Raeuber Kneissl

Zum ersten Mal nimmt sich der bayerische Vielfilmer Marcus H. Rosenmüller einem historischen Sujet an. Er zeichnet das Leben des folkloristischen Räuberhelden Mathias Kneißl nach, der um 1900 eine eigentlich recht unspektakuläre Karriere als Räuber durchlebte, bevor er von der Gendarmerie verhaftet und hingerichtet wurde. Viel Lokalkolorit und überdeutliche Versuche, sich an klassische Western-Motive anzulehnen, können nicht verdecken, dass es nur bedingt gelingt, die mythologische Dimension der Kneißl-Figur darzustellen.

Webseite: movienetfilm.de

Deutschland 2008
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Buch: Karin Michalke, Christian Lerch
Darsteller: Maximilian Brückner, Brigitte Hobmeier, Maria Furtwängler, Thomas Schmauser, Christian Lerch
114 Minuten, Format: 1:1,85
Verleih: Movienet
Kinostart: 21. August 2008

PRESSESTIMMEN:

…wieder ein echter Knüller: "Räuber Kneißl" schildert in kraftvollen Bildern das abenteuerliche Leben des meistgesuchten Verbrechers seiner Zeit. Da ist alles drin: schlitzohriger Humor, großes Drama und große Gefühle, liebe, Verrat, Rebellion- und fabelhafte, bis in kleinste Nebenrollen authentische Darsteller, angeführt von Maximilian Brückner als Mathias Kneißl, Brigitte Hobmeier als dessen Freundin und Thomas Schmauser als hinterfotziger Gendarm."
TZ München

Rosenmüller, (…), erzählt in "Räuber Kneissl" (…) die Geschichte des legendären, 1902 in Augsburg hingerichteten Wilderers und Diebs Mathias Kneißl stilsicher und packend als tragische Ballade und Melo- Moritat, die auch Züge eines bayerischen Western hat (…).
Rosenmüller umgibt seinen Helden mit dem Freiheitsmythos vom Räuber- als- Volksheld, ohne ihn zu glorifizieren, schenkt ihm eine bewegende Liebesgeschichte und erinnert daran, wie die Polizei im zynisch- machtbesessenen Obrigkeitsstaat funktionierte. (…) 
Es ist eine Art Weikertshofener Western daraus geworden, ein spannende Heimatfilm ganz ohne Trachten, Blasmusik und anderem Bajuwaren- Kitsch, dafür voller Melodramatik, schierer Lebenslust und großartiger Schauspieler.
Süddeutsche Zeitung

Ein deftiger, harter, anrührender und zwischendrin auch bitterhumoriger Film mit glänzender Besetzung.
AZ München

So ist ihm eine pralle Räuber- Pistole geglückt, die sich enge an die historischen Fakten hält und die spannend, traurig, schön, voller Schmäh, Witz, Liebe und Wut ist: Ein Aspekt bayerischer Geschichte kraftvoll und lebensnah inszeniert.
Münchner Merkur

FILMKRITIK:

Außerhalb von Bayern dürfte Leben und „Werk“ des Mathias Kneißls, geboren 1875, mit nur 26 Jahren hingerichtet auf der Guillotine, kaum bekannt sein. 1970 drehte Reinhard Hauff einen Film über den Räuber, nun versucht sich der bayerische Regie-Shooting-Star Marcus H- Rosenmüller an der Mythologisierung Kneißls. In seiner Version – inszeniert nach einem Drehbuch von Karin Michalke und Christian Lerch, die bislang alle Rosenmüller Filme geschrieben, hier aber zum ersten Mal zusammengearbeitet haben – soll Kneißl zu einer tragischen Figur stilisiert werden, die durch die Kälte der Gesellschaft zu dem wurde, was sie ist. 

Viel Zeit verbringt der Film mit der Darstellung der Lebensumstände der Familie Kneißl, die auf einem abgelegenen Hof lebt und früh ins Visier des Gesetzes kommt. Bei seiner Verhaftung wird der Vater von der Polizei zu Tode geprügelt, was die Söhne Mathias (Maximilian Brückner) und Alois (Florian Brückner) so aufbringt, dass sie gleich selbst ins Gefängnis gesteckt werden. Dort stirbt Alois, und Mathias steht nach seiner Entlassung vor der schwierigen Aufgabe, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Bald realisiert er, dass er wie ein Aussätziger behandelt wird, die Polizei Druck auf die Bevölkerung ausübt und jede Anstellung Kneißls verhindert. Mit seiner großen Liebe Mathilde (Brigitte Hobmeier) beschließt Kneißl nach Amerika auszuwandern und dort ein neues Leben zu beginnen. Doch dafür braucht er Geld und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. 

