Wall-E

Der Roboter „Wall-E“ wurde auf der Erde zurückgelassen und tut das, wozu er bestimmt ist: aufräumen. Und das seit 700 Jahren. Eines Tages tritt Eve, ein weiterer Roboter, in sein Leben… Die Hitschmiede Pixar zeichnet erneut für ein filmisches Meisterwerk verantwortlich. Perfektes Entertainment mit erstaunlich deutlicher Gesellschaftskritik verwoben.

Webseite: www.disney.de

USA 2008
Originaltitel: Wall-E
Regie: Andrew Stanton
97 Minuten
Verleih: Buena Vista
Kinostart: 25.09.2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der letzte räumt die Erde auf. Ein Job, der wie geschaffen ist für einen „Waste Allocation Load Lifter – Earth-Class“, kurz „Wall-E“. Bereits seit 700 Jahren geht der kleine Roboter seiner programmierten Bestimmung nach und schichtet Müllberg um Müllberg. Die Menschheit konnte der wachsenden Umweltverschmutzung keinen Einhalt gebieten und hat den unbewohnbaren Planeten unlängst verlassen. Wall-E hingegen wurde zurückgelassen, vergessen und nicht deaktiviert. Ein Zustand, der ihn über die Jahrhunderte verändert hat. So übt er seinen „Job“ zwar immer noch mit der nötigen Disziplin aus, nutzt jedoch seine Zeit auch, um sich weiterzuentwickeln und die schönen Seiten des Lebens zu entdecken. Ob durch die Liebe zur Musik und zum Tanz, das Sammeln und Sortieren von Feuerzeugen und dergleichen mehr oder die Freundschaft zu seiner Hauskakerlake – Wall-E ist sich seiner Existenz bewusst geworden.

Eines schönen Tages landet ein fremdes Raumschiff auf der verlassen Erde, um einen Forschungsroboter abzusetzen. Ein neumodisches und wunderschönes Modell, das auf den Namen Eve hört. Für Wall-E ist es Liebe auf den ersten Blick. Sofort beginnt sie die Umgebung zu scannen und verwertbare Daten zu sammeln. Doch erst durch die mehr oder weniger unfreiwillige Mithilfe von Wall-E, spürt Eve den Schlüssel für die Zukunft des verlassenen Planeten auf. Ein lebenswichtiger Fund, der erneut ihr Mutterschiff zurückruft. Wieder an Bord gebeamt, droht die viel zu kurze und bisweilen eher einseitige Romanze abrupt zu enden. Es versteht sich, dass sich selbst ein Roboter nach 700 Jahren Einsamkeit so schnell nicht geschlagen geben kann. So verlässt auch Wall-E an dieser Stelle der Geschichte die Erde und stürzt sich in das größte Abenteuer seines langen Lebens.

Mit „Wall-E – Der letzt räumt die Erde auf“ bringt das Traumduo Pixar und Disney bereits den neunten computeranimierten Langfilm in die Kinos. Erneut ist den Hitgaranten ein ganz großer Wurf gelungen. Sicherlich ist es keine allzu große Überraschung, dass hier einmal mehr ein filmisches Meisterwerk abgeliefert wird. Pixar steht unterdessen für Animationskunst in höchster Vollendung. Trotzdem bleibt es beachtlich, dass sich die Pixelmeister immer wieder selbst übertreffen. Dabei lässt sich dies beiweiten nicht auf die rein handwerkliche Ebene beschränken, denn die Animationen an sich sind einfach „nur“ perfekt. Dies und nicht weniger möchte man jedoch mittlerweile schon voraussetzen. Nicht voraussetzen kann man jedoch – wie bei jedem anderen Film auch – dass einfach alles stimmt.

„Wall-E“ ist perfektes Entertainment mit Anspruch. Eine Roboter-Liebesgeschichte, die anrührt und belustigt. Eine Aussage, die umso mehr wiegt, wenn man bedenkt, dass die beiden Hauptfiguren ihre Emotionen lediglich über die vorhandenen Augen und ihre Gesten vermitteln können. Die Sprache bleibt, bis auf die vom Sounddesigner Ben Burtt gesampelten Fragmente, weitgehend den Menschen vorbehalten. Überdies gewinnt der Film durch eine Story, die nicht nur Spaß bereitet und temporeich ist, sondern erstaunlich kritisch mit Themen wie Umweltverschmutzung aber auch Konsum, Lifestyle und Luxus umzugehen weiß. Dabei hinterlässt der schier grenzenlose Optimismus, der durch den Namensgebenden Roboter transportiert wird, bei aller Kritik kein unangenehmes Bauchgefühl. Vielleicht die beste und auch effektivste Art und Weise, der Gesellschaft einen Spiegel vors Gesicht zu halten. All das macht „Wall-E“ nicht nur zu den besten Filmen seines Genres, sondern vielmehr zu den besten Filmen überhaupt.

Gary Rohweder