Der Bestseller „Whalefall“ kam ausgesprochen schnell zu Filmehren. Nur etwa drei Jahre hat es zwischen Publikation des Buchs und dem Kinostart des Films gedauert. Ob die Leser aber ähnlich überzeugt sein werden wie vom Buch, wird sich zeigen müssen. Denn der Film hat mannigfaltige Probleme. Solche, die wohl auch das Buch schon hatte, die aber expliziter zutage treten, wenn man im Kinosessel sitzt. Denn in erster Linie ist der Film unheimlich dämlich.
Über den Film
Originaltitel
Whalefall
Deutscher Titel
Whalefall
Produktionsland
USA
Filmdauer
98 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Mandelbaum, Allan / Howard, Ron / Grazer, Brian
Regisseur
Duffield, Brian
Verleih
The Walt Disney Company (Germany) GmbH
Starttermin
15.10.2026
Jay kann den Selbstmord seines Vaters nicht verwinden und beschließt, nach dessen Überresten zu tauchen. Denn totkrank, wie der Vater war, wollte er lieber in seinem geliebten Meer sterben. Aber statt die Überreste zu finden, trifft er auf einen Pottwal, der einen Kalmar jagt. Zusammen mit dem Kalmar landet Jay im Magen des Pottwals und kämpft nun ans Überleben, während er an Erlebnisse mit seinem Vater denkt.
Bei der Geschichte von Jonas und dem Wal mag man hinnehmen, dass es das Innere eines Wals gemütlich hell erleuchtet ist, bei „Whalefall“ wirkt es abstrus, auch wenn biolumineszierende Tiere wie eine Qualle drin sind. Dennoch: Wieso hat ein Taucher, der tief nach unten gehen will, keine Lampe dabei? Oder ein Messer, das gerade im Inneren eines Wals doch sehr recht käme? Wieso scheint der Wal die längste Zeit die Position nicht zu verlagern? Wieso steht er dann einmal senkrecht im Wasser, und zwar genauso lange, wie es dauert, bis die Hauptfigur den Rachen hochkriecht und um Hilfe ruft? Wieso treibt sich der Wal in Küstennähe herum, als Jay den rettenden Plan ersinnt und dann natürlich nicht irgendwo in den Weiten des Meeres ist, sondern so, dass er gleich gerettet werden kann? Weil das Drehbuch mit derlei Zufällen arbeitet. Einer wäre in Ordnung, in der Häufung zeigt sich vor allem, dass eine Geschichte erzählt wird, ohne sich über den realistischen Unterbau Gedanken zu machen.
Da die Handlungsebene im Inneren des Wals wohl auch nicht abendfüllend ist, gibt es ständig Rückblicke zu Jays Erlebnissen mit seinem Vater. Josh Brolin agiert hier in einer eindimensionalen Rolle, deren Texte hauptsächlich aus halbgaren Meeresmetaphern bestehen, die im Kontext des Films extrem aufgesetzt erscheinen. Keine dieser Szenen hat eine echte Existenzberechtigung. Sie sind nur Füllmaterial, und das mit einer gnadenlos jedes Klischee einer dysfunktionalen Vater-Sohn-Beziehung nutzenden Narrativen, die ein gewaltiger Showstopper ist. Das, was im Inneren des Wals passiert, mag hochgradig hanebüchen sein, sieht aber zumindest interessant aus. Die Rückblickszenen sind es wiederum nicht.
Es ist im Grunde erstaunlich, dass eine derart an den Haaren herbeigezogene Geschichte als Roman die Bestsellerlisten stürmte. Ob dem Film ein ähnlicher Erfolg gelingt?
Peter Osteried