In der Realität begann für Kneißl eine mehrjährige Räuberkarriere, bei der er schwer bewaffnet zahllose Höfe überfiel und sich mit einem Komplizen jahrelang vor der Polizei versteckte. Im Film dagegen besteht die „Räuberkarriere“ aus genau einem Erpressungsversuch, bei dem Kneißl unabsichtlich zwei Polizisten tötet. Warum Kneißl in der Öffentlichkeit als Volksheld betrachtet wurde, sein Tun als ein Aufbegehren gegen die Obrigkeit betrachtet wurde, der Film vermag es nicht deutlich zu machen. Einerseits hakt das Drehbuch penibel die überlieferten Ereignisse aus Kneißls Leben ab, andererseits bleibt es in der Charakterisierung Kneißls und seines Umfeldes allzu skizzenhaft.

Immer wieder versucht Rosenmüller Bezüge zur klassischen Western-Mythologie herzustellen. Die auf Dauer penetrante Musik bedient sich „typischer“ Westernmelodien, die Kamera taucht die bayrischen Wälder in malerischen Licht, stellt die Figuren immer wieder als Silhouette vor den Horizont und wenn Kneißl mit Mathilda Fahrrad fährt, ist der Bezug zu „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ überdeutlich. So lebt der Film in erster Linie von einzelnen Szenen, getragen von den überzeugenden Darstellern und viel Lokalkolorit. 

Das Rosenmüller sich einmal mehr nicht an ein überregionales Publikum anbiedert und seine Darsteller in schönstem Dialekt sprechen lässt, ist überaus sympathisch, dürfte die Verständlichkeit der Dialoge außerhalb Bayerns allerdings bisweilen schwer machen. Ohne Frage ist Rosenmüller in Deutschland ein Unikat, seine Produktivität und Vielseitigkeit bewundernswert. Die Folge ist allerdings eine Ungeschliffen-, ja Unausgereiftheit, die zwar meist sehr sympathisch ist, der Gesamtqualität der Filme allerdings abträglich ist. Dass ein Genrefilm wie „Räuber Kneißl“ in Deutschland entsteht, ist begrüßenswert, aber er hätte noch viel besser werden können.

Michael Meyns

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Der neueste Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“), angesiedelt im Münchner Umland und in bayerischer Sprache gedreht.

Aus diesem Umland stammt auch der „Held“ des Films, der Kneißl Mathias (1875-1902), ein lebensfroher, aber auch vom Pech verfolgter, ein herumwildernder, sich gegen die Obrigkeit auflehnender, ein liebender, aber auch durch ständige Fluchten geschundener Mensch.

Die Kneißls, der Vater Mathias, die Mutter Theresia sowie die Söhne und Töchter, waren arm. Sie besserten ihren Lebensstandard mit Wildern und Diebstählen auf; die Buben konnten schon in jungen Jahren mit dem Schießeisen umgehen.

Nach einem Kirchenraub kam der Vater, von den Gendarmen verfolgt, ums Leben, die Mutter erhielt zwei Jahren Zuchthaus. Die Kinder waren auf sich gestellt. Schon bald schossen die Söhne Polizisten an und erhielten dafür mehrere Jahre Gefängnis. Während der Haft starb Mathias’ Bruder Alois an der Schwindsucht.

Nach der Entlassung wollte Mathias ein ordentliches, arbeitsames Leben führen. Doch der als „Zuchthäusler“ Verschriene hatte es nicht leicht, wurde immer wieder abgelehnt. Sein einziger Halt war seine Cousine Mathilde, die er liebte und mit der er nach Amerika auswandern wollte.

Von dem Augenblick an, da ein früher von Kneißl angeschossener Polizist ihn provozierte, ging es mit Mathias bergab. Immer wieder musste er fliehen, sich verteidigen, auf Raubzug gehen, um existieren zu können, einen reichen Bauern erpressen, um an Geld zu kommen, um seine Mathilde bangen, unentdeckt seine Familie besuchen, seine Schwester sterben sehen – um schließlich auf der Flucht mit Mathilde, von deren Mutter verraten, gefasst zu werden und unter der Guillotine zu enden.

In vielen, kurz gehaltenen, aber treffenden und präzisen, historisch korrekten Passagen läuft dieses Leben des Mathias Kneißl, der Familie und der diese Umgebenden ab. Drama, Liebesfilm, Heimatfilm, Folklore, schöne Landschaftsbilder, Poesie, Familienszenen, Auflehnung gegen soziale Missstände und Behörden, Spannung, Tragödie – alles ist da, alles ist schlüssig zusammengefügt. Ein geschichtliches Schicksalsbild, ein guter Film.

Neben Rosenmüller und dem Drehbuch-Co-Autor Christian Lerch sorgt eine ansehnliche und überaus fähige Darstellertruppe für überzeugendes Gelingen: Maximilian Brückner als Mathias Kneißl, Brigitte Hobmeier als Mathilde, Michael Fitz als Vater Kneißl, Maria Furtwängler als Mutter Kneißl, Thomas Schmauser als Gendarm Förtsch, Christian Lerch als Mathias’ später Freund und Helfer Anton Wörndl, Sigi Zimmerschied als Flecklbauer.

Thomas Engel