Weather Man, The

The Weather Man ist ein Glücksfall im Einerlei der jährlichen Hollywood-Produktion. Hochkarätig besetzt, exzellent gefilmt und doch weder seichtes feel-good-movie noch überladenes Spezialeffekt-Feuerwerk. Er erzählt auf ironische, bisweilen bittere, aber niemals zynische Weise von einem Mann, der keinen Respekt vor sich, seinem Beruf, kurz, seinem ganzen Leben hat. Einer der besten amerikanischen Filme des Jahres.

Webseite: www.weatherman-film.de

USA 2005
Regie: Gore Verbinski
Buch: Steven Conrad
Kamera: Phedon Papamichael
Schnitt: Craig Wood
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Nicolas Cage, Michael Caine, Hope Davis, Gemmenne De la Pena, Nicholas Hoult
102 Minuten
Verleih: UIP
Kinostart 2. März 2006

PRESSESTIMMEN:

FILMKRITIK:

David Spritz (Nicolas Cage) arbeitet als Wetterfrosch bei einer lokalen TV-Station in Chicago. Während er beruflich kurz vor dem Sprung zum nationalen Fernsehen nach New York steht, geht sein Privatleben den Bach herunter. Die Scheidung von seiner Frau Noreen (Hope Davis) ist immer noch nicht verkraftet, seine Tochter Shelley (Gemmenne De la Pena) leidet an Übergewicht und Lethargie, sein Sohn Mike (Nicholas Hoult) rebelliert und über allem steht sein Vater Robert (Michael Caine), ein erfolgreicher Schriftsteller, den David Zeit seines Lebens beeindrucken wollte, der ihn aber scheinbar nie respektierte. Der Grund dafür ist der Kern des Films, der sich langsam und subtil entfaltet. Davids größtes Problem ist der fehlende Respekt vor seinem Beruf, seinem Leben. In seinen Augen trägt er nichts zur Gesellschaft bei, führt ein nutzloses Leben, nicht zu vergleichen mit dem künstlerischen Erfolg des mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten Vaters, dem er mit einem furchtbaren Science-Fiction Roman nacheifert. Dass er selber als Aushängeschild seines Senders ist (schließlich ist die Wettervorhersage einer der wichtigsten Aspekte einer Nachrichtensendung) und somit wenig Grund hat, sich schlecht zu fühlen begreift David nur langsam.

Die große Qualität von Gore Verbinskis Film ist schwer zu erfassen. Vollkommen unspektakulär entwickelt sich die Geschichte, strukturiert von den Versuchen Davids ein engeres Verhältnis zu seinen Kindern aufzubauen und sich seinem Vater, der erfährt unheilbar krank zu sein, zu nähern. Weder gibt es Szenen in denen – wie sonst Hollywood-typisch – die Moral der Geschichte auf den Punkt gebracht wird, noch hat sich Davids Leben am Ende der 100 Minuten fundamental verändert. Man verfolgt Davids Versuche mit sich ins Reine zu kommen, schmunzelt über die selbstironischen Kommentare und muss aufpassen, dass der Kern des Films nicht an einem vorbeigeht. Denn unter der scheinbar glatten Fassade lässt sich eine erstaunlich kritische Analyse des amerikanischen Traums feststellen, die fast schon als Dekonstruktion des American Way of Lifes zu begreifen ist. Immer wieder geht es um das Modediktat der Boulevardpresse, infantile, banale Kulturgüter wie die Fernsehserie Spongebob und Fast Food aller Art. Dem schnellen, aber nur oberflächlich sättigenden Essen von Wendys bis MacDonalds, das in Amerika noch weiter verbreitet ist als in Deutschland kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Mit schöner Regelmäßigkeit wird David von Passanten mit Fast Food beworfen, Angriffe, die er als Teil seines Berufs akzeptiert zu haben scheint, bis er begreift wo die Ursache liegt. Seine Unfähigkeit die eigenen Leistungen zu würdigen, seine zum Scheitern verurteilten Versuche, es seinem Vater gleich zu tun, haben einen zutiefst unzufriedenen Mann aus ihm gemacht, der glaubt gescheitert zu sein und so macht das Publikum ihn für schlechtes Wetter und falsche Vorhersagen verantwortlich. Den Blick für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens gewinnt David nur langsam zurück und mit ihm das Publikum. Dieser Prozess manifestiert sich nicht in großen Gesten, sondern in kleinen, fast surrealen, Momenten, die zur großen Qualität des Films beitragen.

Michael Meyns