Wenn die Flut kommt

Unprätentiöse Liebesgeschichte zwischen Erwachsenen, angesiedelt unter dem regenverhangenen Himmel des nordfranzösischen Flachlandes. Die gestandene Stand Up Komikerin Irène tingelt mit ihrem Programm SALE AFFAIRE durch das belgisch-französische Grenzgebiet. Unterwegs lernt sie den Flamen Dries kennen, der ihr zu folgen beginnt. Ganz langsam entsteht Vertrauen zwischen den beiden und im Niemandsland des On-the-road-seins nimmt eine verspielte Affaire ihren Lauf.

Webseite: www.ventura-film.de

Frankreich/Belgien 2004
Regie: Yolande Moreau und Gilles Porte
Darsteller: Yolande Moreau, Wim Willaert, Jacky Berroyer, Jacques Bonnaffé, Nand Buyl, Séverine Caneele, Olivier Gourmet
Länge: 93 min
Verleih: Ventura Film
Starttermin: 8.6.2006

PRESSESTIMMEN:

Ein liebevoll gedrehtes Roadmovie über den Wunsch, sich immer wieder neu zu verlieben… Wer den außergewöhnlichen Bildern Augen und Herz öffnet, wer bereit ist, sich überraschen zu lassen, der erlebt in diesem ehrlichen kleinen Film einen großen Kinogenuss.
Filmecho

FILMKRITIK:

Irène, gespielt von Schauspielerin und Stand Up Comedian Yolande Moreau, tingelt mit ihrem Comedy-Programm SALE AFFAIRE über die Ortschaften im nordfranzösischen Flachland dicht an der belgischen Grenze. Im normalen Leben ist Irène eine zufriedene, verheiratete und bodenständige Frau Ende Vierzig. Auf der Bühne wandelt sie sich in eine hässliche Alte auf der Suche nach Liebe. Mit lakonischer Stimme und präzisen Gesten berichtet sie von dem ‚schmutzigen Verbrechen’, das sie gerade an ihrem letzten Liebhaber begangen hat und sucht sich im Publikum jeden Abend einen neuen jungen Mann als ‚poussain’ (Küken), den sie an die Hand nimmt um mit ihm die nächste große Liebe zu erleben.

 

Eines Tages lernt sie bei einer Reifenpanne den Flamen Dries kennen und lädt ihn zu ihrer nächsten Vorstellung ein. Dries, ein etwas planloser aber sympathischer Geselle, der sich mit kleinen Jobs durchs Leben schlägt, ist fasziniert von Irène und taucht auch am folgenden Abend wieder auf. Irène reagiert auf seine Versuche, ihre Bekanntschaft zu machen, zunächst sehr zurückhaltend. Aber nach und nach lässt sie sich von Dries verspieltem Humor anstecken und verbringt immer mehr Zeit mit ihm. Ein Besuch auf dem Volksfest, bei dem Dries die lebensgroße Puppe Toro durch die Gegend trägt, ein Tag am Meer und ein Besuch bei den Eltern werden zu Stationen einer unspektakulären Liebesgeschichte – die für Yolande jedoch nicht mehr sein kann, als ein kurzes Intervall. 

Die Comedy-Szenen, die zwischen Komik, Tragik, Groteske und echter Rührung oszillieren, haben Gilles Porte und Yolande Moreau an realen Auftrittsorten vor wechselndem Publikum gedreht. Entsprechend realistisch ist das Ambiente der kleinen Theater und Gemeindesäle, das unsichere Lachen des Publikums und die peinliche Berührung der jungen Männer, die als ‚poussain’ herhalten müssen. Ebenso unaufgeregt und dicht am Alltag sind die Spielfilmszenen inszeniert, die einsamen Abende im Hotel, die Telefonanrufe zuhause, die Volksfeste und Passanten, die Irène unterwegs begegnen, und die Begegnungen mit Dries, dem eigensinnigen Puppenträger.

„Wenn die Flut kommt …“ ist ein Film für Erwachsene. Ein Film über einen unmöglichen Traum von Liebe, so lakonisch-romantisch wie der regenverhangene Himmel über dem belgisch-französischen Flachland, der heimatlose Charme des Grenzgebietes und der Refrain des titelgebenen Chansons „Quand la mer monte“ von Raoul de Godewaersvelde.

Quand la mer monte, j’ai honte, j’ai honte
Quand elle descend, je l’attends,
A marée bas, elle est partie hélas,
A marée haute, avec un autre.

Hendrike Bake