt und sich nicht damit abfinden mag, nun einen „normalen“ Sohn zu haben, ist der Großvater der einzige, der Vitus’ Spiel durchschaut.

Dass die folgenden Entwicklungen, in denen Vitus mit Leichtigkeit an der Börse ein Vermögen verdient und die Firma seines Vaters kauft, wenig mit der Realität zu tun haben, muss man wohl akzeptieren. Denn in Vitus befristetem Versuch, seine Fähigkeiten zu verbergen, bis er lernt, sie zu akzeptieren, ohne sich von irgendjemandem zu etwas zwingen zu lassen, liegt der interessanteste Aspekt des Films verborgen. Da gibt es dann endlich subtile Szenen, in denen die Diskrepanz zwischen Vitus’ biologischem und seinem seelischen Alter deutlich wird. Besonders Vitus’ Versuch, mit rührend erwachsenen Handlungen die Zuneigung seines ehemaligen Babysitters zu erlangen ragen hier heraus, aber auch sein fachmännisches Gebaren, wenn es um Bankangelegenheiten und passende Wohnräume geht. Vollkommen geglückt ist der Versuch von den üblichen Wunderkind-Filmen wegzukommen dennoch nicht. Immer wieder bedient sich Murer Motiven, um nicht zu sagen Klischees, die man schon hinlänglich kennt, und verlässt sich allzu sehr auf den enormen Charme, den Teo Gherghiu mitbringt und die großväterliche Gelassenheit, die Bruno Ganz ausstrahlt.

Michael Meyns